Das Wichtigste vorweg: Herzlichen Glückwunsch, Sie werden Vater. Wann ist es denn so weit?
Danke, wir werden Anfang des nächsten Jahres Eltern. Ein absolutes Wunschkind, es herrscht große Freude im Hause Balitsch.
Nichts gegen die Stadt Leverkusen, aber kann man da wohnen, oder zieht es einen dann doch eher nach Köln?
Es gibt auch in Leverkusen schöne Ecken, aber wir haben im Kölner Westen eine Doppelhaushälfte gefunden.
Sie haben fünf Jahre für 96 gespielt, viele Fans verfolgen da natürlich, wie es bei Ihnen in Leverkusen weitergeht. Allzu viel gab es in den ersten beiden Bundesligaspielen, in denen Sie zweimal spät eingewechselt worden sind, noch nicht zu sehen...
Natürlich haben sich Spieler, die schon in der vergangenen Saison unter dem Trainer gearbeitet haben, ein gewisses Vertrauen verdient. Das muss man sich als neuer Spieler auch erst einmal über Einsätze und gute Trainingsleistungen erarbeiten. Außerdem habe ich schon in einer Begegnung der Europa-League-Qualifikation in der Ukraine durchgespielt, genau wie am vergangenen Freitag im Testspiel gegen Schalke.
Da hat Sie Ihr Trainer Jupp Heynckes als linker Verteidiger eingesetzt. Bei den „Roten“ haben Sie ja auf vielen Positionen gespielt, zuletzt sogar eine Art Linksaußen. Aber linker Verteidiger ist schon ungewöhnlich, oder?
Nein, das war keine große Überraschung. Es war Bestandteil der Gespräche vor meinem Wechsel, dass ich nicht nur als Sechser geholt werden soll, sondern auch deshalb, weil ich sehr flexibel einsetzbar bin.
Davon hat Heynckes zumindest gegen Dortmund und Mönchengladbach noch keinen Gebrauch gemacht. Warum nicht?
Wenn mich einer vor der Saison gefragt hätte, was ich mir wünsche, dann hätte ich gesagt, dass ich gerne alle 48 Spiele von Bayer von Anfang bis zum Ende spielen möchte. Natürlich träumt man sich etwas zusammen. Aber realistisch muss man sagen, dass Leverkusen eine hohe Qualität im Kader hat und der Konkurrenzkampf sehr stark ist. Hier und da ein paar Minuten, in der Europa League mal durchgespielt: Im Moment gehe ich den Weg der kleinen Schritte.
Im defensiven Mittelfeld, da, wo Sie bei 96 meistens gespielt haben, herrscht bei Leverkusen ohnehin schon großes Gedränge. Jetzt kommt nach langer Verletzung auch noch Simon Rolfes zurück und drängt ins Team. Bei so viel Konkurrenzkampf muss sich ein Hanno Balitsch doch wohlfühlen...
Wir sind auf keiner anderen Position so stark besetzt wie im defensiven Mittelfeld. Im Training und wenn ich einen Einsatz bekomme, dann bin ich da und haue mich voll rein. Das ist dann meine Art von Konkurrenzkampf.
Was ist in Leverkusen noch anders als in Hannover?
In Hannover hatte ich den Anspruch an mich, alle Spiele zu machen und auch eine wichtige Rolle in der Mannschaft zu übernehmen. Diesen Anspruch muss ich in Leverkusen bei dem Kader und den Persönlichkeiten nicht mehr so formulieren. Außerdem sind die Trainingsmöglichkeiten auf dem Gelände unbeschreiblich gut. Da bleibt aus Spielersicht kein Wunsch offen.
Und man kommt mit Leverkusen auch ein bisschen rum...
Vier Stunden Flug zum Spiel in die Ukraine und wieder zurück, das ist zwar anstrengend, aber auch genau die sportliche Herausforderung, die ich gesucht und auf die ich mich gefreut habe. Auch wenn es bislang nur Simferopol war, demnächst heißen die Mannschaften Atletico Madrid und Rosenborg Trondheim.
Nervt der Rummel um Michael Ballack?
Das ist kein Thema, das mich belastet. Ich habe ja mit der Nationalmannschaft nichts zu tun, außer dass ich dem Team die Daumen drücke. Für Michael ist das sicherlich keine einfache Situation. Aber ich denke, er ist erfahren genug und kann damit umgehen.
Hanno Balitsch und die Trainer, das ist immer eine spannende Geschichte. Wie kommen Sie mit Heynckes zurecht?
Ich bedaure, dass ich ihn nicht schon zehn Jahre früher hatte. Auch da ist Leverkusen mit sehr hoher Qualität besetzt.
Am Sonnabend kehren Sie mit Bayer zum Bundesligaspiel gegen 96 zurück in die AWD-Arena. Schon aufgeregt?
Schlaflose Nächte habe ich nicht, aber es wird sicherlich etwas Besonderes, weil fünf Jahre in Hannover schon ein langer Zeitraum sind. Ich freue mich, weil ich weiß, wie die Stimmung im Stadion ist, wenn es voll ist und die Mannschaft gegen einen guten Gegner über sich hinauswächst. Und ich bin sehr gespannt, wie die Fans mich empfangen.
Welche Reaktion erwarten Sie denn?
Ich rechne nicht damit, dass ich in der Arena mit Ovationen empfangen werde, glaube aber auch nicht, dass ich ausgebuht werde.
Hat Sie der Sechs-Punkte-Start von 96 überrascht?
Dass Hannover nach dem Pokalaus so in die Bundesliga startet, ja. Aber mich freut es für die Jungs, dass die Saison diesmal ein bisschen ruhiger anfängt.
Bayer und 96 einigen sich auf ein 2:2, verzichten auf das Spiel, und alle trinken zusammen im „Mezzo“ ein Bier? Wäre das okay für Sie?
Auf keinen Fall. Wir wissen, wie schwer es wird, aber nach der Niederlage gegen Gladbach gibt es für uns in Hannover keine Alternative zum Auswärtssieg.
Interview: Christian Purbs
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