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Die Hoffnung ist zurück

96 im Trainingslager Die Hoffnung ist zurück

Andre Hoffmanns letzter Auftritt im Trikot der "Roten" ist lange her. Erst kam die Verletzung am Kreuzband, dann Frontzeck. Nach dem Trainerwechsel will er sich nun wieder in die Stammelf von Hannover 96 spielen: „Das traue ich mir zu.“

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Praktisch auch ein Neuer: Andre Hoffmann am Freitag beim Training in Belek.

Quelle: Treblin

Belek. Es ist schon sehr lange her, dass Andre Hoffmann für Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga am Ball war. Viel zu lange für einen jungen Profi, dessen Karriere nur steil nach oben zu gehen schien. Der 22-Jährige erinnert sich jedenfalls noch genau an seinen letzten Auftritt im Trikot der „Roten“. „Es ist in der Tat lange her. Es war gegen den SC Freiburg am letzten Spieltag der Saison 2013/2014. Ich bin eine Minute vor dem Abpfiff reingekommen“, sagt Hoffmann. Danach begann der Leidensweg des Defensivspielers, ein Weg mit vielen Rückschlägen und Enttäuschungen. Die Hoffnung, dass bald alles besser wird, kam nur ganz langsam zurück. Aber sie ist wieder da. Und Hoffmann auch.

Ende Juni 2014 verletzte sich der Innenverteidiger im Training schwer, das vordere Kreuzband im linken Knie war gerissen. „Das war für mich ein herber Schlag. Davor ging es für mich immer nur bergauf, nicht nur bei 96, auch zuvor beim MSV Duisburg und in der U21-Nationalmannschaft“, sagt Hoffmann. Um wieder fit zu werden, habe er länger gebraucht als geplant, war vielleicht etwas zu ungeduldig, Probleme mit der Patellasehne kamen hinzu. Und auch die Situation bei 96 zu Beginn dieser Saison war für einen schnellen Neustart ungünstig. Die „Roten“ hatten gerade den Klassenerhalt geschafft, Trainer Michael Frontzeck setzte auf die Spieler, die 96 vor dem Abstieg gerettet hatten. „Es war mein Ziel, im Sommer wieder so fit zu werden, dass ich voll angreifen kann”, sagt Hoffmann. Doch daraus wurde nichts.

Schon früh am Morgen begann für Hannover 96 der zweite Tag im Trainingslager. Um 7.15 Uhr stand Lauftraining auf dem Plan, danach gab es Sprung- und Kopfballübungen. In die Eistonne ging es auch.

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Lediglich vier Spiele in der Regionalliga absolvierte der 22-Jährige im vergangenen halben Jahr und stand nur einmal im Profi-Kader. Christian Schulz war gegen Borussia Dortmund ausgefallen, Felipe rutschte ins Team, Hoffmann rückte nach. Das war’s. Gut möglich, dass sich der Profi zu Beginn dieser Zeit selbst ein bisschen im Weg stand. Dass der Anspruch, endlich wieder spielen zu wollen, nicht mit seiner körperlichen Verfassung zu vereinbaren war. Dass da einer den falschen Weg eingeschlagen hat und seinen eigenen Ansprüchen hinterherrennt.

Und einfach Zeit braucht, um auf den richtigen Weg zu finden. Erst im November habe er es geschafft, „fit und wieder komplett schmerzfrei zu werden”, sagt der 96-Profi. Einen Vorwurf an Frontzeck, der ihn links liegen ließ, hört man von Hoffmann nicht. Aber eine „Kopfsache“, wie Frontzeck behauptete, sei nicht sein Problem gewesen. „Das Problem war ganz klar nur die Symptomatik im Knie“, sagt Hoffmann.

Die Mission Klassenerhalt ist gestartet: Im Trainingslager in Belek hat Hannover 96 das erste Training absolviert.

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Hoffmann fühlt sich gut, die Leistungen im Training werden immer besser. Doch dann folgt der nächste Rückschlag. Anfang November erfährt Hoffmann von Frontzeck, „dass ich auf absehbare Zeit keine Chance auf einen Stammplatz habe. In dem Moment war es schon hart, weil ich auf einem aufsteigenden Ast war. Es waren noch mehrere Wochen bis Weihnachten, wir hatten noch sieben Spiele. Nach dem Gespräch wusste ich, dass ich fürs Wochenende nie eine Rolle spielen würde, egal was ich mache.”

