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Ein nicht ganz freiwilliger Abgang

Rücktritt von Michael Frontzeck Ein nicht ganz freiwilliger Abgang

Michael Frontzeck spürte kein Vertrauen mehr und erklärte am Montag seinen Rücktritt als Trainer von Hannover 96. Dabei hatte er seine Zuversicht nicht verloren: "Wir hätten den Klassenerhalt erneut geschafft“, war er sich sicher. Dennoch warf er das Handtuch - allerdings nicht ganz freiwillig.

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Hannover 96 musste am Montag den Rücktritt von Trainer Michael Frontzeck bekannt geben.  

Quelle: Peter Steffen

Hannover. Im Mai hatte Trainer Michael Frontzeck die Mannschaft von Hannover 96 am letzten Spieltag vor dem Abstieg bewahrt, nun verzichtete der 51-Jährige darauf, seinen Job beim Fußball-Bundesligisten zu retten. In einem Telefonat teilte Frontzeck Montagmorgen 96-Geschäftsführer Sport Martin Bader seinen Rücktritt als 96-Trainer mit. Er sei nach „reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, meine Arbeit bei 96 zu beenden. Geschlossenheit und Vertrauen sind gerade in unserer Situation die Grundvoraussetzung, um erfolgreich zu arbeiten. Ich habe aktuell im Umfeld von Hannover 96 nicht mehr dieses Vertrauen gespürt. Ich bin nicht amtsmüde und immer noch davon überzeugt, dass wir den Klassenverbleib erneut geschafft hätten“, erklärte Frontzeck, der erst im April die Nachfolge von Tayfun Korkut als 96-Coach angetreten hatte.

Hannover 96 hat Michael Frontzeck als Trainer für die letzten fünf Saisonspiele verpflichtet.

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Fehlendes Vertrauen für Frontzeck gab es in mehreren Bereichen. Mit jeder Niederlage wuchs die Kritik der Fans an der Arbeit des ehemaligen Nationalspielers, der mit den „Roten“ die Hinrunde auf einem Abstiegsplatz mit lediglich 14 Punkten beendete. Auch fehlte Frontzeck die absolute Rückendeckung von Clubchef Martin Kind. Der 96-Boss sagte nach der 0:1-Niederlage am Sonnabend gegen den FC Bayern zwar, dass er davon ausgehe, dass Frontzeck auch in der Rückrunde noch 96-Trainer sei, kündigte aber gleichzeitig eine schonungslose Analyse an. Ob Frontzeck mit seinem Rücktritt einer Entlassung nur zuvorgekommen ist oder der Verein ihm die Möglichkeit eingeräumt hat, ohne Rauswurf sein Gesicht zu wahren, bleibt jedoch Spekulation.

Die Trennung von dem 51-Jährigen hatte am Sonntagabend bereits die „Neue Presse“ verkündet, was 96 umgehend dementierte und auch Montag als „Falschmeldung“ bezeichnete. „Das ist falsch gewesen, aber natürlich auch bei Michael angekommen“, sagte Bader, dadurch habe das Ganze an Tempo aufgenommen. Der ausschlaggebende Grund für den Rücktritt von Frontzeck sei die Meldung zwar nicht gewesen, Bader bezeichnete sie aber als „eines der Mosaiksteinchen, die zur Entscheidung von Michael geführt haben“. Das wies Frontzeck jedoch zurück: „Das interessiert mich wie ein Sack Reis, der irgendwo umfällt“, sagte der ehemalige Profi.

Im Interview mit dem "Kicker" legte Frontzeck am Abend dann nach: "Eine Zeitung kann mich nicht persönlich unter Druck setzen." Gleichwohl habe den Bericht als Zeichen gesehen, was zum Rückrundenvorbereitung in Hannover losgewesen wäre: "Das erste Testspiel im Trainingslager gegen Hertha BSC wäre schon mein erstes Schicksalsspiel gewesen", so Frontzeck gegenüber dem " Kicker". Es sei für Hannover 96 in dieser Konstellation "elementar wichtig, sauber in die Rückrunde zu starten. Und das dann begleitet von dem mutmaßlichen Rummel um meine Person? Ich habe erkannt, dass es schwer werden würde."

