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96-Fan wird wegen Bengalos nicht verurteilt

Derby gegen Braunschweig 96-Fan wird wegen Bengalos nicht verurteilt

Im ersten Prozess um gezündete Bengalos während des Bundesliga-Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ist der 27-jährige Angeklagte am Dienstag nicht verurteilt worden. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Hannover wurde gegen die Zahlung einer Geldbuße von 300 Euro eingestellt.

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Beim Derby zwischen 96 und Braunschweig wurden auf beiden Seiten zahlreiche Bengalos gezündet.

Quelle: dpa

Hannover. Tausende Euro Strafgeld hat Hannover 96 bereits zahlen müssen, weil Chaoten im Stadion Pyrotechnik abgebrannt haben. Das Amtsgericht aber stuft das Hantieren mit den sogenannten Bengalos als wenig gefährlich ein. Am Dienstag wurde das Strafverfahren gegen einen 27-Jährigen eingestellt, der beim Niedersachsenderby 2013 zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig gezündelt hatte. Wegen „geringer Schuld“ muss der Mann nur eine Geldbuße von 300 Euro zahlen, sein Vergehen gilt als Ordnungswidrigkeit. Es ist das erste Verfahren gegen einen 96-Fan – und das Ergebnis ist bereits rechtskräftig.

Im November 2013 trafen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig zum ersten Mal nach 37 Jahren in der ersten Bundesliga aufeinander. Vor und nach dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen.

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Die Staatsanwaltschaft hatte sich in diesem Prozess offenkundig mehr erhofft. Ihre Anklage lautete auf versuchte gefährliche Körperverletzung. Im Falle einer Verurteilung hätte das für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten bedeutet. Zunächst war sogar wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt worden. Nicht nur gegen den 27-Jährigen: 272 Strafverfahren hatte Hannovers Polizei nach dem Nordderby im November 2013 eingeleitet. Es gab Wohnungsdurchsuchungen, Handys wurden ausgelesen, 40 Stunden Videomaterial gesichtet. Am Ende bleibt jetzt nur eine Ordnungswidrigkeit.

Der ganz Prozess lief letztlich auf die Frage hinaus, ob der Angeklagte damit rechnen musste, dass er mit seiner Aktion andere verletzen konnte. Musste er nicht, sagte Verteidiger Andreas Hüttl und zitierte dazu unter anderem die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei. In der Bundesligasaison 2013/2014 sei in der ersten Liga kein Zuschauer aus den Menschengruppen verletzt worden, in denen Bengalos abgebrannt wurden, in der zweiten Liga zwei und in der dritten Liga ein Zuschauer. Hüttl beantragte auch, die Leiter der Sanitätsdienste von Borussia Mönchengladbach, Rapid Wien und FC St. Pauli als sachverständige Zeugen zu laden. Sie hätten gerade Fußballspiele mit viel Bengalo-Begleitung hinter sich und könnten bestätigen, dass es dabei keine Verletzten gegeben habe.

„Am langen Arm“ abgebrannt

Der Angeklagte in diesem Prozess, der nicht vorbestraft und auch nicht durch Gewalttätigkeiten aufgefallen ist, hatte sich vergleichsweise diszipliniert verhalten. Er hatte die bengalischen Feuer nicht umhergeschwenkt, sondern ruhig „am langen Arm“ abgebrannt. Nach der Einstellung des Verfahrens gilt er weiterhin als unbestraft.

Der Kauf von Bengalos mit so genannter CE-Kennzeichnung ist nicht gesetzwidrig. In einem Geschäft für Seglerzubehör werden sie an jedermann abgegeben. Für Rechtsanwalt Hüttl standen daher schon die Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und damit die daraus resultierenden Hausdurchsuchungen juristisch gesehen auf wackeligen Füßen.     

Was meinen Sie?

Das Verfahren gegen einen 96-Fan wegen Bengalos wurde "wegen geringer Schuld" eingestellt. Begründung: Es habe in der 1. Liga bislang keine Verletzungen durch Bengalos gegeben hat. Haben Sie Verständnis für das Urteil?

96-Präsident Martin Kind hatte mehrfach angekündigt, dass er sich die Strafgelder, die sein Verein wegen des Abbrennens von Bengalos an den DFB zahlen musste, von überführten Stadionbesuchern zurückzuholen wolle. Nach der Einstellung des Strafverfahrens gegen den 27-Jährigen ist unklar, wie der Verein weiter vorgeht. Der Präsident reagierte am Dienstag eher einsilbig: „Wir werden die anderen Verfahren in dieser Sache abwarten. Erst einmal halten wir still und machen nichts.“

„Kein gutes Signal“

Erst am Dienstag hatte Kind im Umgang mit Problem-Fans eine einheitliche Linie der Bundesligaclubs gefordert. „Wir müssen gemeinsame Strategien entwickeln. Jetzt entscheidet es jeder Verein für sich, sehr unterschiedlich, der eine konsequenter, der andere weniger konsequent. Das ist kein gutes Signal“, sagte Kind.  Er kritisierte auch die Rolle des Deutschen Fußball-Bundes bei der Aufarbeitung von Ausschreitungen oder Pyrotechnik-Gebrauch: „Der DFB kriegt das Geld für die Strafen, damit haben sie ihren Job schon erledigt. Das scheint mir ein bisschen kurz gesprungen zu sein. Die notwendigen Antworten, die über und für die ganze Bundesliga zu neuen Ansätzen führen, die bekommt man so natürlich nicht“, sagte Kind. 

Die Pressestelle der Polizei wollte sich zu dem Prozessergebnis nicht äußern. Sie wies allerdings darauf hin, dass im Zuge der Ermittlungen rund um das Derby ein Verfahren gegen einen 96-Ultra mit einem Strafbefehl über 1000 Euro, ein weiteres Verfahren gegen einen Jugendlichen mit der Auflage zu Sozialstunden zu Ende gegangen ist.

Teures Vergnügen

Strafrechtlich ist der 27-Jährige Pyrofan zwar ungeschoren davongekommen. Da er mit der Ordnungswidrigkeit aber die Tat eingestanden hat, könnte auf ihn jetzt eine teure Schadenersatzforderung von Hannover 96 warten, da er in ihrem Stadion gegen die Hausregeln verstoßen hat und der Verein 100.000 Euro Rekordstrafe an den DFB zahlen musste. Nach dem Auswärtsspiel in Kopenhagen 2014 – 15.000 Euro Strafe – hatte der Verein zwei Bengalo-Zündler dingfest machen können und sich 8500 Euro zurückgeholt.

med

* In einer ersten Version des Textes war von einer Geldbuße in Höhe von 350 Euro die Rede – richtig sind aber 300 Euro.

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