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„Ich verspüre überhaupt keinen Druck“

96-Chef Martin Kind „Ich verspüre überhaupt keinen Druck“

Nach dem Paukenschlag in der vergangenen Woche gibt sich Martin Kind, Boss von Hannover 96, gelassen: Bei der Suche nach Gesellschaftern gibt er sich gelassen. Die Reaktionen im Stadion auf den Rückzug von Michael Schiemann, Gregor Baum und Matthias Wilkening waren entspannt.

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„Wir wollen uns breiter aufstellen“: 96-Chef Martin Kind am Sonnabend - wenige Tage nachdem drei Gesellschafter ihm ihre Anteile an der S&S angeboten hatten.

Hannover. Martin Kind war Sonntag bestens gelaunt. Der Heimsieg gegen 1899 Hoffenheim hatte dem Clubchef von Hannover 96 gut gefallen. Und auch der geplante Rückzug von Michael Schiemann, Gregor Baum und Matthias Wilkening aus dem Gesellschafterkreis der Hannover 96 Sales & Service (S&S) konnte an seinem Wohlgefühl nichts ändern. „Warum denn auch?“, sagte er, „das ganze Thema ist doch viel zu hochgekocht worden. Das ist bei Unternehmen nun mal so, Anteile können gekauft und verkauft werden.“

Am Freitag war publik geworden, dass die langjährigen Gesellschafter ihre Anteile, die zusammen knapp 25 Prozent ausmachen, an Kind verkaufen wollen. Sie sind verstimmt darüber, dass der Clubchef in den Tagen vorher die Anteile des Neustädter Unternehmers Detlev Meyer übernommen und seine eigenen dadurch auf insgesamt gut 52 Prozent aufgestockt hatte. Damit ist der 72-Jährige in der S&S, die das Profigeschäft steuert, Mehrheitsgesellschafter. „Es widerstrebt mir, wenn ein Einzelner mehr als 50 Prozent hält“, sagte Schiemann.

Wer dessen Anteile sowie die von Braun und Wilkening kaufen wird, ist weiterhin offen. Kind hält sich bedeckt. Der Drogerieunternehmer Dirk Roßmann, zweitgrößter Anteilseigener der S&S, hatte dagegen in der HAZ erklärt, eher „auf der Käuferseite zu stehen. Ich hänge emotional an dem Verein.“

Kind ist in Gesprächen mit Roßmann. „Eine Entscheidung ist aber noch längst nicht gefallen“, sagte der 96-Clubchef gestern. „Die drei müssen sehen, dass sie ihre Anteile loswerden; und das kann dauern. Ich jedenfalls verspüre überhaupt keinen Druck.“ Kind scheint eher auf der Suche nach einem neuen Gesellschafter zu sein. „Wir wollen uns breiter aufstellen mit der Möglichkeit der Kapitalerhöhung.“

Vor der Hoffenheim-Partie war von der Stadionregie befürchtet worden, dass das Thema Gesellschafteranteile Emotionen etwa unter den Fans auf der Nordtribüne hervorrufen könnte. Dort gibt es viele, die Kind wegen dessen Machtfülle bei Hannover 96 kritisch sehen und ihm Fehlentscheidungen ankreiden. Dieses Mal war nichts dergleichen zu hören oder zu sehen - weder gab es Plakate noch Sprechchöre. Die Fans hatten anderes zu tun, sie beschäftigten sich mit der Mannschaft und nicht mit den Funktionären.

Auch im Prominentenblock auf der Osttribüne waren die Entwicklungen im Gesellschafterkreis am Sonnabend nur Randthema. „Ich wünsche mir, dass es aus diesem Bereich keinen zusätzlichen Druck gibt“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau, der mit einer Mischung aus Vorfreude aufs Spiel und Wehmut wegen des Abstiegs das vorerst letzte Bundesligaspiel in der Arena besuchte.

Nur die Rote Kurve übt Kritik

„Das ist nicht meine Baustelle“, erklärte Ministerpräsident Stephan Weil auf Fragen zu den Gesellschaftern. Für die Zukunft ist ihm etwas anderes viel wichtiger: „Ich möchte noch einen Bundesligaaufstieg von Hannover 96 erleben.“ Üstra-Vorstand Wilhelm Lindenberg, der gemeinsam mit dem Verdi-Bundesvorsitzenden Frank Bsirske ins Stadion kam, sagte, die Entwicklung bei der S&S stelle für ihn keine große Überraschung dar. „Martin Kind hat doch immer gesagt, dass er Mehrheiten anstrebt“, sagt er unter Hinweis auf die sogenannte 50+1-Regel. Die erlaubt eine Komplettübernahme von Profiabteilungen der Bundesliga-Vereine durch Investoren, wenn diese den Club mehr als 20 Jahre lang maßgeblich gefördert haben. Im Fall von Martin Kind greift sie im Juli 2018 - diese Regelung hatte der Unternehmer selbst erstritten.

Volksbank-Chef Jürgen Wache traf den allgemeinen Tenor: „Das sollen die Gesellschafter mal unter sich ausmachen.“ Die Volksbank wird auf jeden Fall bei Hannover 96 im Sponsorenkreis bleiben.

Zu Wort meldete sich Sonntag auch die Interessengemeinschaft Rote Kurve. Zwei von ihr unterstützte Kandidaten (Ralf Nestler, Sebastian Kramer) hatten bei der Mitgliederversammlung den Sprung in den Aufsichtsrat des Vereins geschafft. Die Rote Kurve vertritt die Meinung, dass die Voraussetzungen für eine Ausnahmeregelung von der 50+1-Regel nicht erfüllt seien.

Von Jörg Grußendorf, Bernd Haase und Isabell Rollenhagen

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