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"Ein 96-Trainer Lieberknecht? Undenkbar!"

Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig "Ein 96-Trainer Lieberknecht? Undenkbar!"

Transfers zwischen den „Roten“ und Eintracht Braunschweig waren früher gang und gäbe. Heute sind sie ein Ding der Unmöglichkeit. Während das Verhältnis zwischen Spielern, Trainern und Verantwortlichen von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig normal bis gut ist, geht zwischen bestimmten Fangruppen gar nichts.

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BTSV-Coach Torsten Lieberknecht kann sich einen Wechsel zu 96 nicht vorstellen.

Quelle: Archiv/Montage

Hannover. Ein Wechsel von Profis oder gar Trainern von dem einen Club zum anderen, der lange gang und gäbe war, ist fast zur Unmöglichkeit geworden. „Hannover ist für mich undenkbar. Dafür bin ich mit Eintracht zu verwurzelt“, sagt etwa BTSV-Coach Torsten Lieberknecht. „Und ich denke, umgekehrt könnte sich in Hannover auch keiner den 96-Trainer Lieberknecht vorstellen.“

In den Worten des 43-Jährigen liegt eine Menge Wahrheit, denn wenn es aus sportlichen Gründen auch Sinn machen würde, mal einen Spieler oder einen Trainer vom Nachbarn zu holen - der Betreffende wäre heutzutage einem wahren Spießrutenlauf ausgesetzt.

In der Vergangenheit gab es Transfers zwischen Hannover und Braunschweig regelmäßig, und etwaige Vorbehalte schlugen schnell in Sympathie um, wenn denn die Leistung stimmte. Ein gutes Beispiel dafür ist Marco Dehne. Der Linksfuß, mittlerweile 47 Jahre alt, hat es sogar geschafft, bei beiden Clubs zum Publikumsliebling aufzusteigen, in Braunschweig gar als „Fußball-Gott“ verehrt zu werden. Und das in einer Zeit, als die Emotionen zwischen beiden Fanlagern sich schon sehr hochgeschaukelt hatten. Eigentlich nicht nur für Unbeteiligte eine ganz normale Sache. Bei der jetzigen Fan-Beziehung 96/Eintracht gliche das aber schon einer Sensation.

Wenn man Hannoveraner und Braunschweiger nach den Derbys ihrer Fußballvereine fragt, dann lautet die Antwort meist: "Es gibt nur eines!" Gemeint ist das Niedersachsen-Derby, Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig. Treffen diese Vereine aufeinander, dann brennt es auf und neben dem Platz.

Wir werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte dieses großen Fußballderbys.

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„Die Fans haben gemerkt, dass ich versucht habe, ehrlichen Fußball zu spielen, unabhängig von den Vereinsfarben“, sagt Dehne, der von 1993 bis 1996 für die „Roten“ spielte und von 1996 bis 1999 für die Blau-Gelben. Sein sympathisches und authentisches Auftreten half dem Burgdorfer außerdem. Wie die meisten Fans freut er sich auf das Derby am Sonntag. „Eintracht gegen 96, das ist Emotion pur“, sagt er. „Wie für wahrscheinlich jeden in Niedersachsen ist das für mich ein komplett besonderes Spiel.“

Er erinnert sich auch gern an vergangene Derbys, etwa als es in der Saison 1997/1998 ebenfalls für beide Vereine um den Aufstieg ging - damals waren beide allerdings drittklassig. Dehne spielte seinerzeit für Braunschweig. „Jeder Spieler wusste, was eine Partie bedeutet“, sagt er. „Aber: Die Spieler unter sich hatten immer Respekt voreinander. Es war sportlich fair, und die Spiele waren kein Geholze.“ Fairness ist für den 47-Jährigen ohnehin das höchste Gebot für alle bei den Derbys - egal ob auf oder neben dem Platz. „Eine gesunde Rivalität gefällt mir, da hat doch jeder Spaß dran. Aber sie sollte in allen Bereichen sportlich ausgetragen werden.“

Als 96 einen Eintracht-Trainer verpflichtete

Für erheblich größere Aufmerksamkeit als Dehnes Transfer hatte 26 Jahre zuvor die Verpflichtung des einzigen Braunschweiger Meister-Trainers gesorgt. Helmut Johannsen (gestorben 1998), bei der Eintracht seit dem Titelgewinn 1967 eine Ikone, wechselte unmittelbar nach seiner Zeit an der Hamburger Straße nach Hannover. Von einem Tag auf den anderen sozusagen. Sein alter Vertrag ende am 30. Juni 1970, sein neuer begann am 1. Juli 1970. Es wurde keine schöne Zeit für den Hanseaten Johannsen. Das lag jedoch weniger an irgendwelchen Ressentiments der 96-Fans, die damals erheblich gelassener mit solchen Personalien umgingen, als vielmehr am ausbleibenden Erfolg. In etwa eineinhalb Jahren las sich seine Bilanz ernüchternd: 14 Siegen standen in seinen 49 Spielen auf der 96-Bank zehn Remis und 25 Niederlagen gegenüber. Am 13. November 1971 endete etwas, das man wohl als Missverständnis einstufen kann.

Zwei andere Trainer, die für beide Clubs arbeiteten, hatten ihre bessere Zeit dagegen in Hannover. Michael Lorkowski wird als Coach der Pokalsieger-Mannschaft von 1992 für immer mit der 96-Geschichte verbunden sein. Der 61-Jährige hatte damals unmittelbar nach dem Triumph von Berlin die „Roten“ verlassen müssen. Er heuerte danach beim VfB Lübeck und beim Wuppertaler SV an, bevor es ihn zum Drittligisten Braunschweig verschlug (1996 bis 1998) - ausgerechnet in einer Zeit, als 96 auch in der 3. Liga spielte. 96 und Eintracht dominierten damals die Klasse nach Belieben. Aber es konnte nur einen Meister geben - und das waren zweimal die „Roten“. Für Lorkowskis Ansehen in der Landeshauptstadt nicht ganz unwichtig.

Reinhold Fanz, der die Hannoveraner 1998 als Trainer zurück in die 2. Liga geführt hatte, sollte später (1999 bis 2001) Gleiches in Braunschweig vollbringen. Es blieb beim Vorhaben, am 17. Mai 2001 wurde er entlassen.

Michael Krüger (1989/1990 Cheftrainer bei 96; 1971 hatte ihn Johannsen als Spieler zu den „Roten“ geholt) war da erfolgreicher. Er brachte Eintracht 2005 in die 2. Liga, was ihn später im Oktober 2006 auch nicht vor der Entlassung bewahrte. Heute sei ein Frontenwechsel fast unmöglich, sagt der 62-Jährige und stimmt in dem Punkt mit Lieberknecht überein.„Das Risiko wäre viel zu groß. Man müsste wohl erst einmal mit zehn Siegen beginnen, um die Skepsis zu zerstreuen“, sagt Krüger.

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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