Das letzte Wort bei Entscheidungen hat aufgrund dieser 50+1-Regel damit der Verein, da dieser die Mehrheit besitzt. Das wiederum bietet potenziellen Geldgebern aufgrund des letztlich nicht gegebenen Mitspracherechts zum Beispiel bei Investitionen oder der Berufung der Geschäftsführung kaum Anreize, sich bei einem deutschen Erst- oder Zweitligisten zu engagieren.
Die Initiative von Martin Kind, der als Klubchef von Hannover 96 sowohl der Profisparte als auch den Amateurabteilungen vorsteht, die 50+1-Regel aufzuheben, zielt auf eine aus seiner Sicht notwendige bessere Kapitalausstattung der Klubs. Auf diese Weise soll auch Hannover 96 auf lange Sicht konkurrenzfähiger werden und seinen Etat von derzeit rund 45 Millionen auf mindestens 70 Millionen Euro erhöhen. Für die Bundesligisten VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen gibt es maßgeschneiderte Ausnahmeregelungen vom 50+1-Gebot, weil sie Wirtschaftsunternehmen gehören; in differenzierter Weise trifft das auch auf 1899 Hoffenheim zu.
Heute sollen nun die 36 Mitgliedsvereine der DFL über den Antrag von Martin Kind über eine Modifikation der 50+1-Regel abstimmen. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit sowohl der DFL-Mitgliederversammlung als auch auf dem DFB-Bundestag erforderlich. Wahrscheinlicher ist jedoch die Verständigung auf eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Thematik befasst und eine einvernehmliche Lösung finden soll. Kind verweist gerne darauf, dass im Fall von Hannover 96 ausschließlich Investoren aus der Region bereitstünden und keine sogenannten Heuschrecken zum Zuge kämen. Das aber fürchten vor allem jene Fußballanhänger, denen die traditionelle Verbindung von Sport und Verein am Herzen liegt.
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