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„Du musst erst die Tür aufmachen, um durchzugehen“

Edgar Prib im Interview „Du musst erst die Tür aufmachen, um durchzugehen“

Vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen Erzgebirge Aue spricht 96-Profi Edgar Prib über die Vorteile von Linksfüßern, seine Auswechselung im Derby gegen Braunschweig – und seinen Geburtstagswunsch.

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Will auf dem Platz überzeugen: 96-Profi Edgar Prib.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Hallo Herr Prib, Ihr Trainer Daniel Stendel hat vor ein paar Tagen eine Zwischenbilanz gezogen. Wie fällt denn Ihr Fazit nach den ersten zwölf Saisonspielen aus?

Ähnlich wie das vom Trainer, auch ich hätte mir mehr Punkte gewünscht. Es gab einige Spiele, in denen wir Punkte liegen gelassen haben, weil wir die erste Viertelstunde nicht wach genug waren. Das darf uns nicht passieren. Manchmal geht es ratzfatz, und schon liegt man mit 0:2 hinten. Unser Anspruch muss es sein, dass wir die Leistung von der zweiten Halbzeit beim Spiel in Braunschweig über 90 Minuten zeigen. Wenn wir das hinkriegen, werden wir auch erfolgreich sein.

Warum lief es zuletzt in der ersten Halbzeit nicht optimal?

Wir machen Videoanalysen und diskutieren über die Spiele. Dennoch ist es schwierig zu sagen, warum das so ist. Ganz ehrlich: Ich kann es abschließend nicht erklären. Ich weiß nur, dass wir das ganz schnell ändern sollten - und werden.

Was war bislang gut, was muss noch besser werden?

Am Anfang der Saison war unser Defensivverhalten teilweise schludrig. Das haben wir abgestellt und deutlich verbessert. In der Offensive haben wir hingegen in den ersten Spielen ein Feuerwerk abgebrannt. Das ist ein bisschen auf der Strecke geblieben. Wir müssen versuchen, eine gute Balance zwischen Defensivarbeit und guter Offensivleistung hinzubekommen.

Beim Derby gegen Braunschweig ging es auf dem Platz hoch her. Waren Sie mit dem 2:2 zufrieden oder hat 96 eher zwei Punkte verloren?

Da bin ich ein bisschen gespalten. Klar, es wäre mehr drin gewesen, mit etwas mehr Glück gewinnen wir, wenn wir den Handelfmeter bekommen. Aber es war auch eine großartige Leistung von uns, nach dem 0:2 noch den Ausgleich zu schaffen. Wenn man nur auf die Tabelle schaut, war der eine Punkt gegen einen direkten Konkurrenten eher ein bisschen zu wenig. Aber die Saison ist ja noch lang, da kann noch viel passieren.

Sie wurden beim Derby in der Halbzeit wegen akuter Rotgefahr ausgewechselt. Hätten Sie den Schlusspfiff auf dem Platz erlebt, wenn Sie weitergespielt hätten?

Solche Spiele gibt es halt. Nach dem ersten Foul hat der Schiedsrichter fast bei jeder folgenden Aktion mit mir diskutiert. Aber vorsichtig kann man in so einem Spiel auch nicht sein, da muss man schon voll in die Zweikämpfe gehen. Es hätte passieren können, dass ich in der zweiten Halbzeit mal einen Tick zu spät komme und dann die Gelb-Rote-Karte kriege. Deshalb war es auch okay, dass der Trainer mich rausgenommen hat.

Am zehnten Spieltag standen Sie in Nürnberg zum ersten Mal in der 96-Startelf, bis dahin sind Sie gerade einmal auf insgesamt 32 Spielminuten gekommen. Wie sehr hat es an Ihnen genagt, dass Sie zu Beginn der Saison nur zweite Wahl waren?

Ich bin von der Mannschaft in den Mannschaftsrat gewählt worden. Da stand es für mich außer Frage, mich hängen zu lassen. Ich bin Vollprofi, und es gehört in meinem Beruf dazu, dass man sich auch einmal hinten anstellen muss. Dass ich jetzt spiele, kommt nicht von ungefähr. Es ist das Resultat meiner Arbeit, in die ich in den vergangenen Monaten viel investiert habe. Und genau so werde ich auch weitermachen. Ich gebe niemals auf.

Trainer Stendel lässt Sie als Linksverteidiger spielen, Sie wurden aber auch schon auf mehreren anderen Positionen eingesetzt. Ist Ihre Vielseitigkeit ein großer Vorteil?

Es hilft mir auf jeden Fall und hat mir schon zu einigen Spielen verholfen.

Gute Linksverteidiger gibt es in Deutschland nur wenige. Was ist das Besondere an dieser Position?

Das ist einfach: der linke Fuß. Es gibt halt wesentlich mehr Rechts- als Linksfüßer. Offensiv kann man auf dieser Position auch mit dem falschen Fuß, also mit rechts spielen. Aber in der Defensive ist es zum Beispiel in den Zweikämpfen enorm wichtig, einen starken linken Fuß zu haben. Die einzige Ausnahme ist Philipp Lahm, der auf beiden Positionen stark gespielt hat, weil er einfach unheimlich clever ist.

Es sind noch fünf Spiele bis zur Winterpause. Startet 96 jetzt durch?

Mit irgendwelchen Ankündigungen bin ich vorsichtig. Wir tun gut daran, den Ball flach zu halten. Wir werden alles dafür tun, um in allen Spielen als Sieger vom Platz zu gehen. Wir sind stark und haben viel Qualität. Und: Durch große Reden ist noch niemand Meister geworden oder aufgestiegen.

Am Sonnabend geht’s weiter mit dem Heimspiel gegen Erzgebirge Aue. Da ist ein Sieg eigentlich Pflicht ...

Auch das wird kein Selbstläufer. Aue ist bei Kontern gefährlich, da müssen wir aufpassen, hellwach und konzentriert sein. Auch gegen Aue gilt: Du musst die Tür erst einmal aufmachen, um durchzugehen. Geduld bringt da mehr, als blind gegen die Wand zu rennen.

Zum Ende des Jahres wird’s noch einmal aufregend. Am 12. Dezember steigt das Spitzenspiel beim VfB Stuttgart, am Sonntag darauf beendet 96 die Hinrunde mit dem Heimspiel gegen den SV Sandhausen. Zwischendrin, am 15. Dezember, liegt Ihr 27. Geburtstag. Irgendwelche Wünsche?

Klar, am liebsten sechs Punkte, gerne mit einer schönen Schleife drum.

Interview: Christian Purbs

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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