Michael Frontzeck hat seinen Rücktritt als Trainer von Hannover 96 verkündet. Nun braucht der Verein einen neuen Coach. Das sind die möglichen Kandidaten für die Nachfolge.

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Nach der 0:1-Niederlage gegen Bayern München war die Enttäuschung bei Frontzeck zwar spürbar gewesen, wie ein Trainer, der vorhat, zwei Tage später hinzuschmeißen, wirkte er allerdings nicht. Im Gegenteil: Frontzeck hatte gesagt, dass sich 96 neu aufstellen werde zur Rückrunde und dann den Kampf um den Klassenerhalt mit Entschlossenheit annehmen werde. Für alle im Pressekonferenzraum war klar, dass auch Frontzeck vorhatte, weiterzukämpfen.

Wahrscheinlich auch deshalb nahmen viele Fans 96 die Rücktrittsgeschichte nicht richtig ab. „Wieder einmal schäme ich mich für 96“ oder „Ich glaube Bader kein Wort“. Sätze wie diese tauchten schon, während die Pressekonferenz von Bader noch lief, in den sozialen Netzwerken auf.

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Frontzeck wollen die „Roten“ aufs Tempo drücken, eine Lösung noch vor Weihnachten sei jedoch nicht realistisch, sagte Bader. „Unsere Aufgabe ist es nun, bis zum Trainingsstart am 4. Januar 2016 einen neuen Cheftrainer zu verpflichten, der die Mannschaft auf die anspruchsvolle Rückrunde vorbereitet“, erklärte der Geschäftsführer. Gespräche mit möglichen Kandidaten habe es noch nicht gegeben.

Beliebt als Mensch, umstritten als Coach

Spezieller Humor: Michael Frontzeck bestellte schöne Grüße aus Mönchengladbach-Odenkirchen. „Ich bin schon wieder in der Heimat und habe gerade den Weihnachtsbaum gekauft“, sagte der 51-Jährige. Frontzeck hat eine sehr eigene Art des Humors, und nie hatte man in Hannover bei ihm den Eindruck, er würde sich und die Branche zu ernst nehmen. „Dass Hannover 96 mit ihm einen begabten Zyniker verloren hat, lässt sich mit mehr Gewissheit sagen, als dass der Club auch einen begabten Trainer verloren hat.“ Das schrieb „Spiegel Online“, und das beschrieb Mensch und Coach sehr genau.

Bei den 96-Spielern war Frontzeck beliebt, und das nicht nur, weil er sich öffentlich immer vor sie gestellt hat. Auch bei Journalisten und Fans kam seine uneitle, ironische Art lange gut an. Presssekonferenzen mit ihm boten selten etwas Überraschendes. Sein Standardsatz war: „Die Mannschaft hat alles auf dem Platz gelassen.“ Den Trainer Frontzeck zeichnete eine große Sturheit aus. Und manchmal eine eigenwillige Sicht der Dinge. Miiko Albornoz bezeichnete er zum Beispiel als einen der besten Linksverteidiger der Liga, obwohl nicht zu übersehen war, wie fehlerhaft er spielte. Frontzeck wollte Stürmer Mevlüt Erdinc unbedingt haben, der sich als großer Flop erwies. Aus seiner Ankündigung, auf Talente aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen, wurde nichts – im Kader standen sie so gut wie nie.

Von Christian Purbs und Heiko Rehberg

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Kommentar zu Frontzecks Rücktritt
Verdient Anerkennung dafür, dass er nicht an seinem Posten klebt: Michael Frontzeck.

Es wird viel spekuliert, ob Frontzecks Rücktritt wirklich ein Entschluss aus freien Stücken war. Wie auch immer: Es ist richtig, dass 96 den Umbruch ohne ihn machen kann. Bei der Wahl des Nachfolgers darf Bader und Kind kein Fehler unterlaufen. Dabei drängt sich ein Name besonders auf. Ein Kommentar von Heiko Rehberg.

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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