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Der Kapitän kommt mit dem Rad zum Training

Manuel Schmiedebach Der Kapitän kommt mit dem Rad zum Training

Es gibt derzeit wohl für keinen 96-Spieler so viele Interviewanfragen wie für ihn. Doch Manuel Schmiedebach hält sich bewusst zurück. Doch jetzt ist er Kapitän von 96, und da ist es egal, dass er als ein etwas anderer Fußballprofi gilt. Auch nach sieben Jahren Bundesliga kommt er noch mit dem Bus oder dem Fahrrad zum Training. 

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Sagt, wo es langgeht: 96-Kapitän Manuel Schmiedebach. Nur dass seine Worte selten an die Öffentlichkeit dringen, sondern in der Mannschaft bleiben.

Quelle: dpa

Hannover. Zurückhaltend ist er jedoch nicht. Auf dem Platz sowieso nicht, wo er gern vorangeht, sich aggressiv zeigt. Aber auch außerhalb oder im Privatleben nicht. „Ich rede schon oft“, sagt der 27-Jährige, „die Frage ist nur, mit wem.“ Er spreche ganz einfach nicht gern über bestimmte Themenbereiche, weil das so oder so ausgelegt werden könne. „Wenn es einmal gedruckt ist, ist es gedruckt“, sagt er.

Doch jetzt ist Schmiedebach Kapitän von Hannover 96, und da ist es egal, dass er als ein etwas anderer Fußballprofi gilt. Auch nach sieben Jahren Bundesliga kommt er noch mit dem Bus oder dem Fahrrad zum Training. Er geht gern auf Bolzplätze, mischt sich unter die Mannschaften oder geht bewusst mit zwei, drei Freunden los und „schaut, wo was los ist“. In seiner Heimatstadt Berlin wie auch in Hannover. Das alles ist beachtenswert, doch jetzt hat „Manu“, auch wenn er es nicht so sieht, einen anderen Stellenwert. Als Kapitän zählt sein Wort nicht nur in der Mannschaft oder im Verein noch mehr, sondern in der Öffentlichkeit. Der Mittelfeldspieler wird um das eine oder andere Interview, die eine oder andere Aussage, nicht herumkommen.

Das will er auch nicht. Ob er sich dafür denn eine neue Strategie überlegt habe, wurde der Berliner gefragt. „Ich werde nicht der Typ sein, der sich hinstellt, wenn wir irgendwo gewinnen“, sagt er. „Wenn wir verlieren sollten, werde ich da sein und mich davor stellen. Aber ich bin kein Sonnenscheintyp.“ Die Rolle als Kapitän nehme er zu 100 Prozent an, aber er sei durch die Kapitänsbinde nicht zusätzlich beflügelt. „Ich habe auch vorher schon viel mit dem Trainer oder mit Mitspielern gesprochen“, sagt er, „vielleicht wird jetzt mehr darauf geachtet.“ Anders ausgedrückt: Sein Wort hat auch schon vorher Gewicht gehabt.

Gar nicht anfreunden kann er sich mit den Begriffen Führungsrolle oder Führungsspieler im Zusammenhang mit dem Amt des Kapitäns. „Das ist mir zu speziell“, sagt Schmiedebach. „Es gibt eine Hierarchie, viele Dinge werden schon unmittelbar auf dem Platz geregelt.“ Und Führungsspieler würden doch von allen anders definiert. „Für viele sind es die, die Tore schießen, für die Journalisten die, die am meisten sagen, und intern sind es wieder andere“, erklärt der Profi. „Am Ende sind wir eine Mannschaft, und es muss stimmig untereinander sein.“

Da scheint es derzeit überhaupt keine Probleme zu geben. Es ziehen, so ist der Eindruck, alle an einem Strang. Die Stimmung könnte, natürlich begünstig durch die zwei Siege zum Auftakt, nicht besser sein. „Die Neuzugänge passen charakterlich. Es war schon am Anfang so, dass man ein anderes Gefühl für die Mannschaft entwickelt hat“, sagt er, „das hat gleich Spaß gemacht. Beim ersten Training war ich wirklich begeistert.“ Das Team nehme das Training bedingungslos an, es sei viel mehr Feuer in den Übungseinheiten. „Das hat in den letzten Jahren schon gefehlt“, sagt der Kapitän. Trainer Daniel Stendel habe einen großen Anteil daran. „Er fordert es strikt ein“, sagt Schmiedebach, „und jedem ist bewusst, dass ein paar Läufe folgen werden, wenn wir das nicht machen.“ Stendel droht nicht nur mit Konsequenzen, er reagiert auch entsprechend.

Ausschlaggebend für den gelungenen Start ist außer der Trainingsintensität und der Stimmung natürlich auch die gehobene Qualität der Mannschaft. Reicht sie auch aus, um aufzusteigen? „Wenn wir konzentriert spielen, dann ja“, sagt Schmiedebach. „Es wird für uns schwierig, wenn wir wie gegen Kaiserslautern oder Fürth für 15 Minuten einen Schlendrian reinkriegen. Da wird es einfacher für den Gegner, Chancen herauszuspielen. Es sind im Endeffekt aber unsere Fehler, die dafür verantwortlich sind.“ Man müsse, und das sei keine Phrase, alles mit 100 Prozent angehen. „Wir schlagen keinen Verein einfach mal so.“ Schmiedebach hat seinen Vertrag bis 2020 verlängert. Nächstes Jahr möchte er wieder 1. Liga spielen - und seine Karriere als Erstligaspieler bei 96 beenden. Vielleicht gewöhnt er sich irgendwann auch an die nervigen Interviews.

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