Hannover. Mit viel Lob und Applaus würdigen die Fußballfans zurzeit die Entwicklung von Borussia Mönchengladbach. Das Team von Trainer Lucien Favre versetzt genau wie die „Roten“ im Jahr zuvor die Liga in blankes Erstaunen. Und es gibt auch sonst verblüffend viele Gemeinsamkeiten zwischen Gladbach und 96: Wenn die Hannoveraner am heutigen Sonnabend zu Gast im Borussia-Park (Anpfiff: 15.30 Uhr) sind, ist es ein bisschen so, als würden sie gegen ihr Spiegelbild antreten.
Die Euphorie: Mike Hanke weiß, wovon er spricht. „Durch die Siegesserie in der vergangenen Saison haben wir uns ein riesiges Selbstvertrauen erarbeitet. Wir werden im Moment noch von einer Euphoriewelle getragen. Das habe ich auch schon mit Hannover erlebt“, sagt der Stürmer, der in der Winterpause der vergangenen Saison von Hannover nach Gladbach wechselte. Nach fünf Spieltagen hatten die Borussen mit zehn Punkten bereits so viele Punkte auf dem Konto wie nach der gesamten Hinrunde der Vorsaison, der Sieg beim HSV am 6. Spieltag bedeutete den besten Saisonstart seit 35 Jahren.
Ganz wichtig für den Höhenflug der „Fohlen“ war der Überraschungssieg am 1. Spieltag beim FC Bayern. „Der Sieg in München hat uns sehr geholfen. Wenn du dort verlierst, stehst du sofort unter Druck“, sagt Favre. Für 96 war damals nach dem Auftaktsieg gegen Frankfurt der 2:1-Erfolg „Auf Schalke“ das Breite-Brust-Erlebnis. Und einen Sieg gegen die Bayern kann 96 sogar in beiden Spielzeiten vorweisen.
Das System: Favre hat der Elf vom Niederrhein seit seinem Amtsantritt im Februar eine neue Grundordnung verpasst und die einstige Schießbude der Liga geschlossen. Eine starke Defensive mit zwei zentralen defensiven Mittelfeldspielern ist bei beiden Teams die Grundlage für das schnelle Kombinationsspiel. Genau wie bei den Borussen ist das sofortige Umschalten nach Ballgewinn auch die Stärke der Mannschaft von 96-Trainer Mirko Slomka. „Jeder weiß, was er zu tun hat. Jeder kennt seine Aufgabe“, sagt Gladbachs Kapitän Filip Daems – der Satz hätte aber genauso gut von Lars Stindl oder Karim Haggui sein können. Einen offenen Schlagabtausch wie beim 2:1 von 96 gegen die Bayern wird es im Borussia-Park wohl nicht geben, das Duell zwischen dem Siebten und dem Vierten dürfte ein Geduldsspiel für Spieler und Fans werden.
Die Mannschaft: Auch bei den Borussen gibt es keinen großen Star, wenngleich Nationalspieler Marco Reus auf dem Weg dahin ist. Interessant ist die Parallele im Tor: Favre und Slomka erkannten beide das große Potenzial ihrer Nachwuchskeeper und machten Marc-André ter Stegen sowie Ron-Robert Zieler in der Rückrunde der vergangenen Saison zur Nummer 1. Mit einem Unentschieden, was bei so vielen Gemeinsamkeiten zwischen beiden Teams nicht allzu sehr überraschen würde, könnten die „Roten“ besser leben als die Borussen, die aus den vergangenen drei Liga-Partien nur einen Zähler holten.
HAZ.de Anmeldung