Hannover. So ein Pokalspiel wie das heutige zwischen Hannover 96 und dem FSV Mainz 05 macht in gewisser Weise erfinderisch. Bei den „Roten“ hat Trainer Mirko Slomka diesmal darauf verzichtet, die Mannschaft am Vorabend im Hotel zu versammeln, die Mainzer versuchen, der Zeitnot in der „englischen Woche“ zwischen zwei Bundesligaspielen auf ähnliche Weise zu begegnen: Sie reisen erst am Mittwoch an und haben dazu ein Flugzeug gechartert. „Eine Nacht zu Hause tut allen gut“, sagt Slomka mit Blick auf den engen und noch durch die Europa League angereicherten Spielplan, der von seiner Mannschaft eine gute Substanz an Kraft und Konzentration verlangt. An beidem scheint es nicht zu fehlen, wie in der AWD-Arena nach Borussia Dortmund und Werder Bremen in der Bundesliga jetzt der FC Bayern München zu spüren bekam. Müsste da den Mainzern, die achtmal in Folge nicht gewonnen haben, am Abend nicht von vornherein das Lachen vergehen?
Dass keiner bei 96 in den Fehler verfällt zu glauben, das sei mit links hinzubekommen, ist einer der Gründe, warum es generell so gut läuft beim Team aus Hannover. Die „Roten“ mischen mit ihrer Disziplin, Frechheit und Spielfreude im zweiten Jahr in Folge die Bundesliga kräftig durch, als Europa-League-Neuling schlagen sie sich ebenfalls prächtig, und nun wollen sie auch im DFB-Pokal nach Jahren der Düsternis nicht nur für ein oder zwei Spiele die Sonne scheinen lassen. „Wir können viel erreichen“, sagt Slomka, dessen erstes Ziel in diesem Wettbewerb lautet, auch im Frühjahr dabei zu sein, wenn im Pokal die Entscheidungen heranreifen.
Dazu muss ein Sieg her. Jan Schlaudraff hat auch eine Ahnung, wie das klappen kann. „Wenn wir in Führung gehen, dann ist es schwer, uns zu schlagen“, sagt der 96-Angreifer. Gut möglich, dass er sich damit selbst ein wenig unter Druck setzt. Mit dem Toreschießen wollte es bei ihm zuletzt einfach nicht klappen, das wurmt ihn merklich. Und Schlaudraff weiß, wie sich der DFB-Pokal anfühlt: 2008, als er noch beim FC Bayern unter Vertrag stand, durfte er den Triumph mitbejubeln, auch wenn er im Berliner Finale nicht zum Einsatz kam. Wird die Mainzer Hürde genommen, dann würde 96 so langsam in die Richtung Olympiastadion einschwenken – und das unabhängig von Bundesligaverpflichtungen. 1992, da war doch mal was?! Auch Europa wäre dann im zweiten Jahr in Folge wieder ein heißes Thema, und das – im Unterschied zur Liga – auf dem kurzen Dienstweg.
Dafür, dass 96 kein Spaziergang ins Achtelfinale erwartet, gibt es eine Reihe von Gründen. In der Bundesliga sind die Mainzer häufig unter Wert geschlagen worden, beim 1:1 in Hannover hinterließen sie in Defensive und Offensive alles andere als den Eindruck eines Abstiegskandidaten. Slomkas Team kann dem aber genug entgegensetzen, um diesmal der Sieger zu sein. Etwa die „gute Defensivarbeit“, wie Schlaudraff meint. „Das ist die Grundlage für unseren Erfolg.“ Dazu die Fitness der ganzen Mannschaft, wie Christian Pander sagt, für den es nach Toren in Europa League und Liga nun auch im Pokal an der Zeit wäre zu treffen. Und nicht zuletzt, dass 96 „eine eingeschworene Truppe“ sei, wie Sergio Pinto meint. Der Mittwochabend ist eine vortreffliche Gelegenheit zum Nachlegen.
Norbert Fettback
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