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„Offene Arme für Martin Bader schließe ich aus“

Fan-Interview zum Nürnberg-Spiel „Offene Arme für Martin Bader schließe ich aus“

Am Sonntag treten die "Roten" gegen den 1. FC Nürnberg in dessen Stadion an. Im Fan-Interview spricht Nürnberg-Fan Steffen Helmsauer über seinen Lieblingsclub, schmerzhafte Abgänge und gute Aussichten.

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Steffen Helmsauer erklärt, warum Martin Bader bei Nürnberg-Fans keinen Kredit mehr hatte.

Quelle: dpa/privat/M

Hannover. Steffen Helmsauer (16) ist Schüler im Abschlussjahrgang einer Fürther Wirtschaftsschule. Fürth? „Ja, das ist besonders nach Derbyspielen mitunter anstrengend. Sind die meisten doch Anhänger der Vorstädtler“, sagt der „Club“-Fan und lacht. Zum Fan des 1. FC Nürnberg wurde Helmsauer in der Saison des Bundesligaabstiegs 2013/2014. Sein Opa hatte damals noch eine Dauerkarte übrig, die kein anderer aus der Familie wollte. Bereits im ersten Spiel infizierte er sich mit dem „Club“-Virus: „Ich war gleich begeistert. Besonders über den Zusammenhalt der sich eigentlich fremden Menschen im Stadion. Das hat mich emotional gepackt. Seither habe ich kein Spiel verpasst, bin Dauerkartenbesitzer, fußballverrückt und clubverliebt.“ Auch wenn er nicht im Stadion ist, beschäftigt sich Helmsauer intensiv mit seinem Lieblingsverein und schreibt täglich viele Nachrichten im Kurznachrichtendienst Twitter über den 1. FCN. 

Hallo Steffen, wie ärgerlich war in Hinblick auf den schwachen Saisonstart des 1. FC Nürnberg das Scheitern in der Relegation im Sommer?

Aus Fansicht war es wirklich extrem ärgerlich. Man hat sich aus einer schwierigen Situation in der Hinrunde herausgekämpft und eine überragende Serie von 18 ungeschlagenen Spielen am Stück hingelegt. Man hatte auch Chancen auf Platz zwei, die man leider dann, als es darauf ankam, nicht genutzt hat. Sportlich war es allerdings eine hochverdiente Niederlage. Eintracht Frankfurt war besser.

Was ist denn seitdem in Nürnberg passiert? Warum dauerte es bis zum siebten Spieltag, bis der erste Sieg perfekt war?

Es gab einen sehr kurzfristigen Trainerwechsel. Außerdem haben Stammspieler wie Niclas Füllkrug das Team verlassen. Man könnte sagen, es sind viele Tore weggegangen und es ist ein ganzes Stück Zusammenhalt weggebrochen. Und nach der verlorenen Relegation liefen einige Spieler den berühmten Schritt weniger.

Martin Bader ist im Oktober 2015 vom 1. FC Nürnberg zu Hannover 96 gewechselt und wurde hier Geschäftsführer Sport. Wie würden Sie seine Arbeit beim „Club“ rückblickend beschreiben?

Engagiert, aber mit zu viel Risiko.

Warum zu viel Risiko?

Für Martin Bader gab es nach dem Abstieg nur die eine Möglichkeit: Der 1. FC Nürnberg steigt direkt wieder auf. Zu hoch dotierte Verträge wurden zu langfristig geschlossen. Die Spätfolgen davon merkt der „Club“ immer noch. Die erstligareifen Verträge konnten von einem Zweitligisten mit deutlichen finanziellen Einbußen auf Dauer nicht problemlos gestemmt werden. Insgesamt hat der ganze Spaß 25 Millionen Euro gekostet.

Klingt nicht so, als würde Bader am Sonntag von den Fans mit offenen Armen empfangen werden. Worauf muss er sich einstellen?

Der Vorteil von Bader war der stets lockere Umgang mit den Nürnberger Ultras. Dadurch hat er aus der Kurve wohl nichts zu befürchten. Dennoch wird es sicher das bestimmende Thema vor dem Spiel sein und alte Geschichten werden in der Presse aufgewärmt. Aber offene Arme schließe ich aus.

Wie sehr hat Nürnberg der Wechsel von Niclas Füllkrug in seine Heimatstadt geschmerzt?

Sehr. Das Spiel der Mannschaft war perfekt auf ihn abgestimmt: langer Ball, ablegen, nachrücken, effizienter Abschluss. Es gab keinen zweiten Stürmer, der ansatzweise diesen Spielstil betrieb. Guido Burgstaller beispielsweise wich immer wieder auf den Flügel aus. So fehlte der in der Mitte immer anspielbereite Füllkrug. Erst durch die Leihe von Tim Matavz vom FC Augsburg kam man so langsam wieder in die Spur. Da war dann wieder einer vorne drin anspielbereit. Der Abgang Füllkrugs war mitentscheidend für den schlechten Saisonstart.

In den letzten drei Spielen gab es drei Siege für den Club. Kommt 96 genau zum richtigen Zeitpunkt?

Hannover gehört von der spielerischen Qualität nicht in die Zweite Liga. Der Kader spielt eigentlich in einer anderen Liga. Aber, und die Erfahrung hat 96 gerade zuletzt in Berlin gemacht, es kommt nicht nur darauf an. Man muss auch den Kampf annehmen und die nötige Aggressivität im Zweikampf an den Tag legen. Genau da liegt die Chance für Nürnberg. Gerade die Laufstärke hat das Team in den letzten Spielen ausgezeichnet. Wird die an den Tag gelegt, kann man Hannover schlagen.

Wie lässt Trainer Alois Schwartz spielen?

Man sieht nur selten einen geregelten Spielaufbau. Es wird viel mit langen Bällen gearbeitet. Die Standards haben sich auch gebessert. Er lässt den Gegner eher kommen und wartet ab.

Ist denn die Defensive stark genug, um die damit einkalkulierten gegnerischen Angriffe abwehren zu können?

Nicht uneingeschränkt. An einem guten Tag gelingt das sicher. Aber in dieser Saison gab es schon gegen viel schwächere Gegner als 96 große Probleme. Hoffnung macht, dass sich die Mannschaft gefunden zu haben scheint und der Trainer seine taktische Grundordnung gefunden hat.

Klingt nach einem unaufhaltsamen Aufstieg. Bis wohin, wofür reicht der Kader?

Für das obere Drittel. Das muss auch der Anspruch sein.

Also geht es wieder in Richtung Aufstiegsränge?

Nein, dafür war der Start einfach zu schlecht.

Interview: Tobias Krause

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