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96 muss im Oktober Punkte sammeln

Aufholjagd der "Roten" 96 muss im Oktober Punkte sammeln

Ein Aufwärtstrend war beim 1:1 beim Vfl Wolfsburg abzulesen. Diesen Schwung will 96 für die kommenden Spiele mitnehmen. Beim „Dreierpack“ im Oktober muss Hannover 96 kräftig Punkte sammeln, sonst verliert die Mannschaft den Anschluss.

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Bei Werder hängt der Haussegen schief, 96 muss am kommenden Sonnabend also nicht befürchten, dass die Bremer mit einer breiten Brust anreisen.

Quelle: Frank Peters

Hannover. So böse hatte man Michael Frontzeck in der Öffentlichkeit noch nie erlebt. Nach dem Schlusspfiff beim 1:1 in Wolfsburg holte sich der Trainer von Hannover 96 seine Profis noch auf dem Platz zusammen. Spieler, Trainer und Betreuer bildeten noch einmal den Schulterschluss, Frontzeck, so viel war deutlich zu erkennen, wollte nach dem überraschenden Punktgewinn auf dem Rasen der Arena im kleinen Kreis eine Ansprache halten. Die hätte der Bezahlsender Sky seinen Zuschauern gern präsentiert, und so rückte der Mann mit der Kamera und dem Mikrofon immer näher an den 96-Kreis heran - und handelte sich einen deftigen Anschnauzer ein. „Ey, mach dich weg da“, schrie Frontzeck den Kameramann an, Salif Sané unterstrich den Wunsch nach einer geschlossenen Gesellschaft mit einem ordentlichen Strahl aus seiner Wasserflasche in Richtung des Störenfrieds.

Sie wollen unter sich sein und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Äußere Einflüsse sind lästig und stören da nur. Das gilt ganz besonders für die nächsten Tage, die der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga wieder einmal in Marienfeld verbringen wird. In der Abgeschiedenheit und Ruhe auf der ehemaligen Klosteranlage geht es für die „Roten“ darum, den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer funktionierenden Mannschaft zu machen. Sich einzuschwören auf die nächsten Aufgaben, die eine große Chance sind, verloren gegangenes Vertrauen wiederzuholen und den verpatzten Saisonstart zu korrigieren. Doch das funktioniert nur, wenn in den nächsten Wochen Leistung und vor allem die Ergebnisse stimmen.

Werder Bremen, der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt sind die nächsten Gegner. Drei Teams, für die bislang auch nicht alles nach Plan gelaufen ist und bei denen Unruhe herrscht. Gegner, gegen die 96 punkten muss. Drei Spiele, für die es heißen muss: Jetzt gilt’s aber!

Ein Blick auf die Tabelle und den bisherigen Saisonverlauf macht deutlich, in was für einer entscheidenden Phase die „Roten“ jetzt sind. Um den Anschluss nicht zu verlieren, braucht das Team aus Hannover dringend Siege. Der Abstand zu Mannschaften wie 1899 Hoffenheim, Werder Bremen, den VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt und den FC Augsburg, die - nach ihren bisherigen Leistungen zu urteilen - wohl wie 96 eine Zittersaison vor sich haben, muss im Oktober kleiner werden. Beim „Dreierpack“ im Oktober, unterbrochen durch eine Länderspielpause, müssen „Dreier“ her.

Stuttgart und Augs burg haben die „Roten“ schon unfreiwillig geholfen, beide Teams feierten gegen 96 ihren ersten und bisher einzigen Saisonsieg. Großzügigkeiten, die sich die „Roten“ gegen andere potenzielle Abstiegskandidaten nicht leisten dürfen.

So wichtig das Unentschieden in Wolfsburg für die Moral war, auch der 7. Spieltag bot für 96 nicht nur erfreuliche Ergebnisse. Borussia Mönchengladbach und 1899 Hoffenheim schicken sich an, nach oben zu klettern. Und die Neulinge TSV Ingolstadt und Darmstadt 98, eigentlich fest gebucht für die beiden Abstiegsplätze, punkteten erneut auch auswärts. Darmstadt ist acht Punkte besser als 96 - deutlicher lässt sich der hannoversche Nachholbedarf an Punkten nicht illustrieren.