Aber Hoffmann will wieder in der Bundesliga spielen, unbedingt. Eine Ausleihe? Warum nicht. Es gibt Gerüchte vom Interesse anderer Clubs, manche vielleicht auch bewusst lanciert von umtriebigen Beratern. Auch der Name vom Ligakonkurrenten 1. FC Köln, wo Hoffmanns Kumpel Leonardo Bittencourt spielt, fällt. Aber zumindest ein Wechsel zum FC soll nie ein ernstes Thema gewesen sein.

Stürmischer Regen hat die 96-Profis in der Türkei empfangen. In Belek haben sie am Donnerstagmittag ihr Quartier bezogen.

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Doch mit dem Trainerwechsel hat sich plötzlich alles für Hoffmann geändert. Statt der Perspektivlosigkeit bei Frontzeck scheint es für ihn unter dem neuen 96-Coach Thomas Schaaf wieder eine Zukunft zu geben. Und die will der 22-Jährige nutzen. „Jeder fängt wieder bei null an und kann sich präsentieren. Ich bin absolut fit und kann der Mannschaft sofort helfen”, sagt Hoffmann.

Schaaf muss er erst noch überzeugen, bei Martin Kind ist ihm das schon gelungen. Der 96-Clubchef beendete vor Kurzem in der HAZ alle Wechselabsichten: „Wir werden Andre definitiv nicht abgeben“, sagte Kind. „Das ist für mich Ansporn zu zeigen, dass ich wieder da bin. Aber auch das Feedback durch die 96-Fans war sehr positiv. So eine Wertschätzung nach der langen Verletzungspause ist ein sehr gutes Gefühl”, sagt Hoffmann. Ein gutes Gefühl wäre es wohl auch, endlich wieder für 96 zu spielen. Am besten schon beim Rückrundenstart gegen Darmstadt. Zweifel, ob er dafür schon bereit ist, hat Hoffmann nicht. „Das traue ich mir zu. Auf jeden Fall.”

Konkurrenzkampf

Neue Chancen: Es steht außer Frage, dass die 96-Fans in zwei Wochen beim ersten Heimspiel gegen Darmstadt 98 eine andere 96-Elf sehen werden als zum Hinrundenende gegen den FC Bayern. Auf einigen Positionen hat Trainer Thomas Schaaf nur wenige Optionen für Veränderungen, in anderen Mannschaftsteilen, wie dem defensiven Mittelfeld, gibt es hingegen mehrere Alternativen. Das trifft auch auf die Innenverteidigung zu. Auch ohne Neuzugänge ist der Kampf um die beiden Plätze in der Abwehrzentrale unter dem neuen Trainer neu entbrannt.

In der Hinrunde vertraute der ehemalige Coach Michael Frontzeck auf Christian Schulz und Marcelo. Lediglich einmal ersetzte Felipe den verletzten Schulz – bei der 2:4-Niederlage im Heimspiel gegen Borussia Dortmund verschuldete der Brasilianer zwei Elfmeter und erzielte zudem ein Eigentor. Danach war er, obwohl nicht verletzt, erst einmal außen vor. Das gilt auch für Andre Hoffmann, der vor seinem Kreuzbandriss in der Innenverteidigung gesetzt war, jedoch bei Frontzeck überhaupt keine Rolle spielte.

Beim Neustart unter Schaaf haben die beiden nun die Chance zu zeigen, dass sie mehr sind als nur Ersatz. Die bislang gesetzten Schulz und Marcelo machten in der Hinrunde nicht immer den sichersten Eindruck. Das gilt besonders für Marcelo. Die Stärke des Brasilianers ist sein Kopfballspiel, in der Spieleröffnung hat er große Defizite. Unter Trainer Tayfun Korkut bevorzugte Marcelo den gepflegten Sicherheitspass zum Nebenmann, unter Frontzeck wurde er zum ungekrönten König des 30-Meter-Chips, der meistens beim Gegenspieler landete. Kurzum: Wenn’s beim Umschaltspiel schnell und genau gehen soll, hat der Brasilianer Defizite. Und Schulz fehlte in so mancher Situation die Spritzigkeit.

Felipe und Hoffmann sind technisch versierter und in der Lage, das Spiel der „Roten“ vom eigenen Strafraum an aufzubauen. Allerdings ist der Brasilianer den Beweis seiner Klasse bei 96 noch schuldig geblieben. Und Hoffmann besitzt kaum Spielpraxis. Dennoch will der Innenverteidiger um einen Platz in der Startelf kämpfen. „Durch den Trainerwechsel wird jeder Spieler neu bewertet. Wenn ich es schaffe, an die Leistungen vor meiner Verletzung anzuknüpfen, denke ich, dass ich eine Rolle spielen kann“, sagt Hoffmann.

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