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Eine Mannschaft, die keine ist

Hannover 96 Eine Mannschaft, die keine ist

96-Klubchef Kind nimmt nach sieben sieglosen Partien die Spieler in die Pflicht – und rechnet nicht mit einer schnellen Wende. Nach dem Absturz auf den 13. Tabellenplatz herrscht vor allem Ratlosigkeit.

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„Wir wissen, dass die Mannschaft im Moment nicht rund läuft“: Nach der Niederlage in Hamburg gaben die 96-Profis ein symbolträchtiges Bild ab – jeder ging seinen eigenen Weg.

Quelle: zur Nieden

Hannover . Die Umschreibungen waren vielfältig. Aber irgendwie sagten sie doch alle mehr oder weniger das Gleiche aus: „Leblos. Ideenlos. Hilflos.“ Wie auch immer die Anhänger von Hannover 96 den Auftritt ihrer Mannschaft am Sonntag bei der 1:3-Niederlage in Hamburg in diversen Internetforen beschrieben, es war durchweg wenig schmeichelhaft für die Profis der „Roten“. Nach dem siebten sieglosen Punktspiel in Folge und dem Absturz auf den 13. Tabellenplatz herrscht vor allem Ratlosigkeit. Und immer wieder taucht dieselbe Frage auf: Was ist bloß mit und in dem Team los, das statt um einen Europapokalplatz plötzlich um den Klassenerhalt kämpfen muss?

Dabei sind es gar nicht einmal die auf den ersten Blick offensichtlichen Situationen, die auf dem Weg zur Beantwortung dieser schwierigen Frage hilfreich sind. Es sind eher kleine Szenen – wie die, die am Sonntag der Auswechslung von Lars Stindl vorausging. Der Kapitän hatte sich in der 16. Minute an der Seitenlinie wegen muskulärer Probleme an der linken Wade behandeln lassen, war zwar zunächst wieder auf den Platz zurückgekehrt, hatte dann aber signalisiert, dass es nicht mehr geht. In vielen Fußballteams von der Kreis- bis zur Bundesliga wäre der angeschlagene Akteur danach von seinen Mitspielern möglichst aus allen brenzligen Situationen herausgehalten worden. Doch Stindl musste in Hamburg noch in zwei Laufduelle vor dem eigenen Strafraum gehen und den Ball sogar einmal aus der Gefahrenzone schlagen, ehe Sébastien Pocognoli zur Einwechslung bereit war (21.).

Am Montag haben „die Roten“ trainiert. Sehen Sie hier Bilder vom Training.

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Ob sich die Verletzung, die am Montag als Muskelfaserriss diagnostiziert wurde, durch diese Aktionen noch verschlimmert hat, gehört in den Bereich der Spekulation. Aber unabhängig davon stimmt es schon ziemlich nachdenklich, wenn selbst solch simple Mechanismen innerhalb der Mannschaft nicht funktionieren. Einen Hinweis darauf, dass die „Roten“ derzeit weit davon entfernt sind, als echte Einheit auf dem Rasen aufzutreten, hatte bereits der derzeit verletzt fehlende etatmäßige Kapitän Steven Cherundolo in einem Interview in der Sonnabendausgabe der HAZ gegeben. Und auch Martin Kind teilt diese Einschätzung. „Wir wissen, dass die Mannschaft im Moment nicht rund läuft“, sagte der Klubchef am Montag. „Es bringt nichts, das zu verdrängen.“

Es mangelt der Mannschaft an Selbstvertrauen

Derzeit genügen schon kleine Schubser, um das ohnehin nicht gerade von ausgeprägtem Selbstbewusstsein gestärkte Gebilde in seine Einzelteile zerfallen zu lassen. In Hamburg waren es nach dem durchaus ansehnlichen und mutigen Start samt Führungstor durch Szabolcs Huszti (28.) die beiden ersten Gegentreffer. „Ein frühes Gegentor wie in der 2. Halbzeit kann die Mannschaft offenbar nicht verarbeiten“, analysierte Kind. Tatsächlich schafften es die „Roten“ danach kaum noch einmal, gefährlich vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen.

Gerade diese Ideenlosigkeit im Offensivspiel zieht sich nunmehr bereits seit Wochen wie ein roter Faden durch die Spiele. Der Klubchef hatte Trainer Mirko Slomka und Sportdirektor Dirk Dufner zuletzt schon gezielt auf dieses Problem angesprochen. „Ich habe dafür auch schon viele Erklärungsansätze bekommen“, verriet Kind. „Aber im Ergebnis ist keine Veränderung zu sehen.“

Am Montag erneuerte der 69-Jährige dennoch seine am Sonntag bereits unmittelbar nach Spielschluss getätigte Aussage, dass es keine Trainerdiskussion gebe. Doch mit einer schnellen Wende zum Guten rechnet Kind auch nicht. „Es wird nicht so funktionieren, dass wir einfach den Hebel umlegen“, sagte der Klubchef. „Ich sehe die Leistungskrise als Ergebnis eines schleichenden Prozesses, der nicht erst vor drei oder vier Wochen eingesetzt hat.“ Daher werde es seiner Meinung nach auch eine ganze Weile dauern, ehe Besserung in Sicht sei, erklärte Kind, der die Zielsetzung europäischer Wettbewerb vorerst zu den Akten gelegt hat.

Was zusätzlich zum Auftreten der Mannschaft besonders viel Grund zur Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass Slomka schon fast alle Register gezogen hat. Nach dem trostlosen 0:0 gegen Eintracht Braunschweig hatten Dufner und er intensive Gespräche mit den Profis geführt. In Hamburg wirbelte der Trainer die Mannschaft dann gehörig durcheinander, indem er mit Jan Schlaudraff und Manuel Schmiedebach zwei neue Spieler in die Startformation beorderte und überraschend Linksverteidiger Pocognoli durch Edgar Prib ersetzte. Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Und auch das Disziplinproblem bekommt Slomka einfach nicht in den Griff: Mit Salif Sané, der nach seiner Gelb-Roten Karte am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Eintracht Frankfurt fehlen wird, flog in dieser Saison bereits der vierte Spieler vom Platz.

Auch Kind scheint sich darüber im Klaren zu sein, dass Slomka nicht mehr allzu viele Ansatzpunkte hat. Daher nahm er gestern vor allem die Spieler in die Pflicht. „Auch die Mannschaft in sich hat eine Verantwortung und ist gefordert“, sagte der Klubchef. Das klingt zumindest verbindlicher als das, was Dufner kurz nach dem Spiel gesagt hatte. „Wir müssen so lange hart arbeiten, bis es wieder in die andere Richtung geht“, erklärte der Sportdirektor da. „Manchmal kann man es gar nicht genau erklären, dann gewinnt man plötzlich, obwohl man ganz schlecht gespielt hat, und es läuft wieder.“ Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht der Plan ist.

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