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Hannover 96 gegen Gladbach

Der Albtraum hat einen Namen


Marco Reus. Welch ein genialer Spieler, welch ein Könner, welch ein Fußballvirtuose. Es gibt wahrlich nicht viele seiner Sorte in der Bundesliga. In Hannover sieht man das bei aller Wertschätzung ein wenig anders.
Gladbachs überragender Marco Reus (r.) jubelt nach dem Führungstreffer zum 1:0. 96-Torhüter Ron-Robert Zieler blickt ihm bedient hinterher.

Gladbachs überragender Marco Reus (r.) jubelt nach dem Führungstreffer zum 1:0. 96-Torhüter Ron-Robert Zieler blickt ihm bedient hinterher.

© zur Nieden

Mönchengladbach. Marco Reus – welch ein Albtraum, so oder so ähnlich dürfte die 96-Definition nach dem eigenen missglückten Auftritt im Borussen-Park von Mönchengladbach und den Reus-Festspielen lauten. Diesen 22-Jährigen wird bei den „Roten“ so schnell niemand vergessen.

Reus brillierte, und – und das machte das Ganze für 96 besonders bitter – er traf auch noch. Gleich zweimal sogar. Beide Male wunderschön, weil mit vorhergehendem Tänzchen. Emanuel Pogatetz und Karim Haggui, die gestandenen hannoverschen Innenverteidiger, schienen so begeistert vom Einfallsreichtum Reus’ und von dessen Ball- und Körperbeherrschung, dass sie kurz davor schienen, dem wuseligen Dribbler zu applaudieren.

Das 96-Pärchen fand jedenfalls nicht nur in diesen Szenen kein Mittel gegen ihn. Pogatetz vernascht, 1:0 (21. Minute), Haggui veräppelt, 2:1 (50.). Das war schon die Entscheidung.

„Marco Reus hat heute den Unterschied gemacht“, sagte 96-Klubchef Martin Kind. Recht hatte er – und doch, so sah es der 67-Jährige übrigens auch, wäre es viel zu einfach, die Geschehnisse in Mönchengladbach einzig auf Reus zu beschränken. Die Hauptschuld an dieser Auswärtsniederlage trugen die „Roten“ selbst mit ihrer viel zu lange andauernden Passivität. Mehr als 50 Minuten hatte sich 96 einzig am Ergebnis orientiert, im Wesentlichen auf die Defensive gesetzt, das Angriffsspiel sträflich und bewusst vernachlässigt. Dazu entpuppte sich das defensive Mittelfeld mit Altin Lala anfangs als großer Schwachpunkt bei den „Roten“. Immer wieder gelang es den Borussen-Spielern (oft Mike Hanke), aus dieser Zone Reus oder Juan Arango geschickt einzusetzen. Da auch die komplette Vierer-Abwehrreihe große Mühe mit sich selbst hatte, musste Torwart Ron-Robert Zieler mehrfach seine Klasse beweisen, meistens natürlich gegen Reus.

Erst nach dem 0:1 erwachte 96 kurzzeitig aus der selbst auferlegten Inaktivität. Es gab eine kleine Phase offensiven Bemühens, die auch umgehend belohnt wurde. Pogatetz köpfte sein allererstes Bundesligator im 96-Dress – nach einem klasse Freistoß von Christian Pander.

Nach dem Ausgleich wurde der Vorwärtsdrang umgehend beendet, man nahm sich jäh zurück, es ging wieder in die Defensive mit dem alten Mittel: lang geschlagene Bälle auf die ohnehin abgemeldeten Stürmer. Wenig effektiv und zudem leicht ausrechenbar.

„Wir haben erst nach dem 1:2 angefangen, Fußball zu spielen“, gestand Jan Schlaudraff dann auch. Der 96-Stürmer war hauptverantwortlich dafür, dass die Aktionen der Gäste jetzt flüssiger und zielstrebiger aussahen. Er ließ sich zunehmend ins Mittelfeld zurückfallen und fungierte als Ideengeber und Ballverteiler. Unterstützt von Manuel Schmiedebach, der die Lethargie der 1. Halbzeit komplett ablegte, und Pander, der – bis ihm die Kräfte ausgingen – auf der linken Seite für ordentlich Betrieb sorgte.

„Wir haben dann alles versucht“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka – und sprach gleich danach ein weiteres Hauptübel vom Sonnabend an: „Es ist schwer, aus halben Chancen Treffer zu erzielen.“ Zu oft wurde nämlich der sogenannte letzte Pass zu ungenau, zu schlampig gespielt.

So setzte es eine vermeidbare Auswärtsniederlage – es war bereits die dritte in dieser Saison. „Wir wissen, dass wir deutliche Schwächen haben“, sagte Klubchef Kind, „die Auswärtsschwäche gehört dazu.“ Und das Wissen, dass der zum 96-Albtraum gewordene Marco Reus in dieser Verfassung nur schwer in Schach zu halten ist.

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