Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Und zusammen für „Hannoooover“?!

Fans Und zusammen für „Hannoooover“?!

Die Fans sorgen bei den Spielen von Hannover 96 wieder für tolle Stimmung. Seit dem großen Ärger im vergangenen Jahr hat sich das Klima zwischen dem Verein und den Anhängern weiter entspannt. Nun kommt auch noch der Fanbeirat. Bis die neuen Stehplätze fertig sind, dauert es allerdings noch etwas.

Voriger Artikel
Sané wohl einsatzbereit für Leverkusen-Spiel
Nächster Artikel
96 spielt zugunsten der Robert-Enke-Stiftung

Eine stimmungsvolle HDI-Arena: So war es beim bislang letzten Heimspiel gegen Freiburg am 23. Mai - und so soll es diese Saison 17-mal werden. Foto: Surrey

Hannover. Dass die Fans von Hannover 96 auch in der neuen Saison für erstklassige Stimmung sorgen können, haben sie schon zweimal bewiesen. 4000 Anhänger der „Roten“ unterstützten die Mannschaft während des Pokalspiels bei Hessen Kassel (2:0), und auch beim Bundesligaauftakt von 96 bei Darmstadt 98 (2:2) war der Gästeblock im Stadion am Böllenfalltor mit 2200 Fans aus Hannover ausverkauft. „Bei beiden Auswärtsspielen ist es so entspannt verlaufen, wie wir das gehofft haben. Die Stimmung war durchweg positiv, alles komplett friedlich“, sagt der 96-Fanbeauftragte Johannes Seidel.

Stimmungsvoll und friedlich, so soll die Atmosphäre auch morgen in der Arena beim ersten Heimspiel der Saison gegen Bayer Leverkusen sein (Anstoß ist um 15.30 Uhr); dass es laut 96-Stadionchef Thorsten Meier vermutlich nur rund 40 000 Zuschauer werden, ist in dieser Hinsicht kein Widerspruch. Wie schon in den drei letzten Heimspielen der vergangenen Saison werden die sogenannten Ultras und andere Gruppierungen der aktiven Fanszene auch gegen Leverkusen wieder dabei sein und im Norden des Stadions das Team von Trainer Michael Frontzeck anfeuern. „In den Heimspielen im Mai war die Stimmung enthusiastisch und hat die Mannschaft getragen“, sagt Frontzeck, „das wünsche ich mir wieder.“

Eine besondere Choreografie zum ersten Saisonspiel sei nicht geplant, sagt Seidel, bei den Spruchbändern und Bannern setze der Club weiter auf die Vernunft und „Selbstregulierung“ der Fans. „Kritik ist erlaubt, sie darf aber nicht beleidigend sein. Wir gehen davon aus, dass sich die Leute daran halten.“

Das Klima hat sich entspannt

Auch Clubchef Martin Kind hat keine Bedenken und ist überzeugt, dass es weder Pyrotechnik noch provozierende Banner geben wird. „Die Fans wissen, dass das für uns wichtige Themen sind“, sagt Kind, „Pyros“ habe es bereits in der vergangenen Saison nicht gegeben.

Seidel ist davon überzeugt, dass sich das Klima zwischen Fans und Club in den vergangenen Wochen weiter entspannt hat. Damit es nicht noch einmal wie in der vergangenen Spielzeit zu einem Fan-Boykott kommt, hatten beide Seiten beim Neustart Ende April vereinbart, auch nach dem Saisonende weiter aufeinander zuzugehen und den Dialog fortzusetzen. „Man sieht an vielen kleinen Aktionen, Diskussionen und Projekten, dass die Zusammenarbeit viel besser läuft als in der vergangenen Saison, als man mehr gegeneinander gearbeitet hat“, sagt Seidels Kollege Torsten Koar.

Viel versprechen sich alle bei 96 von einem Fanbeirat. Der Vorschlag von der Jahreshauptversammlung Mitte April soll in den nächsten Wochen umgesetzt werden und wurde auch bei der Informationsveranstaltung des Fußball-Bundesligisten Ende Juli thematisiert. „Alle Parteien haben das Ziel, dass die Faninteressen angemessen im Verein repräsentiert werden. Das ist eine Win-win-Situation“, sagt Seidel.

