Kurze Gesprächsrunde: Gammeleck-Spezialist Dirk Bremser, Michael Tarnat, Cheftrainer Dieter Hecking (von links).
Denn der westfälische Klub spielt – und das unterscheidet ihn von Hannover 96, dem heutigen Kontrahenten – um alles oder nichts: Ein Sieg muss wohl her, um zumindest den 16. Platz zu behaupten, der den Klassenerhalt über die Relegation ermöglichen würde. Jörg Berger, der extra für den finalen Abstiegskampf verpflichtete Trainer, hat am gestrigen Freitag von einem „Endspiel“ für die Arminia gesprochen. Seine Schlussfolgerung: „Deshalb sollten sich die Spieler darauf freuen.“
Wo bleibt da die Rolle für die „Roten“? Ist es die des Spielverderbers oder gar die des Scharfrichters, der das Urteil – Absturz in die 2. Liga – vollzieht? Indem sich 96 dazu aufrappelt, den Bielefeldern einen Kampf auf Biegen und Brechen zu liefern, würden die Hannoveraner auch ihr Gesicht gegenüber den anderen Abstiegskandidaten Energie Cottbus und Karlsruher SC wahren – und den Arminen wäre die Freude vergangen.
Zumindest hat 96-Trainer Dieter Hecking gestern erklärt, sich nicht den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung einhandeln zu wollen. Der war nach der 0:5-Klatsche gegen den VfL Wolfsburg aus München laut geworden – Hecking protestierte heftig. „Man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man in Wolfsburg selbst fünf Tore kassiert hat“, sagte er.
Trotzdem hat 96 einiges gutzumachen, nicht zuletzt den eigenen Fans gegenüber, bei denen nach der Pleite im Niedersachsenduell vor einer Woche der Frust immer noch groß ist. Immerhin 3000 Sympathisanten, das zumindest verheißt der Kartenvorverkauf, werden heute beim Saisonfinale in Bielefeld dabei sein. Heckings Mannschaft wäre gut beraten, ihnen mit einer ordentlichen spielerischen und kämpferischen Leistung – ungeachtet anhaltender Aufstellungssorgen – ein Versöhnungsangebot zu unterbreiten und den treuen Fans zum Saisonfinale doch noch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Alles andere würde das Grummeln der an 96 interessierten Öffentlichkeit verstärken, und das über den letzten Spieltag hinaus. Dass es in Bezug auf personelle Veränderungen im Kader bislang mehr Fragen als Antworten gibt, liefert Pessimisten zusätzliche Argumente.
Sicher ist zumindest eines: Hecking bekommt seinen Wunschverteidiger nicht; Alexander Madlung hat seinen Vetrag beim VfL Wolfsburg um vier Jahre verlängert. Ansonsten bestimmen Gerüchte die Schlagzeilen. Die spanische Sporttageszeitung „AS“ meldete Begehrlichkeiten von David Odonkor in Bezug auf die „Roten“. „Es gibt in Deutschland drei oder vier interessante Mannschaften. Wenn ich eine davon auswählen könnte, dann wäre es Hannover 96“, sagte der 25-Jährige, der bei Betis Sevilla nur Reservist ist. Es wird wohl beim Wunsch von Odonkor bleiben. „Er steht bei uns nicht auf der Liste“, sagte Klubchef Martin Kind; der enge finanzielle Rahmen für Transfers bei 96 und die Tatsache, dass Odonkor noch einen Vertrag bis 2011 besitzt, wären zudem ziemliche Hürden. Als vermeintlicher 96-Neuzugang wird auch der nigerianische Nationalspieler Obinna Nwaneri gehandelt, rechter Verteidiger des Schweizer Pokalsiegers FC Sion. Im Fall von Ivica Iliev, Mittelfeldspieler von Energie Cottbus, folgte seitens 96 ein klares Dementi. „Es gab keinerlei Gespräche“, sagte Hecking. Was unterm Strich auch bedeutet: Die eigentliche Arbeit bei der Personalsuche beginnt erst nach dem Bielefeld-Spiel.
Kommentare
lol lip – 23.05.09
"...Gammeleck-Spezialist Dirk Bremser..."danke an den redakteur! made my day :) Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Flach spielen, hoch verlieren Rotwurst – 23.05.09
"Bielefeld, da kann man verlieren. Wir haben uns anständig verkauft und bis zum 0:3 war es ein offener Schlagabtausch. Alles in in allem haben wir uns trotz des 1:5 anständig aus der Saison verabschiedet." So oder ähnlich wird das Fazit von Dieter H. klingen. Und alles wird in der nächsten Saison so weitergehen, nur viel schlimmer. "Macht kaputt, was euch kaputt macht." -- das war mal ein Spontispruch aus den 70ern. Dieser Verein ist auf dem besten Weg, Aufgebautes kaputt zu machen und damit auch die Zuneigung der Fans. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenNach Bielefeld... 88cui – 23.05.09
...gehts an Bad Nenndorf vorbei, da könnte man den Krankenpfleger doch aussteigen lassen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenMotzertreff Fabian – 23.05.09
Ihr habt doch bestimmt schon wieder eine Dauerkarte für die neue Saison gekauft. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldennächste saison ich – 23.05.09
evtl im vorgriff auf die kommende saison: bitte hoch verlieren (sollte kein problem sein), wenns gut läuft geht MG noch runter... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenLustreise nach Bielefeld Roter Mike – 22.05.09
Wenn Hannover 96 sich nicht dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung aussetzen möchte, sollte man ähnlich schwach wie in MG oder Cottbus auftreten und brav die Punkte abliefern. Außerdem hätte ein Verbleib Bielefelds in der Liga den Charme, dass man nach einen Auswärtsspiel schnell wieder daheim wäre und mehr Zeit für andere Aktivitäten hätte (Montags ist ja bekanntlich trainingsfrei und man hätte quasi einen Brückentag). Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenHannover kann.... luffy – 22.05.09
Falsch, bekanntlich kommt können von Können her. Und davon sind diese Stümper weit entfernt.... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben