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Haben die 96-Fans zu hohe Erwartungen?

Verpatzter Saisonstart Haben die 96-Fans zu hohe Erwartungen?

Die Mannschaft von Hannover 96 läuft Gefahr, das dritte Mal hintereinander im Abstiegskampf zu landen. Oder steckt sie bereits mittendrin, wie viele Fans glauben? „Ich muss mich manchmal kneifen“, sagt Trainer Michael Frontzeck, „es wird ein Szenario gestrickt, das düsterer nicht sein kann.“

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So lange ist das noch gar nicht her: Im September 2010 präsentierten 96-Fans im Stadion die Meisterschale.

Quelle: Jochen Lübke

Hannover. Gehen wir einmal fast auf den Tag genau zwei Jahre zurück. Der Zeitpunkt ist wichtig, aber darauf kommen wir später zu sprechen. Vor zwei Jahren hat der Clubchef eines Fußball-Bundesligisten vor dem Auswärtsspiel bei Bayern München folgenden Satz gesagt: „Es muss endlich Schluss sein mit der Denkweise, dass wir nach München fahren und glauben, bei den Bayern keine Chance zu haben.“

Von wem könnte der Satz stammen? Kommt er aus der Chefabteilung von Bayer Leverkusen, Schalke 04, VfL Wolfsburg oder Borussia Dortmund, also von Vereinen, die sich aufgrund ihrer sportlichen und wirtschaftlichen Potenz in der Rolle des Bayern-Verfolgers sehen? Nein, den Satz hat Anfang September 2013 Martin Kind, der Clubchef von Hannover 96, gesagt, und er wird ihm heute selbst nicht mehr besonders gut gefallen.

„Es herrscht eine Stimmung wie im November“

Hannover 96 heute: Das ist eine Mannschaft, die Gefahr läuft, das dritte Mal hintereinander im Abstiegskampf zu landen. Oder bereits mittendrin steckt, wie viele Fans glauben, wohlwissend, dass die neue Saison erst drei Spieltage alt ist. Das wiederum läuft schnurstracks zu auf die Debatte um das Anspruchsdenken in der Stadt und die Frage, wie realistisch oder eben unrealistisch es ist.

„Ich muss mich manchmal kneifen“, sagt Trainer Michael Frontzeck, „es herrscht eine Stimmung wie im November. Es wird ein Szenario gestrickt, das düsterer nicht sein kann.“ Aus Frontzecks Sicht darf man das so sehen. Im Mai war er noch der Retter, jetzt diskutieren bereits einige Fans darüber, wer sein Nachfolger werden könnte. „Es ist doch noch nicht ganz verhallt, dass wir gemeinsam etwas Großes erreicht haben“, sagt er.

Dilemma der „Roten“

Es ist ein interessanter Satz, weil sich an ihm die Widersprüchlichkeit des momentanen Dilemmas der „Roten“ aufzeigen lässt: Mannschaft und Trainer haben vor vier Monaten wirklich etwas Großes geleistet mit dem verhinderten Abstieg in einer missratenen Saison. Aber die Größe des Klassenerhalts ist nichts gegen die Größe der Europa League, und genau in der hat Hannover 96 vor zweieinhalb Jahren noch mitgemischt. Wem will man verübeln, dass er jetzt auf Vorstellungen wie in Mainz keine Lust mehr hat?

Im Grund ist die aktuelle Geschichte von 96 die berühmte Geschichte von den Geistern, die man gerufen hat und dann nicht mehr los wird. Man kann es auch den Fluch des Erfolgs nennen. Im September vor zwei Jahren wähnten sich alle bei 96 bereit für den großen Sprung, Kind ließ sich zu dem Satz hinreißen, dass man die Plätze 3 bis 6 erreichen wolle. Das klingt heute abenteuerlich. Aber gab es damals nicht auch Applaus für die neue Forschheit in Hannover? Und darf man nach zwei Spielzeiten in Europa nicht ruhig mal etwas lauter trommeln, wenn man normalerweise bundesweit wenig Beachtung findet?

Kein Platz für große Träume

Hätten sie bei 96 danach nicht zu viele Weichen falsch gestellt - beim Trainer, beim Manager, bei den Neuverpflichtungen -, wäre der Übermut von damals kein Problem. Wer aber zwei Spielzeiten lang in Transfers und Etat mehr investiert hat als jemals zuvor, der muss sich daran auch messen lassen.

Genau in dieser Falle steckt der Verein jetzt, obwohl die große Ernüchterung kurioserweise doch noch etwas Gutes haben könnte. Mit drei Bundesligaspielen hat 96 die Erwartungen der meisten Anhänger auf Null runtergefahren. Die meisten in Hannover wünschen sich, dass ihre „Roten“ irgendwie drinbleiben in der 1. Liga. Das war mal anders geplant, aber für größere Träume ist in Hannover derzeit kein Platz.

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