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„96 braucht wieder Spieler, die vorangehen“

Stendel-Interview „96 braucht wieder Spieler, die vorangehen“

Daniel Stendel, Interimstrainer von Hannover 96, spricht im HAZ-Interview über sein Heimdebüt am Freitagabend gegen Borussia Mönchengladbach, die Identifikationsfigur Manuel Schmiedebach und die Zukunft der „Roten“.

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„Ich brauche vom Spieler Emotionalität, es muss schon erkennbar sein, dass er Bock hat“: 96-Trainer Daniel Stendel schaut auch im Training ganz genau hin.Foto: Petrow

Quelle: Florian Petrow

Herr Stendel, wie waren die Reaktionen der Fans und Freunde nach Ihrem positiven Einstand in Berlin? Schmerzt die Schulter noch vom vielen Klopfen?

Es geht noch (lacht). Aber es stimmt, die Rückmeldungen waren sehr positiv, worüber ich mich freue.

Bei Ihrem Heimdebüt als 96-Trainer wird das Stadion am Freitagabend gegen Borussia Mönchengladbach fast ausverkauft sein. Kribbelt es schon?

Im Moment mache ich mir eher Gedanken darüber, wie das nächste Training laufen wird, ob alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Am Tag vor dem Spiel spürt man dann die Aufregung etwas mehr, am Spieltag ist das aber wieder vorbei. Da bin ich viel zu sehr auf das Spiel fokussiert. So war es jedenfalls letzte Woche.

Der letzte Heimsieg war vor fünf Monaten, 96-Tore gab’s auch schon lange nicht mehr ...

Ich verstehe, dass die Fans gerne einen Sieg von uns sehen würden. Aber wir können nicht einfach auf einen Knopf drücken und schwupp hauen wir zu Hause Gladbach und Schalke weg. Wenn wir jedoch ähnlich wie in Berlin auftreten und einige Sachen besser machen, dann muss Gladbach schon deutlich mehr bieten, um etwas mitzunehmen.

Schon nach dem ersten Training haben Sie dafür gesorgt, dass die Mannschaft gemeinsam den Platz verlässt. Was steckt dahinter?

Die Jungs sind doch alle in derselben Lage: Die Situation ist nicht toll, es gab wenig Erfolgserlebnisse, dafür viel Negatives. Wir wollen als Einheit agieren - und müssen dann auch so auftreten. Mut, Leidenschaft, Wille, nie aufgeben: Das sind die Grundlagen, die ich versuche, vor jedem Spiel zu verpacken.

Die man von einem Profi eigentlich in jedem Spiel erwarten kann.

Es muss keiner etwas für mich machen. Aber ich brauche vom Spieler Emotionalität, es muss schon erkennbar sein, dass er Bock hat, hier vor 49 000 auf dem Platz zu stehen, dass Fußball einfach ein geiler Sport ist. Das würde ich schon gerne sehen.

Was können Sie dafür tun?

Ich kann das vorleben. Ich gehe mit, ich feuere an, ich werde auch mal laut. Das habe ich auch beim Spiel in Berlin so gemacht, wenngleich ich sagen muss, dass das eher für mich war, weil mich eh keiner gehört hat (lacht). Im Ernst: Die Körpersprache ist wichtig, die Jungs sollen sehen, dass ich mit Emotionen und Leidenschaft dabei bin. Und das erwarte ich auch von ihnen.

Hugo Almeida war in Berlin nicht im 96-Kader. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich hatte eine Idee, wie wir in Berlin spielen wollen. Und da hatte ich andere Spieler im Kopf. Es ging nicht darum, ob einer schon 100, 200 Bundesliga-Spiele oder keins gemacht hat. Es ging nur darum, die Spieler mitzunehmen, von denen ich überzeugt war, dass sie unsere Spielidee am besten umsetzen.

Beim gestrigen Training fehlte Almeida. Warum?

Er hat beim Training am Montag einen Schlag in den Rücken bekommen und musste deshalb aussetzen. Und damit es keine weiteren Nachfragen gibt: Er verhält sich im Training super und sehr positiv.

Sind alle Spieler fit für das Spiel am Freitagabend gegen Gladbach?

Edgar Prib hat eine Zerrung und wird mit ziemlicher Sicherheit ausfallen. Bei Manuel Schmiedebach haben wir noch Hoffnung, dass es reicht.

Ihr Vorgänger Thomas Schaaf hatte Schmiedebach aussortiert, unter Ihnen war er in Berlin der beste Spieler auf dem Platz. Was haben Sie mit ihm gemacht?

Für mich ist er eine Identifikationsfigur, so viele haben wir ja nicht. Er ist lange dabei, hat schon eine Menge mitgemacht und besitzt die Mentalität, die ich mir auf dem Platz wünsche. Das habe ich ihm vor dem Spiel so gesagt. Und zu unserer Freude hat er es auf dem Platz auch gezeigt.

Gab es auch Gespräche mit Andre Hoffmann und Salif Sané, die bei Schaaf auch nicht zum Zuge kamen?

Ich habe mit ihnen kurz gesprochen. Ich wollte hören, ob es Gründe dafür gab, warum sie nicht dabei waren. Das war aber keine große Diskussionsrunde. Ich habe ihnen dann gesagt, dass wir das Thema abhaken und sie ein fester Bestandteil der Mannschaft sind, wenn sie im Training Gas geben.

Von den A-Junioren zu den Profis in die Bundesliga: Wie kommen Sie mit dem gestiegenen Interesse an Ihrer Person zurecht?

Als Trainer der A-Junioren hat man nicht so viele Interviews, vielleicht vor einem Pokalspiel, ab und an ruft mal eine Jugendzeitschrift an. Da überlege ich tausendmal, was ich sage, wie es am besten rüberkommt. Bei den Profis mache ich es einfach so, dass ich sage, was ich denke. Ich bin ehrlich und versuche, das auch rüberzubringen. So fühle ich mich am wohlsten.

Wie wohl fühlen Sie sich bei dem Gedanken, dass Ihre Zeit als 96-Trainer wohl bald wieder zu Ende sein wird?

Ganz ehrlich: Ich genieße die Zeit, es macht mir von Tag zu Tag mehr Spaß, jeder Tag ist spannend.

Hannover 96 hat Dienstag seinen 120. Geburtstag gefeiert. In der Vereinschronik werden Sie in Zukunft als der Trainer auftauchen, unter dem die Mannschaft 2016 in die 2. Liga abgestiegen ist. Irgendwie gemein, denn Sie trifft ja die wenigste Schuld.

Darüber habe ich mir nur kurz am Anfang Gedanken gemacht, jetzt interessiert mich das nicht mehr. Zum einen war es für mich eine Chance, die ich nutzen wollte. Und wenn ich am Ende von mir sagen kann, dass ich alles gegeben habe, dann kann ich gut damit leben. Egal, was passiert und was da irgendwo geschrieben steht.

Was braucht die 96-Mannschaft am nötigsten für einen erfolgreichen Neustart?

Man sollte bei den Spielern extrem in Richtung Mentalität schauen. Hannover 96 braucht Identifikationsfiguren, Spieler wie Schmiedebach und Leon Andreasen, die hier schon lange spielen und auf dem Platz immer voran gehen. Spieler, die den Weg mitgehen.

Interview: Christian Purbs

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