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„Ich habe Hannover geliebt“

Ewald Lienen im HAZ-Interview „Ich habe Hannover geliebt“

Ewald Lienen kehrt am heutigen Sonnabend mit dem FC St. Pauli zum Spiel gegen Hannover 96 an seine alte Wirkungsstätte zurück. Im HAZ-Interview spricht er über Hannover, seinen ehemaligen Spieler Stendel und welches Juwel 96 mit Sarenren-Bazee hat.

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„Es war eine schöne Zeit“: Ewald Lienen erinnert sich gern an die Tage in Hannover.

Quelle: dpa

Herr Lienen, Sie waren vom 9. März 2004 bis zum 9. November 2005 Trainer bei Hannover 96. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Stadt und dem Verein?

Sehr schöne und gute Erinnerungen. Ich habe die Stadt geliebt, meine Frau auch. Hannover ist für mich eine tolle Stadt zum Leben, auch wenn einige Hannoveraner das damals noch nicht mitbekommen haben (lacht). Als wir neu kamen, mein Ko-Trainer Michael Frontzeck und ich, hat uns in einer Veranstaltung jemand angesprochen: „Finden Sie das auch so komisch hier?“ Der Michael hat dann gesagt: „Kommt doch mal in Mönchengladbach vorbei, ihr wisst gar nicht, was ihr für eine schöne Stadt habt.“

Und Hannover 96?

Ich habe mich auch im Verein sehr wohlgefühlt. Es war eine schöne Zeit, wir hatten eine tolle Mannschaft. Es ist sehr schade, wie es damals zu Ende gegangen ist, das hat viele Irritationen verursacht. Aber das ist lange vorbei, und die schönen Erinnerungen überwiegen. Wir haben damals eine tolle Saison gespielt mit schönen Spielen, zu denen Daniel Stendel (heutiger 96-Trainer, d. Red.) viel beigetragen hat.

Stendel hat in diesen Tagen gesagt, dass er den Trainer Ewald Lienen sehr geschätzt hat.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Daniel war damals in unserem 4-3-3-System einer derjenigen, der fast immer gespielt hat, der schon als Stürmer Druck und Aggressivität auf den Gegner entwickelt hat. Das war ein Markenzeichen von uns, und das scheint er als Trainer jetzt auch umzusetzen. Es ist ein Teil seiner Arbeit, dass er seine Mannschaft anhält, sehr aggressiv zu pressen - auch speziell bei Ballverlusten in der Offensive. Hannover macht das vorbildlich, wenn man sich das in der Analyse anschaut. Das ist Daniels Handschrift, so war er als Spieler auch.

Beim Training mischte Lienen in seiner Zeit bei 96 oft selbst mit – sehr zur Freude von Daniel Stendel.

Beim Training mischte Lienen in seiner Zeit bei 96 oft selbst mit – sehr zur Freude von Daniel Stendel. (Foto: zur Nieden)

Quelle:

Sie wollen nicht nachkarten. Ihr Rausschmiss gehört aber zu den kuriosesten bei 96. Nach einem Gespräch sagte man Ihnen kurz nach Mitternacht, dass Sie Trainer bleiben, morgens waren Sie dann entlassen, weil es sich der damalige Sportdirektor Ilja Kaenzig offensichtlich anders überlegt hatte.

Seien Sie nicht böse. Ich möchte dieses Thema nicht noch mal reaktivieren und dazu nichts mehr sagen. Das ist über zehn Jahre her und macht keinen Sinn.

Zehn Jahre später haben Sie beim FC St. Pauli Ihr Glück gefunden - und der Verein mit Ihnen. Sie haben die Hamburger vor dem Abstieg gerettet und vergangene Saison auf Platz vier geführt. In dieser Saison läuft es noch nicht so gut, Sie kommen mit Ihrer Mannschaft als Tabellen-16. nach Hannover.

Wir haben sicherlich wichtige Spieler verloren. Vier Stammspieler in der Achse, das ist schon sehr viel. Enis Alushi war ein ballsicherer Mann, Marc Rzatkowski sehr zweikampfstark und torgefährlich, davor Sebastian Maier, der jetzt bei 96 spielt, und Lennart Thy. Das sind vier absolute Topspieler, die nicht nur für Tore gesorgt haben, sondern auch leidenschaftlich gegen den Ball arbeiten und topfit waren. Die Leute, die wir dazubekommen haben, hatten das Pech, dass sie teilweise aus Verletzungen gekommen sind oder in der Vorbereitungszeit angeschlagen waren. Deshalb ist diese Zeit alles andere als rund gelaufen. Aber nicht nur unsere neuen, auch eine ganze Reihe von anderen Spielern konnten viele Trainingseinheiten und Vorbereitungsspiele nicht mitmachen. Dadurch war es schwierig für uns, uns einzuspielen und optimal auf diese Saison vorzubereiten.

