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Der Überraschungscoup des Martin Kind

Mehr Macht bei Hannover 96 Der Überraschungscoup des Martin Kind

Martin Kind ist ein Überraschungscoup gelungen: Der 72-Jährige hat die Gesellschafteranteile von Detlev Meyer übernommen und besitzt nun mit rund 52 Prozent die Mehrheit an der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG. 

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Martin Kind ist jetzt Mehrheitsgesellschafter in der 96 S&S. 

Quelle: Nigel Treblin

Hannover. Von Rückzug keine Spur, im Gegenteil: Martin Kind hat seinen Einfluss bei Hannover 96 vergrößert und dafür noch mal mehrere Millionen Euro investiert. Kind ist Clubchef, Vierfach-Geschäftsführer und jetzt auch mit rund 52 Prozent auch Mehrheitsgesellschafter bei der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG (kurz: S&S). Das ist vor allem deshalb brisant, weil die S&S am 8. Juli 2018 den 96-Profibereich komplett übernehmen kann - im Kampf gegen die sogenannte 50+1-Regel im deutschen Fußball hatte Kind diese Möglichkeit ausgehandelt.

In dem komplizierten 96-Gebilde kommt der S&S eine Schlüsselfunktion zu, denn in ihr sind mit einem Gesellschaftskapital von 25,3 Millionen Euro die Investoren versammelt. Kinds Beteiligungsgesellschaft Marnicam, die aus Teilen der Namen seiner drei Enkel benannt ist, hielt mit rund 27 Prozent bereits den größten Anteil an der S&S, seit seinem am Himmelfahrtstag bekannt gewordenen Überraschungscoup besitzt der 72-Jährige mit künftig rund 52 Prozent die Mehrheit. Kind übernahm für einen nicht bekannten Kaufpreis von Mitgesellschafter Detlev Meyer dessen Anteil von 25,69 Prozent. Die S&S hat damit nur noch sechs statt sieben Gesellschafter, weitere Veränderungen in dem Kreis „schließe ich nicht aus“, sagte Kind der HAZ. Vielleicht komme noch einer wieder dazu. „Mittelfristig müssen wir das Kapital erhöhen, um nach dem Wiederaufstieg wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Der öffentlichkeitsscheue Meyer war in der Vergangenheit bei 96 so gut wie nicht in Erscheinung getreten. Der Multimillionär aus Neustadt am Rübenberge hatte 2004 die von ihm gegründeten Modefirmen Street One und Cecil verkauft und vergangenes Jahr mit seiner Hamburger Beteiligungsgesellschaft Tocos die Mehrheit am Weinhändler Hawesko übernommen; in der S&S war er nach Kind der zweitgrößte Anteilseigner. „Mir war wichtig, dass Herr Kind jetzt mit seinem größeren Engagement im verkleinerten Gesellschafterkreis die Neuausrichtung von Hannover 96 in seinem Sinne leichter vorantreiben kann“, sagte Meyer, der bereits in der zurückliegenden Gesellschafterversammlung den Verkauf seiner Anteile signalisiert haben soll. „Das Thema war schon länger auf der Agenda, erste Gespräche gab es bereits im vergangenen Jahr“, sagte Kind.

Dass die Nachricht von Kinds Machterweiterung erst nach der Mitgliederversammlung der „Roten“ am 26. April bekannt wurde, sorgte vor allem in den sozialen Netzwerken für Kritik. „Der Eindruck ist blöd, und ich gebe zu, dass das Timing unglücklich ist“, sagte Kind. „Aber von uns ist keiner auf die Idee gekommen, dass die öffentliche Wahrnehmung in dem Kontext geschehen würde. Die entscheidende Frage war und ist, für 96 wirtschaftliche Stabilität zu schaffen. Sollte ich das deshalb vier Wochen liegenlassen?“

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Martin Kind hat ein Signal gesetzt: Er will das Sagen bei Hannover 96 behalten. Wie finden Sie das?

Nach dem Abstieg in die 2. Liga befinde sich 96 laut Kind in einer „schwierigen, angespannten Situation“. Mehr als 30 Millionen Euro weniger Einnahmen sind zu erwarten. „Dass ich noch mal Geld in die Hand nehme, ist ein Zeichen für das Vertrauen in die Zukunft von Hannover 96“, sagte Kind.

Die Aufregung um die Anteilsübernahme könne er nicht verstehen. „Das Kapital bleibt unverändert, die Anteile verschieben sich. Das ist alles.“ Und die wichtigen Entscheidungen für den Profibereich wie Transferhaushalt oder die Trainerfrage würden ohnehin im Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der 96 GmbH & Co. KGaA getroffen. In dieser Gesellschaft ist Kind neben Martin Bader und Björn Bremer einer von drei Geschäftsführern, im Aufsichtsrat sitzen auch zwei Vereinsvertreter.

Probleme im Gesellschafterkreis der S&S erwartet Kind nicht. „Das geht so weiter wie immer. Er wird diskutiert und abgestimmt. Bislang gab es noch nie eine Abstimmung, die Konflikte nach sich gezogen hat.“ Gregor Baum, mit 8,5 Prozent an der S&S beteiligt, soll, wie es aus dem 96-Umfeld heißt, von Kinds Anteilsübernahme nicht begeistert sein. „Ich möchte mich im Moment dazu nicht äußern“, sagte Baum auf Nachfrage der HAZ.

Das sind 
S&S und KGaA

Hannover 96 GmbH & Co. KGaA: Diese Abteilung, kurz KGaA, ist praktisch das 96-Profiunternehmen und nach der Ausgliederung 1999 Lizenznehmer bei der Deutschen Fußball-Liga. Auch das Nachwuchsleistungszentrum gehört zum Aufgabenbereich. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die 96 Management GmbH, deren Geschäftsführer Martin Kind ist.

  • Geschäftsführung: Martin Kind, Martin Bader, Björn Bremer.
  • Sportliche Leitung: Christian Möckel.
  • Aufsichtsratschef: Rainer Feuerhake.

Hannover 96 SALES & SERVICE GmbH & Co. KG: Der S&S gehören 
100 Prozent am 96-Profiunternehmen KGaA. Eine Sonderregelung bewirkt aber, dass die S&S erst ab dem 8. Juli 2018 in der 96-Profiabteilung auch das alleinige Sagen hat. Die S&S erbringt für die KGaA vor allem Dienstleisterfunktionen – etwa die Markenführung und -pflege sowie die Umsetzung des Ticketing und Merchandising. Das Gesellschaftskapital der S&S beträgt 
25,3 Millionen Euro – den größten Teil hält nun Kind mit 52,73 Prozent.

  • Geschäftsführer: Martin Kind, Martin Bader.
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