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Trauerfeier

Fans im Zeichen der Stille

„Niemals allein, wir gehen Hand in Hand“: Als das Vereinslied „96 – alte Liebe“ erklingt, gedenken die Fans des Verstorbenen im Stillen. Die Fans in der Nordkurve der AWD-Arena beweisen ihr Gespür für Mitgefühl.

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"Robert Enke war ein Idol. Wenn er gewusst hätte, wie sehr wir um ihn trauern, wäre er vielleicht nicht gegangen". Ein 96-Fan.

"Robert Enke war ein Idol. Wenn er gewusst hätte, wie sehr wir um ihn trauern, wäre er vielleicht nicht gegangen". Ein 96-Fan.

© lni

Die meisten waren schon oft hier. Ein vertrauter Ort ist ihnen diese Nordkurve. Sonst stehen sie hier mit Kutten und Fahnen, die AWD-Arena ist hier besonders laut und bunt. Doch an diesem Volkstrauertag ist alles anders. Ein Stadion ohne Stadionatmosphäre. „Ich trage schwarz, weil ich Robert Enke die letzte Ehre erweisen will“, sagt ein Fan feierlicher und förmlicher, als man das so einem jungen Mann zutraut.

Schon Stunden vor Beginn der Trauerfeier sitzen sie hier. Kaum Kutten, kaum rote Trikots. Gedeckte Farben. Erwachsene Männer, kräftige Kerle, reden leise darüber, wo sie waren, als sie die Todesnachricht bekamen. Manche versichern einander schnell, dass Enke doch ihre Nummer eins geblieben wäre, auch wenn er seine Krankheit offenbart hätte – und fragen sich gleichzeitig, ob das auch wirklich stimmt. Man redet über Angst, Krankheit, Schwäche. Der Tod ist zu öffentlich, zu präsent, um das nicht zu tun. Der Sarg steht im Wortsinne im Mittelpunkt, unten auf dem Platz.

„Das ich heute hier bin, das bin ich ihm schuldig“, sagt eine Dauerkartenbesitzerin. „Ich bin selber nicht gesund. Auch ich weiß, wie oft man nicht man selbst sein darf.“ Im Leben verkörperte Robert Enke die Träume vieler Fans – und im Sterben ihre Ängste: Viele in der Nordkurve erinnert sein Tod an die Abgründe der eigenen Seele, an den Wunsch, offen zu Schwächen stehen zu dürfen. Der gnadenlose Leistungswahn ist ein Götze, der Menschenopfer fordert, und es gibt ihn nicht nur auf dem Fußballplatz.

Die Morgensonne fällt über den Stadion­rand auf den Sarg, als Teresa Enke zum Mittelkreis geführt wird. Zehntausende stehen auf und applaudieren der Witwe verhalten. Väter mit ihren Kindern, Teenager mit verweinten Gesichtern erweisen ihr Respekt.

Emotionen gibt es in der Nordkurve bei jedem Heimspiel. Sie sind Teil der Show, produziert von Spielern, die man eben dafür bezahlt. Eine Gefühlsfabrik ist so ein Stadion. Doch die Emotionen, die hier heute herrschen, sind anderer Art. Manche haben angesichts der Woge öffentlicher Trauer bereits von Massenhysterie gesprochen und gefragt, ob Distanz, Geschmack und Maß dabei nicht verloren gingen. Doch hier im Stadion ist gerade das Gegenteil von Hysterie zu spüren: Es herrscht gefasste Emotion. Eine ruhige, ehrliche Trauer, in der Menschen einander nahe sind. „Der Tod trennt – der Tod vereint“ steht auf einem selbst gemalten Plakat.

Als Enkes Mitspieler Michael Ballack und Per Mertesacker den Kranz der Nationalmannschaft am Sarg niederlegen, erhebt sich die Masse wie ein Mann, ein kurzer Applaus – dann herrscht Stille. Eine lange Stille, die wie eine Verneigung ist. „Die Stille ist tief wie die Ewigkeit“, schrieb im 19. Jahrhundert der schottische Philosoph Thomas Carlyle. Man kann in diesem Moment ein Baby weinen hören, das etwa 100 Meter entfernt ist. Das ist vielleicht das Beeindruckendste in der Nordkurve: Dass diese Masse Mensch an einem Ort, an dem sonst Lautstärke zählt, auf so erhabene Weise schweigen kann. Dass alle ein Gespür dafür haben, was hier und heute angemessen ist. Der Tod Enkes zeigt, dass es sehr wohl eine Trauerkultur in unserem Land gibt, ebenso wie einen Sinn für Mitgefühl und Gemeinschaftssinn.

