Nyon/Hannover. Belgien ist das Schicksalsland für Hannover 96 in der aktuellen Europapapokalsaison. Am Freitag wurde dem Fußball-Bundesligisten am Sitz der UEFA im schweizerischen Nyon der FC Brügge in Belgien als Gegner für das Sechzehntelfinale zugelost. Zuerst kommt das Team aus Westflandern mit seinem deutschen Trainer Christoph Daum am 16. Februar 2011 zum Spiel in Hannovers AWD-Arena (Anpfiff um 21.05 Uhr), am 23. Februar muss 96 zum Rückspiel beim „Club Brugge Koniglijke Voetballvereiniging“ im Jan Breydelstadion auflaufen (Anpfiff um 19 Uhr).
Sollte 96 sich in der Addition beider Partien durchsetzen, könnten die „Roten“ im Achtelfinale gleich noch einmal auf einen belgischen Vertreter treffen, den man schon kennt: Standard Lüttich – wenn der sich, was nicht unwahrscheinlich ist, gegen seinen Sechzehntelfinalgegner Wisla Krakau durchsetzt. Standard Lüttich war schon in der Gruppenphase 96-Gegner. Das Heimspiel endete 0:0, das Rückspiel ging 2:0 für Standard aus und war von Fanrandale und einem kompromisslosen Einsatz der örtlichen Polizei überschattet.
Die Auslosung der Begegnungen war von Tausenden 96-Fans mit Spannung erwartet worden und wurde von vielen live beim Sender Eurosport verfolgt. Die Hoffnung, 96 könnte Gelegenheit erhalten, im legendären Stadion „Old Trafford“ gegen den dort beheimateten Spitzenklub Manchester United auflaufen, zerschlug sich indes schnell. Nachdem in der ersten Paarung von UEFA-Direktor Gianni Infantino und dem Botschafter des Endspielortes Bukarest, Miodrag Belodedici, gleich Manchester City dem FC Porto zugelost wurde, fischten die Offiziellen United für Ajax Amsterdam aus den Lostöpfen. Weitere attraktive Gegner fielen danach aus der Lotterie: Athletic Bilbao, FC Valencia, Olympiakos Piräus, Atlético Madrid, Besiktas Istanbul. Als schließlich 96 als 15. von 16 Teams aus Lostopf 1 aufgerufen wurde, war neben den Belgiern nur noch Sporting Lissabon eine Option – aber es wurde eben Brügge.
Im Sinne der Attraktivität kein Wunschgegner – auch wenn anderslautende Stimmen bei den „Roten“ zu hören waren. Aber immerhin, der aktuelle Tabellenzweite der 1. belgischen Liga hat fußballerisch nicht das Format der Schwergewichte aus Manchester. Eine machbare Aufgabe? Noch vor einem Jahr hätte 96 im Vergleich etwa mit dem FC Sevilla oder dem FC Kopenhagen immer als Außenseiter gegolten, doch gegen beide konnte sich das Team behaupten.
Nun freut sich 96-Trainer Mirko Slomka auf das Treffen mit dem Kollegen Daum, den er zwar von DFB-Tagungen kennt und schätzt, der aber noch nie als Trainer eines Gegners mit ihm an der gleichen Seitenlinie stand. „Wenn man seine Ergebnisse sieht in den letzten Wochen: vier Siege in der Liga und in der Europa-League-Gruppenphase gegen Maribor nach einem 0:3-Rückstand in der 75. Minute noch das Spiel zum 4:3 gedreht: Die Moral der Truppe passt“, sagte Slomka. Er hält Brügge für ein gutes Los, „wir bewegen uns da durchaus auf Augenhöhe“. Man könne im Heimspiel die Basis für einen Erfolg legen, wenn die 96-Fans ihr Team wie im Sommer gegen den FC Sevilla unterstützten.
Dass indes auch das Rückspiel in Brügge so wie jüngst in Kopenhagen von 10.000 Hannoveranern zum Quasi-Heimspiel gemacht wird, darf bezweifelt werden: Nach den Erfahrungen aus Lüttich wird es wohl keinen freien Ticketverkauf wie in Dänemark geben, sondern nur das übliche fünfprozentige Gästekontingent von höchstens 1500 Tickets verfügbar sein. Ob diese wie bisher in Reisepaketen angeboten werden, prüft 96 derzeit. Die Heimspieltickets gibt’s für Dauerkartenbesitzer exklusiv vom 9. bis 18. Januar 2012, für 96-Mitglieder vom 19. bis 28. Januar und für jedermann, falls noch Karten da sind, am 30. Januar. Der Verkaufsstart für die Rückspieltickets (eventuell Reisekomplettpakete) ist noch offen.
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