Der Fanbeirat kommt

Andreas Hüttl, der im April den Fanbeteiligungs- und Unterstützungsverein 96 gegründet und die Idee mit dem Fanbeirat hatte, ist ebenfalls zuversichtlich. „Dieses Gremium ist verbindlich zugesagt, und ich habe den Eindruck, dass es auch Ernst genommen wird“, sagt Hüttl. Vermutlich noch vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 12. September wird der Fanbeirat konkret: Kandidaten sollen sich bewerben und ihre Ideen vorstellen können, danach soll es eine vom Fanprojekt organisierte und überwachte Wahl geben. Nach HAZ-Informationen sollen dem Fanbeirat 10 Mitglieder angehören - sieben Personen aus dem Umfeld der Fans und drei vom Verein. „Der Fanbeirat soll bei allem eingebunden werden, was für die Anhänger wichtig ist“, sagt Hüttl, „er soll aber nicht mitentscheiden, welcher Spieler oder Manager geholt wird.“

Bis zum Heimspiel gegen Dortmund soll auch der eigentlich für das morgige Spiel gegen Leverkusen geplante Umbau der unteren sieben Sitzplatzreihen der Blöcke N 16 und N 17 im Oberrang der Nordkurve von Sitz- in Stehplätze fertig sein. Bislang fehlt die entsprechende Baugenehmigung für das Projekt, das ein Entgegenkommen an die Fans ist und durch das etwa 200 neue Plätze in der Arena entstehen sollen. „Wir wären da schon gern weiter gewesen“, sagt Kind, „aber es ist komplizierter als gedacht.“ Für Länder- oder Europacupspiele muss es möglich sein, die Steh- wieder in Sitzplätze umzuwandeln.

Von Christian Purbs 
und Heiko Rehberg

96 und die Fans: Chronik einer Annäherung

Ein langer und schwieriger Weg: Kaum Stimmung, „Kind-muss-weg“-Rufe von einer Fan-Minderheit, Pfiffe von vielen für die Rufer, Ultras, die lieber die Regionalligaelf anfeuerten. Heimspiele von Hannover 96 fühlten sich in der Saison 2014/2015 wie Auswärtsspiele an. Doch kurz vor Saisonende und noch gerade rechtzeitig für den Klassenerhalt schlossen Verein und aktive Fanszene Frieden – Chronik einer Annäherung:

Februar 2015: Sportdirektor Dirk Dufner appelliert vor dem Heimspiel gegen Stuttgart an die Fans, doch die Wiederbelebungsmaßnahmen bei der Stimmung misslingen.

5. März 2015: Mit einem offenen Brief wendet sich die Clubführung von 96 an die Anhänger. „Wir als Club hätten uns eher zu Wort melden müssen. So geht es nicht weiter“, heißt es selbstkritisch. Doch der Brief, der mit einem „Wir haben verstanden“ beginnt, kommt bei vielen nicht gut an. Besonders die Formulierung, „dass sich neue Gruppen finden werden, die andere Fans in der HDI Arena mitreißen“, empfinden die Ultras als Ausgrenzung. Andere werten den Brief als ersten Schritt.

12. März 2015: Noch ein Schreiben der „Roten“ an die Fans als Reaktion auf den ersten Brief: Es gehe dem Verein „auf keinen Fall darum, bestehende Fangruppen oder Fans auszuschließen“, heißt es in der Mitteilung, die von der 96-Fanbetreuung unterzeichnet ist. Die Botschaft: „Es zählt jeder Fan.“ Mit Torsten Koar präsentiert der Club einen zweiten hauptamtlichen Fanbeauftragten.

20. April 2015: 96 und die Fans schließen Frieden. „Beiden Seiten ist bewusst, dass sie Fehler gemacht haben“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Die aktive Fanszene kehrt gegen Hoffenheim ins Stadion zurück. 96 entschuldigt sich öffentlich für Fehler. In der Nordkurve herrscht wieder freie Platzwahl, Spruchbänder werden nicht mehr zensiert.

23. Mai 2015: Im letzten Saisonspiel gegen Freiburg herrscht eine Stimmung wie zu besten Europa-League-Zeiten. Die Profis bedanken sich nach dem geschafften Klassenerhalt bei den Fans.

hr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hannover 96
Einzelkritik: 96 gegen Heidenheim

Hannover 96 gegen 1. FC Heidenheim: So waren die Spieler der "Roten" in Form.

Anzeige
Die HAZ-Sportexperten schreiben gemeinsam den RotenBlog
27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

mehr