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Was Schaaf bei Hannover 96 ändern muss

Neuer 96-Trainer Was Schaaf bei Hannover 96 ändern muss

Am 4. Januar stellt sich der neue 96-Trainer Thomas Schaaf erstmals der hannoverschen Öffentlichkeit. Von den Fans der „Roten“ bekommt er schon jetzt einen großen Vertrauensvorschuss. Auch deshalb, weil viele mit ihm die Hoffnung auf attraktiveren Fußball in Hannover verbinden.

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Thomas Schaaf in der HDI-Arena? Das ist nicht neu. Künftig sitzt Schaaf jedoch nicht mehr auf der Gästebank.

Quelle: Imago

Hannover. Der neue Trainer hat noch gar nicht angefangen, und doch hat Thomas Schaaf beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 etwas erreicht, was seinen beiden Vorgängern niemals richtig gelungen ist: Er hat beim hannoverschen Publikum Hoffnung geweckt, weil ihm etwas zugetraut wird. Tayfun Korkut blieb in seiner 475 Tage langen Dienstzeit für die Mehrheit der 96-Anhänger ein bei seiner ersten Profistation überforderter Trainer. Michael Frontzeck genügte nicht einmal die Rettungsmission im Mai, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, dass es in Hannover auch mal wieder Zeiten ohne Abstiegskampf geben wird.

Mit jeder Stunde, die die  Nachricht von der Verpflichtung Schaafs die Runde machte, wandelte sich das Stimmungsbild. Auch unter Schaaf wird 96 am 23. Januar als Tabellenvorletzter gegen Darmstadt 98 in die Rückrunde starten. Aber wenn man sich durch die unzähligen Reaktionen in den sozialen Netzwerken gelesen hat, dann bleibt hängen: Es gibt auch kritische Stimmen - wie immer im Fußball -, aber die meisten 96-Fans glauben: Wenn Schaaf es nicht schafft, dann schafft es keiner. Die Erklärung für diesen Vertrauensvorschuss ist relativ einfach: Schaaf hat mit Werder Bremen in einem wirtschaftlichen schlechteren Umfeld als Hannover viele Jahre Erfolg gehabt. Und Schaafs Mannschaften haben stets einen attraktiven Fußball gespielt.

Er ist bekannt für seine Schlagfertigkeit: Die besten Sprüche von Thomas Schaaf.

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Als bereits feststand, dass Schaaf bei Eintracht Frankfurt nicht länger als die Spielzeit 2014/2015 bleiben wird, gab es von Vorstandschef Heribert Bruchhagen nur anerkennende Worte für den Trainer. Bruchhagen sprach von einer „Saison des Spektakels“. Unter Schaaf hatte die Eintracht sehr unterhaltsamen Fußball gezeigt. Von einem 9. Platz, wie ihn die Frankfurter unter Schaaf belegten, träumt man heute bei 96. Nur drei Clubs hatten mehr Treffer als Frankfurt (56) erzielt, mit Alexander Meier stellte die Eintracht den Torschützenkönig.

Neben dem Wunsch, mal wieder etwas anderes als Abstiegskampf zu erleben, haben die vergangenen zwei verlorenen Jahre in Hannover die Sehnsucht nach Fußballspielen geweckt, die nicht schon auf dem Weg zum Parkplatz oder zur U-Bahn-Station vergessen sind. Man schaute von September an dienstags und mittwochs im Fernsehen die Champions League, und jedem war klar, dass 96 niemals so spielen würde wie Bayern München. Aber ein bisschen davon abzubekommen, vom Kombinationsspiel, von der Lust an Offensive und Toren, dieser Traum ist geblieben. Auch deshalb klingt der Name Schaaf wie ein Versprechen, obwohl es vorerst einmal darum gehen wird, mit dem neuen Trainer irgendwie den 15. Platz zu erreichen.

Neuer Trainer, neuer Geschäftsführer, neuer Sportdirektor: Das Personalkarussel in der sportlichen Führung bei Hannover hat sich innerhalb eines Jahres komplett gedreht. Auch die Ultras sind nach ihrem Stadion-Boykott wieder zu den Spielen der ersten Mannschaft zurückgekehrt.

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Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um sich vorzustellen, dass Hannover 96 unter Schaaf offensiver spielen wird als unter Frontzeck. „Wir wollen, dass auf dem Platz was los ist.“ Bereits dieser eine Satz von Schaaf am Tag seiner Verpflichtung hat neugierig gemacht. Aber kann der 54-Jährige mit 96 überhaupt seine berühmte Werder-Rauten-Taktik kopieren?

Mit dem Kader der Hinrunde wäre das unmöglich. Das Mittelfeld ließe sich zwar in einer qualitativ ansprechenden Raute anordnen mit Salif Sané als einzigem defensiven Mittelfeldspieler und einem gesunden Hiroshi Kiyotake als Spielmacher hinter zwei Sturmspitzen. Doch spätestens an diesem Punkt würde Schaaf ein Problem bekommen, denn zwei starke Stürmer hat 96 nicht. Eigentlich hat 96 nicht einmal einen erstligatauglichen Angreifer ... Aber auch das soll sich ja ändern in Hannover.

Die Wünsche an den neuen Trainer

Was Hannover 96 in der Rückrunde vor allem und dringend braucht, liegt als Tabellenvorletzter auf der Hand: Punkte. 14 sind es bislang, weniger als 35 sollten es am Ende auf keinen Fall werden. In der vergangenen Saison erreichte Hertha BSC mit 35 Zählern den rettenden 15. Platz, der SC Freiburg stieg mit 34 Punkten ab. Um den Klassenerhalt zu schaffen, wird Schaaf gleich auf mehreren Baustellen anpacken müssen.

Ein Plan muss her: Auch das klingt selbstverständlich, zuletzt unter Schaafs Vorgänger Michael Frontzeck hatte man aber selten den Eindruck, dass die Mannschaft auf dem Spielfeld einem Plan folgte. Mal störte sie früh und durchaus erfolgreich wie bei Schalke 04, um dann im selben Spiel plötzlich wieder auf Defensive zu schalten. Vom ursprünglichen Vorhaben, mit Tempo über die Außenpositionen zu agieren, wie es Frontzeck vor der Saison angekündigt hatte, war selbst in Ansätzen nichts zu erkennen.

Mehr Heimstärke: Die „Roten“ haben in der Hinrunde in der HDI-Arena lediglich sechs Punkte geholt – nur Werder Bremen hat im eigenen Stadion eine schlechtere Bilanz. Heimsiege sind das Fundament für den Klassenerhalt und haben einen schönen Nebeneffekt: Mit ihnen erobert man enttäuschte Fans am einfachsten zurück.

Mehr Torgefahr: 18 Treffer in 17 Spielen sind eine klägliche Bilanz, vor allem deshalb, weil Hannover 96 vier Treffer in einer einzigen Partie (beim 4:0 gegen den FC Ingolstadt) erzielt hat. Die beiden besten 96-Schützen Hiroshi Kiyotake und Artur Sobiech trafen jeweils nur dreimal. Andere abstiegsgefährdete Teams wie Werder Bremen (Anthony Ujah, 7 Tore) oder Eintracht Frankfurt (Alexander Meier, 7 Tore) haben einen Top-Torjäger.

Mehr Moral: „Die Mannschaft ist zurückgekommen.“ Diesen Klassiker aus der Trainersprüche-Sammlung gab es bei Hannover 96 in der Hinrunde ein einziges Mal zu hören. Nur einmal kam nach einem Rückstand noch ein Sieg heraus, und zwar im Nordderby beim 2:1-Erfolg in Hamburg.

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