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Der Preis des Erfolgs

Hannover 96 geht die Luft aus


Bei Hannover 96 läuft es nicht mehr rund. Das 1:1 beim SC Freiburg war bereits das fünfte Spiel in Serie ohne Sieg in der Bundesliga. Die Verantwortlichen erkennen, dass die Europa League dem Team viel Kraft raubt. Sie sprechen ihre Unzufriedenheit aber auch deutlich an.
Nach dem 1:1 in Freiburg: Bei Hannover 96 läuft es momentan nicht rund.

Nach dem 1:1 in Freiburg: Bei Hannover 96 läuft es momentan nicht rund.

© Ulrich zur Nieden

Freiburg. Martin Kind versuchte, die Schwierigkeiten von Hannover 96 einfach wegzulächeln. „Krise? Nein!“, meinte der Clubchef nach dem 1:1 (1:0) beim SC Freiburg und amüsierte sich sichtlich über die kritischen Nachfragen zum enttäuschenden Spiel.

Von einer Krise zu sprechen, wäre vielleicht etwas übertrieben, aber zufrieden ist bei 96 auch niemand mehr mit der aktuellen Situation. In der Fußball-Bundesliga hat Hannover jetzt schon fünf Spiele in Serie nicht gewonnen, die Auswärtsbilanz ist mit fünf Punkten aus sieben Partien ebenfalls ziemlich kümmerlich. Auch das einst so geradlinige und überfallartige Spiel der Niedersachsen kommt zurzeit etwas holprig und verkrampft daher, so dass Kind nach einigem Zögern doch noch einräumte: „Die letzte Konzentration und die letzte Konsequenz ist im Moment nicht so zu erkennen bei uns. Wir zahlen einen gewissen Preis für unsere vielen Herausforderungen.“

Seine Mannschaft macht in diesen Wochen eine Erfahrung, die vielen Überraschungsteams vor ihr auch nicht erspart geblieben ist. Die Europa League, in der 96 vorzeitig die K.o.-Runde erreicht hat, kostet viel Kraft und Konzentration. Und selbst die innovativste Spielweise wie Hannovers berühmt-berüchtigte Zehn-Sekunden-Konter hat jeder Gegner irgendwann einmal durchschaut.

Es mag ein kleiner Trost für die „Roten“ sein, dass Clubs wie Mainz 05 (in dieser Saison) oder der 1. FC Nürnberg (als Pokalsieger 2007) von diesen Schattenseiten des Erfolgs noch wesentlich härter getroffen wurden. Aber die Ansprüche sind mittlerweile auch in Hannover so hoch, dass das 1:1 vom Samstag dort von allen - außer Kind - eher kritisch bewertet wurde.

„Wir haben heute unser 24. Spiel in dieser Saison gemacht. Das ist ein ziemlicher Ritt für eine Mannschaft, die in diesem Bereich noch relativ unerfahren ist. Aber wenn du oben reinrutschen willst, ist das zu wenig“, meinte Sportdirektor Jörg Schmadtke. Der frühere Torwart und Publikumsliebling des SC Freiburg fügte hinzu: „Ich erinnere schon nochmal daran, wo wir herkommen und wer wir sind. Aber ich bin natürlich nicht zufrieden mit unseren Auswärtsauftritten. Das Gesamtgefüge ist stabil bei uns. Wir würden es nur gerne etwas höher stehen sehen und hätten gerne vier, fünf Punkte mehr.“

Wie man vor allem auf fremden Plätzen wieder erfolgreicher wird, darüber sind sich die 96er nicht ganz einig. Routinier Altin Lala forderte schon vor dem Spiel in Freiburg, zur reinen Kontertaktik zurückzukehren. „Ich finde, wir müssen dahin zurück, was uns vergangene Saison stark gemacht hat“, sagte er der „Neuen Presse“.

Trainer Mirko Slomka setzt seit einigen Wochen verstärkt auf Ballbesitz und Spielkontrolle, was sich am Samstag auch etwa eine Stunde lang auszahlte. Hannover spielte erstmals in dieser Saison mit einer Mittelfeldraute und Jan Schlaudraff hinter den beiden Spitzen und ging durch ein Eigentor von Felix Bastians (44.) in Führung. Nach der Pause köpfte Papiss Demba Cissé (67.) aber noch den Ausgleich.

Eine andere Möglichkeit wären Transfers in der Winterpause, zumal die meisten Sommereinkäufe wie Artur Sobiech und Henning Hauger noch nicht wie gewünscht eingeschlagen haben. Dieser Strategie steht Kind jedoch eher skeptisch gegenüber. „Der Januar ist kein guter Monat, um sich zu verstärken“, sagte der Präsident diesmal ganz humorlos. 

dpa

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