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Null gegen Hull! Massel gegen Kassel?

Der Platzwart Null gegen Hull! Massel gegen Kassel?

Der Platzwart checkt den Stand der Dinge und macht seinen Ausblick auf die kommende Bundesliga-Saison der „Roten“: Saint-Maximin wird nicht gekauft, er wird gestreamt. Und Champions League? Steht auf Kinds Liste, ganz sicher.

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Hammer-Coup: Joselu (l.) wechselt für acht Millionen nach England.

Quelle: Nigel Treblin

Null zu null gegen Preußen Münster und null gegen Hull, 1:1 gegen RCD Mallorca, eine routinierte 0:1-Arbeitsniederlage gegen Sunderland und ein überraschend souveränes 0:2 gegen Caykur Rizespor - Hannover 96 präsentiert sich Fans und Beobachtern in diesem Jahr in beachtlicher Frühform. Selbst beim Härtetest. DFB-Pokal. 1. Runde. Gegen einen Viertligisten mit elf gesunden Spielern auf dem großen Feld.

Normalerweise Endstation für die „Roten“. Doch dieses Jahr ist alles anders. Hannover 96 erreicht die 2. Runde im DFB-Pokal! Gegen Hessen Kassel, einen gestandenen Regionalligisten, der im Landespokal-Finale den VfB Gießen mit 2:1 aus dem Auestadion hämmerte! Und Hannover 96? Siegt im nordhessischen Hexenkassel mit zwei (!!) Toren Vorsprung, also quasi fast verdient, ohne den üblichen Massel. Fußballexperten hatten im Vorfeld den Durchmarsch der 96er ins Sechzehntelfinale nicht gänzlich ausschließen wollen, was in Verbindung von 2. Pokalrunden und Hannover 96 echt was heißen will. Der Superstart in die Saison 15/16 ist kein Zufall, sondern Ergebnis akribischer Vorbereitung im Graubereich von Planung und Schicksal, 1. und 2. Liga. Alles beginnt am 23. Mai 2015, 17.20 Uhr.

Sieg gegen Freiburg, Klassenerhalt, 96-Boss Martin Kind freut sich, jedenfalls im Rahmen seiner Möglichkeiten. Denn er hat auch Sorgen. Hannover ist zwar erstklassig geblieben, wird aber eine Reihe von Leistungsträgern nicht halten können. Die Abgänge von Jan Schlaudraff und Marius Stankevicius deuten sich an, João Pereira verhandelt mit Salamander Kornwestheim, Christian Pander führt Sondierungsgespräche mit der Agentur für Arbeit. Kind setzt eine Liste auf. Darauf verzeichnet: alle Fußballspieler, die für 96 auf dem Transfermarkt infrage kommen. Also so ziemlich alle. Anschließend verkünden Kind und Manager Dirk Dufner das gemeinsame Saisonziel für die neue Spielzeit: drinbleiben! Einschränkung: Wenn 96 einigermaßen in die Saison startet, kann man mal ein Auge auf Platz 12 werfen. Lars Stindl träumt von Platz 10 und kriegt dafür drei Wochen später am Niederrhein mächtig Ärger.

Dufner verpflichtet, zunächst die beiden Streich-Kandidaten Oliver Sorg und Felix Klaus, später Mevlüt Erdinc und Allan Saint-Maximin. Die Bundesliga registriert: Dufner ist Multitasker, kann Freiburg UND Frankreich. Und er ist innovativ. Saint-Maximin wird nicht gekauft, er wird gestreamt. Nach 365 Tagen auf der Bank löscht er sich automatisch aus Mannschaft und Spielberichtsbögen, so als wäre er nie da gewesen.

Mitten in der Vorbereitung gelingt Dufner ein Hammer-Coup: Joselu für acht Millionen Euro nach England. Die Welt staunt, England wird sich wundern. 96 lässt durchblicken, dass man auch Vladimir Rankovic und Valmir Sulejmani den Sprung in die Premier League zutrauen würde, Felipe sei Halb-Waliser und liebe nichts mehr als das körperbetonte Spiel auf der Insel.

Mit prall gefüllter Kriegskasse korrigiert Kind das Saisonziel leicht nach oben: Sollten die ersten acht Spiele nicht mit acht Niederlagen enden, kann man sich nicht an den Klassenerhalt klammern. Das wäre so, sinniert Kind, als ob Lionel Messi nach seinem überraschenden Wechsel zum TuS Krähenwinkel mit der Jokerrolle zufrieden wäre. Oder wenigstens so ähnlich. Also: einstelliger Tabellenplatz, Blick nach oben.

Mit der Liste hält es Kind frei nach dem Motto: Reden ist Silber, Schwelgen ist Gold. Wann immer er in der Saisonvorbereitung auf einen Namen angesprochen wird, stets lautet die Antwort: „Steht auf unserer Liste.“ Kevin Kuranyi, Claudio Pizzaro, Carsten Linke - alle auf der Liste, Kevin-Prince Boateng betont in Interviews ungefragt, auf Kinds Liste zu stehen, und zwar ganz oben. Statistiker rechnen aus, dass Kinds Liste länger sein müsste als die von Felix Magath seinerzeit beim VfL Wolfsburg, welche mittlerweile im Haus der Geschichte ausgestellt wird. Sie reicht vom 3. Oberge- schoss bis in den Keller.

Zwischendurch stellt Hannover 96 sein neues Heimtrikot vor, dessen Farbgebung seinerzeit bei „Tutti Frutti“ als Erdbeere durchgegangen wäre, und wählt einen neuen Kapitän. Martin Kind macht sich für Ron-Robert Zieler stark. Das Team wählt anschließend geschlossen Christian Schulz.

Im Juli erklärt Dufner seinem Kölner Kollegen Jörg Schmadtke, dass Sané für die Domstädter eine Nummer zu groß ist. Schmaddi zeigt sich einsichtig, schnappt sich den einen halben Meter kleineren Leonardo Bittencourt und lässt sich feiern. Bittencourt absolviert die ersten Wochen auf der Streckbank, die nächsten Wochen auf der Ersatzbank und wird im Winter, so der Plan, für zwei Jahre plus Rückleihoption an Energie Cottbus ausgeliehen.

Weil er eine neue Herausforderung sucht. Bittencourt selbst plant die Talenterente mit 28. Zur Belohnung für den Bittencourt-Deal darf Dufner sein Job-Ticket für September an 96 zurückgeben und Verträge nicht um mehr als ein Jahr verlängern. Salif Sané und Marcelo ist das egal, Dufner nicht.

Der Stand der Dinge vor dem Auftaktspiel der Saison 2015/16: DFB-Pokal so gut wie in der Tasche, Marcelo und Sané auf dem Weg zu Ur-Hannoveranern wie Altin Lala und Steve Cherundolo, Dufner weg - Kind justiert die Saisonziele nach. Sollte Darmstadt geschlagen werden und 96 ungeschlagen in das erste Heimspiel gehen, dann könnte dieses Jahr mehr drin sein. Champions League? Steht auf Kinds Liste, ganz sicher.

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