Kaum jemand spricht ein Wort, als ein Quartett der Musikhochschule Hannover zarte Streicherklänge intoniert. Da ist kein Krakeeler, der die Ruhe stört. Handys sind abgeschaltet, eine Frau unterdrückt räuspernd ihren Hustenreiz. Schweigend umarmen sich Familien, als die 17-jährige Alina Schmidt das Vereinslied „Alte Liebe“ anstimmt, das Zusammenhalt gerade angesichts von größter Not beschwört. Als hätten alle auf der Tribüne die gleiche
Vorstellung davon, was in diesem Moment zu tun ist, stehen sie auf, recken ihre
96-Schals in die Luft – und schweigen erneut. In diesen Minuten werden viele Tränen mit den Schals abgewischt.

Während der Trauerreden gibt es verhaltenen Applaus. Doch nie verliert die Menschenmenge jenes Gespür für Form und Ritual, das helfen kann, Trauer zu verarbeiten. Flüsternd sprechen viele in der Nordkurve das Vaterunser mit, und als Enkes Mannschaftskollegen von Hannover 96 den Sarg hinaustragen, blicken viele in den Himmel hinauf. Man hat Stadien als die Kathedralen unserer Zeit bezeichnet – selten traf das so zu wie an diesem Tag. Am Ende flimmern Bilder aus Enkes Leben über die Leinwand. Seine Glanzparaden, sein Familienleben. Applaus gibt es immer, wenn der private Enke zu sehen ist. Als wollte die Masse zeigen, dass es einen Unterschied zwischen dem Torwart Enke und dem Menschen Enke gibt. Weil man einen Torwart ersetzen kann.

[Simon Benne]

  • Kompliment Moi 18.11.09
    Kompliment für diesen sehr gelungen Artikel! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • Schweigen und Zerreden Katharina 16.11.09
    Wenn Menschen nur halb so viel schweigen würden, wie sie ständig (anderen) was zerreden, dann wäre schon viel gewonnen. Ich denke da vor allen Dingen an gewisse Vorgesetzte, die keine Ahnung von der Materie haben, besserwisserisch-aggressiv meinen, sie könnten sich ein Urteil über die Gefühle von Fans erlauben (Zitat: "Fans kannten den doch gar nicht" - ohne Worte) und würgen dann stellvertretend ihre so genannten Mitarbeiter ab, wenn diese - näher an den Dingen - wissen, warum Hinz und Kund auch dann echt trauern kann, wenn man mit Robert nicht die Schulbank gedrückt hat.

    Warum ich das hier erzähle? Weil mir anlässlich solchen Verhaltens noch einmal auffällt, wie wichtig die Botschaft ist, die uns mit dem medialen Rummel um Enkes Selbstmord mitgegeben worden ist: quatscht nicht so viel, sondern sprecht miteinander. Lasst euch ausreden! Hört auf, Gefühle allen Ernstes noch weiter legitimieren zu wollen: Gefühle sind erlaubt! Dies gilt auch für pseudo-emanzipierte Frauen und starke Männer.

