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„Identifikation mit Hannover 96 hat gelitten“

Abstiegsangst bei Hannover 96 „Identifikation mit Hannover 96 hat gelitten“

Es sieht nicht gut aus für Hannover 96, doch wie wirkt sich die Abstiegsangst auf die Sicht der Fans aus? Der Ruf bei den Amateurvereinen ist zwiespältig und auch beim Nachwuchs fällt die Wahl auf das sportliche Vorbild oft auf andere Vereine.

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Wo sind nur die 96-Trikots? Carlon (v. l.) Mitja und Simon, alle siebenjährig, tragen beim VfL-Eintracht-training die Farben des FC Barcelona, von Bayer Leverkusen und von Borussia Dortmund.

Quelle: Naumann

Hannover. Simon steht mit dem Rücken zum Tor. Genauer gesagt zu einer blauen Gummimatte, die in der kleinen Turnhalle der Grundschule Tiefenriede das Tor darstellt. Der Siebenjährige wartet auf das Signal seines Trainers. Der klatscht in die Hände – und schon dreht sich der Schüler blitzartig um die eigene Achse, sprintet kurz dem rollenden Ball hinterher und schießt genau ins Eck. Tor! Simon dreht jubelnd ab. Große Gesten, die er sich von seinen Vorbildern abgeschaut hat. Und die Vorbilder für Simon und seine Mannschaftskameraden der F-Jugend vom VfL Eintracht Hannover, das sind eben Fußballprofis.

Aber sind es noch die von Hannover 96? Auffällig ist, dass fast alle der rund 20 Kinder beim Training ein Trikot tragen – aber nur einer das mit dem Abzeichen der „Roten“. Vertreten ist dagegen die Arbeitskleidung von deutlich erfolgreicheren Bundesligisten: Bayern natürlich, Dortmund, noch häufiger, Barcelona, sogar Bayer Leverkusen. Das ist auch dem Jugendwart von Eintracht Hannover aufgefallen. Christoph Kröner spricht davon, dass bei den Kindern und Jugendlichen des 2500 Mitglieder starken Vereins zu beobachten ist, dass die „Identifikation mit Hannover 96 gelitten hat“. Ein Grund: Der sportliche Niedergang in den vergangenen Jahren. „Viele Kinder gehen ins Stadion und sprechen mit Eltern über die schlechten Leistungen und die negative Entwicklung der Mannschaft“, sagt Kröner. Und gerade die jüngeren, die sich noch nicht auf einen Lieblingsverein festgelegt haben, interessierten sich dann halt für erfolgreichere Vorbilder.

Auch außerhalb des Platzes haben die „Roten“ bei den Amateurvereinen nicht immer einen guten Ruf. Und zwar dann, wenn es ums Geld geht. „96 hebelt alle anderen Vereine aus“, sagt Kröner. Und meint damit: Für den Spitzensport ist Geld da, der Breitensport muss um jeden Cent kämpfen. Sein Verein bräuchte aufgrund der Menge an Mannschaften zum Beispiel dringend einen vierten Rasenplatz zum Trainieren, berichtet Kröner, „aber den kriegen wir nicht“. Also wird im Zweifel auf Asche oder Beton trainiert. Ungleiche Bedingungen.

Für solche Gedankenspiele haben Simon und seine Freunde gar keine Zeit. Ihnen ist der Untergrund egal – hauptsache kicken. Aber, das geben die Jungen einmütig zu, sie wären traurig, wenn die „Roten“ tatsächlich abstiegen. „Die 2. Liga finde ich nicht so toll, da spielen nicht so gute Gegner“, sagt der siebenjährige Mitja. Sein Kumpel Carlon, auch sieben, nickt. Seine 96-Lieblingsspieler Hiroshi Kiyotake, Salif Sané und Ron-Robert Zieler wird er dann wohl nicht mehr live in der HDI-Arena erleben. Aber immerhin kann er plausibel begründen, warum er statt des 96-Trikots das vom FC Barcelona zum Training angezogen hat: „Das andere ist gerade in der Wäsche.“

Von Gerko Naumann

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