Sonnabend, 15.30 Uhr

Sätze wie die von Viktor Skripnik dürften den Fußballfans in Hannover bekannt vorkommen. Nach dem 0:3 gegen Bayer Leverkusen, bereits der dritten Heimniederlage in der jungen Saison, sagte der Werder-Trainer: „Wenn wir so weitermachen, geht es gegen den Abstieg.“ Nach einem guten Saisonstart sind in Bremen alle in der Wirklichkeit angekommen, Skripnik sagte noch den ebenfalls sehr bezeichnenden Satz: „Zum Glück haben wir schon sieben Punkte.“ Der Trainer berief nach der katastrophalen Vorstellung eine Krisensitzung ein, Geschäftsführer Thomas Eichin („Kein Herz und kein Wille“) bestellte die Spieler umgehend zum Rapport. Bei Werder hängt der Haussegen schief, 96 muss am kommenden Sonnabend also nicht befürchten, dass die Bremer mit einer breiten Brust anreisen. Das macht das Heimspiel allerdings umso wichtiger. Denn die Bremer sind angeschlagen, und wenn nicht alles täuscht, werden sie erneut vor einer schweren Saison stehen. Niederlagen gegen solche Gegner wiegen doppelt schwer und kann sich Hannover 96 nicht leisten. Denn anders als die „Roten“ haben die Grün-Weißen schon zwei Siege auf ihrem Konto.

18. Oktober, 15.30 Uhr

Es gibt Dinge, die gehören einfach zu einem Club wie das Vereinswappen. Beim 1. FC Köln ist es die überzogene Erwartungshaltung des Umfelds, das nach dem besten Saisonstart des FC seit 26 Jahren mit Platz 7 und elf Punkten nicht mehr zufrieden ist mit einem Remis gegen Ingolstadt. Geduld ist nicht die Stärke der Kölner Fans, die, wenn es um den FC geht, ein bisschen zur Selbstüberschätzung neigen. Die hausgemachte Nörgelei geht auch Peter Stöger gegen den Strich. „Bei uns ist zu viel Skepsis im Umfeld“, sagte der FC-Trainer dem „kicker“. Grund gibt es dafür nicht. Mit dem früheren 96-Manager Jörg Schmadtke hat Stöger ein Team aufgebaut, das sich im zweiten Jahr nach dem Aufstieg gefestigt und verstärkt hat. Probleme haben die Kölner genau wie 96, wenn sie selbst die Initiative ergreifen müssen. Wenn dann noch etwas Überheblichkeit hinzukommt, stehen die Chancen für 96 beim Auswärtsspiel am 18. Oktober nicht schlecht.

24. Oktober, 15.30 Uhr

Die Hessen kommen am 24. Oktober in die HDI-Arena. Vor der Saison hätten die meisten Experten darauf gewettet, dass Frankfurt und Hannover irgendwo im Tabellenmittelfeld dicht beieinander liegen werden. Nach sieben Spieltagen steht die Eintracht auf dem 11. Platz dort, wo 96 gern stehen würde – mit sieben Punkte mehr als die „Roten“. Doch so richtig glücklich sind sie in Frankfurt nicht, immer wenn die Mannschaft einen Schritt nach vorne machen konnte, schwächelt sie. Genau wie bei 96 fast alles an Hiroshi Kiyotake hängt, sind die Hessen abhängig von Torjäger Alexander Meier (Bild, r., mit 96-Profi Marcelo). Und wie 96 hat die Eintracht hinten links ein Problem: „Ich kann aufstellen, wen ich will. Da ist keiner, der die Position so ausfüllt, wie ich mir das vorstelle“, sagt Trainer Armin Veh. Auch Miiko Albornoz füllt die Position in Hannover derzeit nicht gut aus. Anders als Veh beklagt sich Michael Frontzeck aber nicht.

Von Heiko Rehberg und Christian Purbs

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