    Frau Käßmann sollte wöchentlich eine verweltlichte Predigt oder einen ähnlichen Vortrag auf dem Kröpcke halten: nicht wenige haben es bitter nötig, dass man sie zum Schweigen, Innehalten und zum Zuhören bringt. Dann müssen sie anderen auch nicht mehr ihre Gefühle zerlegen und wegdiskutieren. Nicht wenige im Stadion haben der Trauerfeier beigewohnt, weil Depression für sie ein Thema ist. Das sollte, nein, das muss zu denken geben. Und genau dafür sind Großfeiern und Trauerevents wie das erlebte gut. Mir tut es inzwischen weh, wenn Leute dies zerreden wollen. Mögen sie doch schweigen, wenn sie es einfach nicht verstehen können.
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  • Hannover 96 Fans Schalke Franz 16.11.09
    An die Fans von Hannover 96

    ich habe mir die Trauerfeier von Robert Enke angesehen und muss sagen es geht mir immer noch sehr nahe was geschehen ist in meinen Gedanken bin ich bei Frau Enke wie auch bei deren Tochter Frau Enke ist für mich die stärkste Frau die ich je gesehen habe was Sie hinter sich hat und noch vor sich hat ich kann nur sagen Frau Enke meine Hochachtung für Sie .

    Der Robert war auch für mich als Schalke Fan ein sehr fairer und feiner Mensch er wollte nie im Mittelpunkt stehn und sein er wollte nur sein Fußball leben gut ausüben ohne Fußball wollte er nicht sein er hat viel getan und gearbeitet und hat es Geschafft was er immer schon wollte nehmlich die Nr 1 im Tor der Nationalmannschaft zu sein Robert sein größter Traum glaube ich war wohl es
    nach Afrika zur WM zu schaffen ich glaube er hätte es Geschafft Robert wär in Afrika dabei gewesen aber nun hoffe ich das seine Kollegen alles geben werden das man in Afrika gute Spiele macht alles geben wird und die Mannschaft weit kommt die Nationalspieler sollten allein schon für Robert alles geben als wäre Er dabei und sollte dann sogar der WM Titel bei raus kommen wär es sehr schön denn wie jeder andere Spieler auch würde auch Robert alles geben wär Er dabei in Afrika .

    Nun möchte ich die Hannover 96 Fan ansprechen Last uns beim Spiel Schalke 04-Hannover 96 gemeinsam ins Stadion gehn Last uns noch den Spieltag zusammen verbringen und egal wie das Spiel dann enden sollte es darf keine Gewalt , Randale oder Hass unter den Fans
    aufkommen und gebt eurem Torwart Fromlowitz seine Chance ich glaube auch Robert hätte es gewollt wenn Er Krank ausgefallen wäre das Fromlowitz ihn gut vertreten hätte .

    Wenn mich der eine oder andere Hannover 96 Fan treffen möchte man findet mich vor dem Spiel in GE am Bahnhof was ich mir auch sehr wünsche ist ein faires Spiel und die bessere Mannschaft soll gewinnen ich weis auch das es für die Mannschaft von 96 nicht leicht wird das Spiel zu Spielen aber das Leben geht und muss weiter gehn auch wenn es noch so traurig ist das Robert nicht mehr unter uns ist .

    Auch ich werde einen Trauerflor tragen denn Robert war ja auch Torwart der Deutschen Fußball Nationalmannschaft .

    Mit fairen Grüßen

    Schalke Franz

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    Fair Play Fan Nr.1 in der Fußball Bundesliga
    wie auch 1 . ultimativer Schalke Fan

    Fair geht vor - Fair Play
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  • Robert Enke Schalke Franz 16.11.09
    Kommentar wurde von HAZ.de gelöscht. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen unter www.haz.de/Nutzungsbedingungen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • betroffen nele 16.11.09
    ein sehr bewegender text! ich war gestern selbst im stadion und ich hätte es nicht besser beschreiben können. das schreiend baby, die absätze der stöckel schuhe, das öffnen eines reißverschlusses.. das alles konnte man hören...!

    ich muss grade wieder mit den tränen kämpfen-so groß ist noch immer die betroffenheit!

    am beeindruckensten fand ich allerdings..die ganze zeit schien die sonne-doch als der sarg aus dem stadtion getragen wurde, verschwand diese..für den rest des tages!

    ich wünsche teresa enke alles gute und alle kraft dieser welt diesen verlust zu überstehen! ich ziehe meinen hut vor ihr und habe einen riesen respekt vor einer so tapferen frau, vor ihrem mut, ihrer stärke und ihrem kampfgeist! ich bedanke mich dafür das sie uns die möglichkeit gegeben hat uns von ihrem mann zu verabschieden - in diesem rahmen!
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