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Zähe Braten

Hannover 96 lernt die Besonderheiten der Europa League kennen

Von Heiko Rehberg

Seit dem zähen 0:0 gegen Standard Lüttich am Donnerstagabend weiß Hannover 96, dass der Fußball in der Europa League seine eigenen Gesetze hat. In Poltawa soll es aber weitergehen mit dem Punktesammeln.
Diesmal keine Gala: Die Spieler von Hannover 96 nach dem 0:0 gegen Standard Lüttich.

Diesmal keine Gala: Die Spieler von Hannover 96 nach dem 0:0 gegen Standard Lüttich.

© dpa

Hannover. Noch am Abend stellte Jörg Schmadtke eine Europa-League-Rechnung auf. Der 1. Spieltag war vorbei, nach dem 0:0 von Hannover 96 gegen Standard Lüttich hatte der Sportdirektor der „Roten“ auch das Ergebnis von den anderen beiden Kontrahenten vorliegen (Kopenhagen besiegte Poltawa durch ein Elfmetertor eines Mannes mit dem schönen Namen Morten Nordstrand mit 1:0). „Das wird eine enge Gruppe“, sagte Schmadtke, „zehn Punkte werden wir zum Weiterkommen brauchen.“ Macht also noch neun Zähler, die fehlen.

Was 96 in der Europa League fehlt, das ist auch in anderer Hinsicht das große Thema. Es gab keine Pfiffe nach dem 0:0 gegen gut organisierte Biedermeier aus Belgien, dennoch war zu spüren, dass sich die gut 42 000 Fans im Stadion nach der doppelten Galavorstellung gegen den FC Sevilla den Gruppenauftakt einfacher vorgestellt hatten. Gerade zwei gute Torchancen hatte sich die Mannschaft herausgespielt und dabei einmal – beim Lattentreffer von Jan Schlaudraff kurz vor der Pause – Pech gehabt. Es war die Schlüsselszene, ein Treffer zu diesem Zeitpunkt hätte mit großer Sicherheit krampflösend gewirkt. So blieb das Anrennen in der 2. Halbzeit mühsam und selten zwingend, was bei Lüttichs Trainer José Riga sogar zu der recht gewagten Ansicht führte, dass „für uns mehr drin gewesen wäre“.

96 weiß nun seit Donnerstagabend, dass Fußball in der Europa League seine eigenen, nicht immer logischen Gesetze hat. Gegen Lüttich, eine Elf, die deutlich schwächer ist als Sevilla, hatten die Hannoveraner mehr Probleme als gegen die Spanier. Das klingt kurios, ist aber einfach zu erklären. 96 fehlten diesmal ein paar Prozent von dem Siegeswillen in den Play-off-Spielen. Wer noch fünf weitere Begegnungen besitzt, der riskiert beim Stand von 0:0 nicht alles. „Das ist auch ein Stück Reife“, sagte Schmadtke. Ob 96 möglicherweise gegen den falschen Gegner mit zu wenig zufrieden war, wird sich erst in ein paar Wochen zeigen. So ist „der erste Punkt für 96 in Europa“ (Trainer Mirko Slomka) eingefahren, die Basis ist gelegt, am 29. September in Poltawa geht es weiter mit dem Punktesammeln.

„Man sieht, dass wir uns derzeit alles schwer erarbeiten müssen“, sagte Schmadtke. Es ist im Grunde der Fluch der guten Tat. „In den vergangenen zwölf Monaten sah alles sehr leicht aus“, meinte der Sportdirektor, „jetzt wirft man uns mangelnde Leichtigkeit vor.“ Schmadtke spricht von einer „anderen Erwartungshaltung“. Das ist wie zu Hause in der Küche: Wer die Familie an sechs Tagen mit wundervollem Essen versorgt und am Sonntag dann mal eine Fertigpizza in den Ofen schiebt, der muss mit verhaltenem Gemurre rechnen. Noch ist das für 96 kein Problem, denn die Fans haben nicht vergessen, dass das hannoversche Fußballmenü zuletzt vielseitig und schmackhaft war. Jetzt wissen sie, dass es gerade in Europa zähe Braten gibt, die schwer im Magen liegen.

Quotenerfolg für Kabel 1: Immerhin 2,22 Millionen Fernsehzuschauer sahen das 96-Spiel gegen Lüttich (Marktanteil 8,7 Prozent). Noch mehr schauten später bei Schalkes Nullnummer in Bukarest zu: 3,24 Millionen TV-Fans waren für den Sender die beste Quote seit zehn Jahren.

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