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Wie gut ist die neue Mannschaft wirklich?

Vor 96-Pflichtspiel in Kassel Wie gut ist die neue Mannschaft wirklich?

Es geht endlich wieder los. Die lange Vorbereitung und die Zeit des Testens sind vorbei. Vorfreude stellt sich ebenso ein wie Anspannung, aber auch Skepsis. Vor dem Pflichtspielstart am Sonntag bei Hessen Kassel gibt es bei Hannover 96 noch viele Fragen – nicht nur sportliche.

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„Die Freundschaftsspiele werden viel zu hoch gehängt“: 96-Trainer Michael Frontzeck vor Trainingskiebitzen auf der Mehrkampfanlage.

Quelle: Petrow

Hannover. Ob die Neuzugänge einschlagen, ob die Mannschaft passt. Genau diese Gefühlslage herrscht auch unmittelbar vor dem ersten Pflichtspiel am Sonntag bei Hessen Kassel bei Hannover 96 vor. Nur die Verteilung ist ein wenig anders, gerade im Umfeld der „Roten“ überwiegt der Anteil der Skepsis vor dem Start. Und es ist nicht nur die schwer einzuschätzende sportliche Substanz, die vielen Magendrücken beschert. Es ist die Gesamtlage in der Profiabteilung. Hannover 96 stellt sich derzeit als ein Verein mit etlichen Fragezeichen dar.

Einen Tag nach der Bekanntgabe von Dirk Dufners Rücktritt hat die Mannschaft von Hannover 96 wie üblich in der Mehrkampfarena trainiert. 

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Die Mannschaft hat sich mit schwachen Auftritten und Ergebnissen durch die Vorbereitung gequält. Mit Dirk Dufner geht gerade der wer weiß wievielte Sportdirektor vorzeitig. Und Martin Kind ist – natürlich mit einer gehörigen Portion eigenem Zutun – wieder zum Alleinherrscher aufgestiegen. Alles liegt mal wieder beim Clubchef und Multi-Geschäftsführer der „Roten“. Außerhalb Hannovers ist Kind das Gesicht von 96 – der 71-jährige Clubchef und nicht etwa ein Spieler. Woanders in der Bundesliga ist das inzwischen undenkbar.

Alles liegt bei Kind. Das ist Fluch und Segen zugleich. Oft ist diese Konstante eine große Stärke. Wenn nichts mehr läuft, muss und wird es der Unternehmer schon richten. Ohne ihn würde es 96 in der jetzigen Form überhaupt nicht geben. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, aber unmöglich wäre es nicht, dass die „Roten“ heute gemeinsam mit dem morgigen Pokalgegner in der 4. Liga herumdümpeln würden, hätte Kind 1997 nicht den Club in seiner tiefsten Krise übernommen.

An anderen Punkten ist dieses Patriarchentum aber auch eine große Schwäche. Delegieren ist weiß Gott nicht Kinds Stärke, so hatte nahezu jeder Manager oder Sportdirektor hinzunehmen, dass der allgegenwärtige Clubchef Entscheidungen hinterfragt und auch korrigiert – und mancher Manager hat kapituliert. Es herrscht der Eindruck vor, dass es niemand bei 96 dem Hörgeräte-Unternehmer rechtmachen kann.

Kind hat sich oft darüber beschwert, die einzige Konstante im Unternehmen 96 zu sein. Bisher hat er selbst auch zu wenig dafür getan, dass sich dieses ändert. Durch seine Alleingänge hat er aber auch den Löwenanteil der Kritik auf sich selbst gezogen, wenn eine Personalentscheidung mal wieder danebenging, wenn er einen Manager oder Trainer holte, von dem ihm etliche Vertraute abrieten, wenn er mit einem Sportdirektor weitermachte, der weder sein noch das Vertrauen der 96-Gesellschafter hatte.

Kind hat es zwar irgendwie immer wieder hingekriegt, aber es scheint für ihn zunehmend mühsamer zu werden. Er ist gewillt, das hat er mehrfach betont, künftig Entscheidungsgewalt abzugeben. Seine Absicht, in nächster Zeit einen Sportdirektor und einen Ko-Geschäftsführer, der speziell ihn entlasten würde, einzustellen, hört sich gut an. Zum Erfolg aber wird sein Plan erst werden, wenn er seinen Nebenmann wirklich lässt. Es muss ein gleichberechtigter Partner sein, der auch mal einen Fehler machen darf, ohne intern gleich an den Pranger gestellt zu werden. Ein bekannter und auch erfolgreicher Sportmanager sagte kürzlich: „Hannover 96 ist zweifellos eine große Herausforderung. Da ist vieles möglich, aber sehr schwer neben Martin Kind. Da fehlt mir irgendwie das Vertrauen in seine Leute – und so denken viele meiner Kollegen.“

Die Trennung von Dufner ist also eine große Chance zur Neuordnung im Club, auch für Kind. Aber bei allen Reformen in Geschäftsführung oder Leitung ist der sportliche Erfolg für einen Fußball-Bundesligisten das Allerwichtigste.

96-Sportdirektor Dirk Dufner hat am Dienstag seinen Rücktritt verkündet. Nun stellte sich die Frage, wer sein Nachfolger wird. Wir stellen mögliche Kandidaten vor.

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Und da landet man schnell bei dem nächsten Fragezeichen: Wie gut ist die neu zusammengestellte Mannschaft wirklich? Ohne Spielwitz und Torgefahr ist das Team in den Testspielen aufgetreten. Die Defensive steht, aber sonst nichts. Von Kombinationen oder dem geforderten schnellen Umschaltspiel war ebenso wenig zu erkennen wie Flügelläufe oder gefährlichen Standards. Und: Es fehlen Typen. „Ich finde, die Freundschaftsspiele werden viel zu hoch gehängt“, sagte Trainer Michael Frontzeck. „Man darf nicht vergessen, dass wir eine harte Vorbereitungszeit hatten und dass viele neue Spieler integriert werden müssen. Das braucht seine Zeit.“ Auch die bisherige Torflaute mache ihm wenig Kopfzerbrechen. „Es ist wenig hilfreich, darüber zu reden“, sagte der 51-Jährige, „viel wichtiger ist es, daran zu arbeiten, und das haben wir sehr hart getan.“ Die Lacher hatte Frontzeck auf seiner Seite, als er noch nachlegte: „Es liegt auch nicht nur an den Stürmern. Ich habe niemandem bei uns verboten, ins Tor zu schießen“, sagte er, „außer dem Ron (Torwart Ron-Robert Zieler, d. Red.), den würde ich davon ausnehmen.“

Darauf, wo die „Roten“ sportlich nach der holprigen Vorbereitung wirklich stehen, gibt es morgen in Kassel eine erste Antwort. Aber auch nur eine erste; das Spiel zeigt lediglich die Tendenz auf. Aussagekräftiger sind da zweifellos die ersten Bundesligapartien. Auf dem Weg dahin ist ein Erreichen der zweiten DFB-Pokalrunde nicht nur hilfreich. Es ist sogar unumgänglich, um die Vorfreude auf die Saison zu erhöhen und die Skepsis einzudämmen.

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Puh, war das knapp. Der Favorit wackelte, aber er fiel am Ende doch nicht; und das mit einigem Glück: Hannover 96 mühte sich mit einem 2:0-Sieg beim Viertligisten KSV Hessen Kassel in die nächste Pokalrunde. 

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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