Und wie das manchmal ...

Und wie das dann so ist, gewinnst du die Spiele nicht, die du einfach gewinnen musstest. Wir haben in manchen Spielen zwar Tore erzielt, es hätten aber wesentlich mehr sein können - wenn nicht sogar müssen. Dann hätten wir einige Punkte mehr. Aber selbst wenn wir die Punkte hätten, würde ich die Situation nicht anders beurteilen.

Wie bitter ist es, wenn man die besten Spieler nicht halten kann?

Wenn eine Mannschaft in der 2. Liga in einer Saison erfolgreich und gut spielt, aber nicht aufsteigt, dann hast du automatisch das Problem, dass einige der besten Spieler weggeholt werden, weil sie begehrt sind von Erstligisten oder von zahlungskräftigeren Vereinen wie 96. Das zu ersetzen ist nicht so einfach. Unsere Philosophie besteht nicht darin, zu sagen: Okay, die Spieler haben wir jetzt verkauft, also holen wir uns drei, vier gestandene Leute dazu und dann gucken wir mal weiter. Die Philosophie des Clubs besteht darin, wieder talentierte junge Leute zu holen, die wir dann entwickeln und aufbauen. Andere Vereine können sehr viel Geld investieren, um den Aufstieg leichter anzupeilen. Das können wir nicht.

"Es war eine schöne Zeit", sagt Lienen im Rückblick über seinen Trainerjob in Hannover.

"Es war eine schöne Zeit", sagt Lienen im Rückblick über seinen Trainerjob in Hannover. (Foto: dpa)

Quelle:

Werden Sie neidisch, wenn Sie das mit Hannover 96 vergleichen?

Hannover 96 ist einfach personell sehr gut und breit aufgestellt. Wenn ich mir nur das letzte Spiel gegen 1860 München anschaue ... Sie haben vorne mit Sobiech, Karaman und Klaus gespielt, hätten aber auch mit Harnik, Füllkrug, Maier, Prib oder Bähre spielen können, der auch ein guter Mann ist. Da reden wir aber nicht von Babacar Gueye, Charlison Benschop und Uffe Bech oder Noah Sarenren-Bazee, der für mich eines der größten Talente in Deutschland ist nach Leroy Sané, der von Schalke zu Manchester City gewechselt ist. So eine Breite kann man sich nur erlauben, wenn man über das Geld verfügt und viele Jahre erste Liga gespielt hat. Wir haben auch einen guten Kader, aber wir brauchen etwas Zeit, um alle Spieler auf das nötige Niveau zu bringen.

Täuscht der Eindruck, dass das Umfeld in St. Pauli sehr gelassen ist und Sie dort in Ruhe arbeiten können?

Nein, das ist so. Dennoch tun wir alle im Verein das Bestmögliche, um in die Erfolgsspur zurückzukehren - und das so schnell wie möglich. Aber das geht nur gemeinschaftlich. Wir ziehen alle an einem Strang, so wie wir das damals gemacht haben, als wir gekommen sind. Da hatten wir 13 Punkte nach 17 Spielen. Auch damals hat der ganze Verein zusammengestanden - genau wie jetzt.

Wo landet am Saisonende Hannover 96, und wo St. Pauli?

Nach sieben Spielen ist das schwer zu sagen. Aber wenn ich die Spielweise sehe, die personellen Möglichkeiten, dann würde es mich schon sehr wundern, wenn 96 nicht um die Aufstiegsplätze mitspielt. Was uns betrifft, sind wir jetzt nicht in der Situation, um uns Gedanken um einen Tabellenplatz zu machen. Für uns geht es darum, alle Kräfte zu bündeln, alles zu mobilisieren, so wenig Fehler wie möglich zu machen oder sie gemeinschaftlich auszubügeln und als Mannschaft geschlossen auf dem Platz zu stehen. Das haben wir in den letzten Wochen immer besser hingekriegt. Jetzt müssen wir uns auch für den leichten Aufwärtstrend belohnen.

Interview: Heiko Rehberg

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