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"Es ist nie verkehrt, wenn die Null steht"

Regisseur Sebastian Maier im Interview "Es ist nie verkehrt, wenn die Null steht"

Ein Bayer, der von Hannover begeistert ist? Sebastian Maier, starker Freistoßschütze und neuer "Zehner bei Hannover 96, schwärmt von seiner neuen Heimat. Außerdem spricht er im Interview über seine Ziele mit den "Roten" und erinnert sich an sein erstes Profitor.

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Ein Schuss, ein Tor? Sebastian Maier in Aktion.

Quelle: Team zN

Hallo Herr Maier, welcher Profi schießt die besten Freistöße?
Ronaldo hat mit seinen Freistößen schon eine Marke gesetzt.

Aber zuletzt hat er doch kaum noch getroffen.
Stimmt, seine Quote war nicht mehr besonders gut. Bei der EM hat Bale stark geschossen, früher waren es Joninho und Beckham, die Maßstäbe gesetzt haben.

Sie gelten auch als sehr guter Freistoßschütze. Können Sie sich von diesen Stars etwas abschauen?
Klar, das habe ich früher besonders bei Joninho gemacht. Er hat für mich damit angefangen, die Bälle mit Topspin zu spielen, sodass sie hinten runterfallen. Das bewundert man als Jugendlicher und versucht es nachzumachen.

Im Testspiel gegen Nimwegen haben Sie ein schönes Freistoßtor erzielt. Reicht da Talent, oder sind solche Kunstschüsse eher das Resultat von harter Arbeit?
Nach dem Training stelle ich mir oft die Plastikmauer hin und schieße 20, 30 Bälle, um das Gefühl reinzukriegen, damit es ein Automatismus wird. Talent ist prima, reicht aber alleine nicht.

Ihr erstes Profitor war auch ein Freistoß.
Das war bislang der schönste Moment, den ich im Fußball erlebt habe. Es war nicht nur mein erstes Tor als Profi, sondern auch mein erster Treffer für St. Pauli. Es stand 1:1 gegen Dynamo Dresden, und ich bin kurz vor dem Abpfiff von Trainer Michael Frontzeck für den Freistoß eingewechselt worden. Im Training hatte ich schon ein paar Freistöße geschossen, und da hat sich der Trainer wohl gedacht: „Den werfe ich jetzt mal rein.“ Ohne den Ball selbst hinzulegen, habe ich den Ball dann zum 2:1 reingehauen. Das war schon Wahnsinn.

Ihre bisherigen Stationen als Profifußballer waren München und Hamburg – und jetzt Hannover. Keine Bedenken, dass Sie sich hier langweilen werden?
Fast jeder in meiner Heimat (Landshut, d.Red), dem ich erzählt habe, dass ich nach Hannover gehe, konnte mit der Stadt nicht viel anfangen. Die freundlichsten Sätze waren: „Was willst du denn da, da ist doch nichts los.“ Aber seit meine Freundin und ich auf Wohnungssuche gegangen sind, sind wir absolut begeistert von der Stadt. Wir wohnen in der List, ganz in der Nähe der Eilenriede, das ist einfach herrlich. Warum Hannover so einen schlechten Ruf hat, verstehe ich überhaupt nicht. Der Maschsee in der Stadt, das viele Grün überall: Hier ist es total schön.

Gar nicht schön war, was 96 in den Tests gegen Halle und Aue in der Abwehr gezeigt hat. Sich darauf zu verlassen, dass die Offensive immer ein Tor mehr schießt, als die Defensive kassiert, könnte mächtig in die Hose gehen.
Wir haben die Qualität, um in jedem Spiel ein Tor zu schießen. Wir dürfen uns jedoch nicht darauf verlassen, dass wir in jedem Spiel ein Tor mehr schießen als der Gegner. Aber das waren Testspiele, da haben wir auch nach einer Führung weiter versucht, vorne zu pressen. Das kann man in einem Punktspiel sicherlich klüger machen und den Gegner einfach auch mal kommen lassen. Testspiele sind immer noch dazu da, um etwas auszuprobieren. Natürlich hat nicht alles gepasst, haben wir zwischendurch zu oft zu offensiv gedacht. Grundsätzlich ist es nie verkehrt, wenn die Null steht.

Bei jedem Training tobt besonders in der Offensive der Konkurrenzkampf. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?
Ich habe damit überhaupt kein Problem. Es gibt kein Training, in dem sich einer ausruht. Bei der hohen Qualität in der Offensive kann sich das kein Spieler leisten, weil niemand seinen Platz sicher hat. Jeder versucht, dem Trainer etwas anzubieten, was dann auch die Mannschaftsleistung steigert. Und davon profitieren letztendlich alle.

Der Präsident, der Trainer und die Fans, für alle ist der sofortige Wiederaufstieg das Saisonziel. Schließen Sie sich an?
Auch deshalb bin ich nach Hannover gekommen. Mein Ziel ist die 1. Bundesliga, das möchte ich mit 96 erreichen. Wir sollten die Favoritenrolle nicht als Druck sehen. Es soll für uns eine Saison werden, die Spaß macht. Und wenn wir hart arbeiten, dann wird das auch funktionieren.

Sie sind bei 96 im offensiven Mittelfeld der Nachfolger von Hiroshi Kiyotake. 
Wie groß ist der Druck für den neuen „Zehner“?
Für mich ist das eher Motivation als Druck. Kiyotake ist ein herausragender Spieler, der geht nicht einfach so zum FC Sevilla. Ich war von seiner Klasse beeindruckt, als ich in der vergangenen Saison zweimal im Stadion war. Ich versuche, peu à peu seine Fußstapfen auszufüllen. Aber es wäre keine gute Idee, von mir selbst zu verlangen, der neue Kiyotake zu werden. Ich bin Sebastian Maier und versuche, der Mannschaft mit meinen Qualitäten zu helfen.

Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Die Leute sagen, dass ich gut schießen kann und öfter mal abziehen soll – da ist schon was dran (lacht). Torgefährlicher werden, öfter mal im gegnerischen Strafraum auftauchen, das verlangt der Trainer von mir. Auf St. Pauli war die Ausrichtung eher defensiv. Wenn wir mit 96 offensiver spielen, sollte mir das zugutekommen. Das will ich nutzen, um öfter zu treffen und Tore vorzubereiten.

Bei St. Pauli gab es viel Lob, aber auch manche Kritik in Bezug auf Ihre Konstanz. Ist das noch Ihre Schwäche?
Das ist bei jungen Spielern nicht so ungewöhnlich. Das ist der Unterschied zu den ganz großen Spielern. Die schaffen es, ihre Qualität in fast jedem Spiel abzurufen. Ein Trainer hat mal zu mir gesagt: „Wenn du ein Spiel nicht schlecht spielst, dann sind alle zumindest nicht unzufrieden. Du musst nicht jedes Spiel überragend spielen, um Konstanz reinzubringen.“ Das ist eine Basis, auf der man aufbauen kann. Es wäre allerdings gut, wenn die Ausschläge nach unten nicht zu oft und heftig sind.

Am 5. August geht’s endlich los. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Wir sitzen hier schon ganz gut, um die Frage zu beantworten (Maier zeigt von der VIP-Loge in der HDI-Arena aufs Stadionrund, d. Red). Das erste Heimspiel wird garantiert ein ganz besonderes Spiel. In der vergangenen Saison war ich zweimal im Stadion, das Ding war bei beiden Spielen voll. In denke, dass auch gegen Fürth eine tolle Stimmung herrschen wird. Und darauf freue ich mich.     

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Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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