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„Die Tränen von Wosz werde ich nie vergessen“

Interview mit Ben Redelings „Die Tränen von Wosz werde ich nie vergessen“

Letztmals haben Hannover 96 und VfL Bochum in der Saison 2009/2010 gegeneinander gespielt, am letzten Spieltag: 96 rettete sich nach dem Selbstmord von Robert Enke mit einem 3:0-Auswärtssieg, der VfL Bochum stieg ab. Über das Duell der beiden Vereine geht es im Fan-Interview mit Ben Redelings.

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Tief im Westen: Junge Fans des VfL Bochum  Und so hat Fußball-Liebhaber und -Autor Ben Redelings auch mal angefangen.

Quelle: dpa/Tim Kramer

Herr Redelings, welche Erinnerungen haben Sie an das Spiel vom 8. Mai 2010?

Es war der Tag des Junggesellenabschieds von einem guten Kumpel. Wir haben gedacht, das wird schon alles gut ausgehen und ein toller Tag werden. Man darf nicht vergessen, dass wir nach dem 24. Spieltag quasi schon gerettet waren. Dann brachen alle Dämme. Der Verein lag total am Boden, erstmals haben wir die böse Fratze der neuen Fußballwelt erleben müssen. Spieler, die keinen Vertrag für die 2. Liga hatten und weg wollten, haben den Dienst eingestellt. Sie sind lachend vom Rasen gegangen. Ich werde die Tränen von unserem Interimstrainer Dariusz Wosz in der Pressekonferenz nach dem Spiel nie vergessen.

Warum zieht Sie gerade der VfL Bochum in seinen Bann?

Ehrlich gesagt, habe ich mir diese Frage nie gestellt, nie stellen müssen. Man hat da als Fan ja keine Wahl wie im Supermarkt, wo man sich für die leckerste Marmelade entscheiden kann. Im Fußball läuft es andersherum. Aber ich bin froh, dass der VfL mich damals ausgesucht hat. Es ist ein Verein aus der Mitte des Lebens. Immer, wenn du denkst, dass es gerade doch ganz gut läuft, kannst du sicher sein, dass der nächste Tiefschlag schon angeflogen kommt. Genau wie im Leben.

Im ersten Jahr der Zweitklassigkeit wurde der direkte Wiederaufstieg nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz verpasst, in der Relegation scheiterte Bochum ganz knapp an Mönchengladbach ...

Ach, ja. Wir sind es vorher gewohnt gewesen, abzusteigen und sofort wieder aufzusteigen. Das hat diesmal nicht geklappt. Aber man muss dazu wissen, dass der Club enorme Schwierigkeiten im Hintergrund hatte. Da stimmte von der Struktur nichts mehr. Wir haben die letzten Jahre gebraucht, um den Verein wieder auf solide Füße zu stellen.

Das scheint gelungen zu sein. Unter Gertjan Verbeek folgten zuletzt zwei bessere Spielzeiten (4. und 5. Platz). Ist Bochum auf dem richtigen Weg?

Auf jeden Fall. Wie mir neulich ein ehemaliger Bundesliga-Stürmer richtigerweise sagte, der unter dem Trainer hospitiert hat: Verbeek hat eine Idee vom Spiel, und die lässt er in jeder Übungseinheit trainieren. Sein Fußball macht Spaß - wenn er denn die richtigen Spieler hat. Nicht immer, aber ziemlich oft.

Mit Simon Terodde verließ der Torschützenkönig der 2. Bundesliga Bochum in Richtung Stuttgart. Wie sehr schmerzt dieser Abgang?

Sehr. Aber es sind auch Janik Haberer und Marco Terrazzino gegangen. Und, was viele übersehen: auch Onur Bulut. Ein vor allem in der Rückwärtsbewegung eminent wichtiger Spieler. Er hat durch seine Schnelligkeit viele Situationen entschärfen können, die uns jetzt Probleme bereiten.

Ein Sieg, ein Unentschieden, Platz drei nach zwei Spieltagen: Wie ist nach diesem Start in die Saison die Stimmung an der Castroper Straße?

Gedrosselt zuversichtlich. Nach dem Pokal-Wochenende und dem Ausscheiden aber erst einmal im Keller.

Was ist diese Saison drin?

Der Kopf sagt: leider nicht der ganz große Wurf. Das Herz: mal schauen. Vielleicht ja doch. Und beides zusammen: Hauptsache kein Abstiegskampf!

Welche Spieler müssen ausgeschaltet werden, damit man in Bochum gewinnen kann?

Das ist in der Tat eine unserer ganz großen Stärken und Schwächen zugleich: Es gibt nicht den einen Spieler, den man ausschalten muss und dann sind wir schachmatt gesetzt. Herausragend ist im Moment niemand.

Interview: Tobias Krause

Das ist Ben Redelings

Ben Redelings, 1975 in Bochum geboren, studierte Deutsch und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Nach dem ersten Staatsexamen erfand er sich einfach einen Beruf und gibt seither Abende zum Thema Fußball. So wurde er zu einem der beliebtesten Ball-Geschichtenerzähler. Redelings schreibt regelmäßig für das Magazin „11 Freunde“ und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. VfL-Fan ist er, seit er denken kann. Mit fünf Jahren war er das erste Mal im Stadion, an ein 4:1 gegen Kaiserslautern hat er die ersten Erinnerungen.

tkr

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