Hannover. So schnell geht das manchmal im Fußball. In Hannover werden alle diese alte Weisheit mit der Bemerkung „Zum Glück“ garnieren. Hätte ein gewisser Papiss Cisse aus Freiburg vor zehn Tagen aus drei Metern ins leere hannoversche Tor getroffen, 96-Fans würden die Zweitligatabelle studieren und schon mal schauen, wie man auf dem besten Weg nach Paderborn kommt. Cisse traf nicht, aber Hannover 96 traf zweimal gegen Freiburg (2:1) und zweimal gegen Frankfurt (2:1), und schon sieht die Welt im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga nicht nur rosiger für die „Roten“ aus, sondern ganz anders als vor wenigen Wochen.
Von Hertha BSC darf man sich verabschieden, die Berliner sind nach der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg nicht mehr zu retten angesichts von erbärmlichen 15 Punkten aus 26 Spielen. Das verschafft im Abstiegskampf etwas Übersicht und eine Konstellation, die vor allem für Hannover 96 neue Türen öffnet. Sah es zunächst danach aus, als würden sich 96 und Nürnberg um die Plätze 15 (Rettung) und 16 (Relegation) streiten, darf in Hannover vor dem 27. Spieltag wieder nach oben geschaut werden. Man möchte es nicht zu laut ausrufen, weil man sonst möglicherweise schnell als größenwahnsinnig eingestuft wird nach zwei Siegen in Folge. Aber die Tabelle lügt nicht, und sie sagt: Platz 14 – derzeit belegt vom VfL Bochum – und Platz 13 (1. FC Köln) sind wieder in Sichtweite. 23 Punkte hat 96, 27 Punkte haben Bochum und Köln, gegen beide spielen die Hannoveraner noch; am 27. März in der AWD-Arena gegen Köln, am 8. Mai, dem letzten Spieltag, in Bochum. Wenn das keine glänzenden Aussichten sind für 96!
Aus dem Abstiegskampf ist ein Fünfkampf geworden, selbst Borussia Mönchengladbach (30 Punkte) und 1899 Hoffenheim (32 Punkte) müssen auf einmal befürchten, dass sie noch in Abstiegsgefahr geraten – dann wäre es sogar ein Siebenkampf. Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick sagt: „Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben – aber ich kann nicht so tun, als ob es die Tabelle nicht geben würde.“
Ein Blick auf die hannoverschen Konkurrenten in der Abstiegszone:
1. FC Köln: Nach sechs Spielen ohne Sieg in Folge und dem blamablen Auftritt bei Mainz 05 (0:1) muss der ohnehin umstrittene Trainer Zvonimir Soldo um seinen Job bangen. Ausgerechnet in dieser Situation kommt der rheinische Nachbar Borussia Mönchengladbach. „Wenn wir so weiterspielen, dann wird es für uns im Abstiegskampf noch einmal ganz eng“, sagt Nationalspieler Lukas Podolski, der ein Teil des Problems ist. Der Klub hat viel Geld gebunden, um Podolski „nach Hause“ zu holen, doch nicht einmal ansatzweise wurde er bislang dem Anspruch als Führungsspieler gerecht. Soldo kündigte für diese Woche an: „Wir werden intensiv reden.“ Nicht nur mit und über Podolski.
VfL Bochum: Am 24. Spieltag hatten die Bochumer zehn Punkte mehr als Hannover 96 auf dem Konto, neun mehr als Nürnberg. Nach zwei 1:4-Pleiten gegen Wolfsburg und Dortmund hat der VfL nun 96 und Nürnberg im Nacken, Sonnabend bei Werder Bremen könnte es die nächste Pleite geben. Sport-Vorstand Thomas Ernst ist bemüht, die Ruhe zu bewahren: „Uns war klar, dass wir wach bleiben müssen. Und mit diesem Tabellenbild kapiert es schließlich jeder.“
1. FC Nürnberg: Jetzt gewinnen die Franken sogar Spiele, in denen sie in Rückstand geraten sind. 16 Monate lang war ein gegnerischer Führungstreffer die Garantie, dass Nürnberg ein Spiel nicht gewinnt. Bei Hertha BSC geriet die Elf mit 0:1 ins Hintertreffen, schaffte aber durch zwei Tore nach der Pause die Wende. Und vier Partien in Folge ohne Niederlage hat es in dieser Saison für den „Club“ auch noch nicht gegeben. Keine Frage: Dieter Hecking, Anfang der Saison noch Trainer bei 96, leistet in Nürnberg gute Arbeit. Hecking hat aus der Zeit in Hannover die richtigen Lehren gezogen und das Trainingsprogramm umgestaltet. Das steht ihm gut – und seinem neuen Klub. Vorsichtig bleibt er dennoch: „Wir haben noch nicht viel erreicht und können uns nicht zurücklehnen.“
SC Freiburg: Bis zur 76. Minute sah es nach einer Sensation aus. Die Freiburger führten mit 1:0 bei Bayern München, dann traf Arjen Robben zweimal, und Saisonniederlage Nummer 16 war perfekt. Dabei kann man Trainer Robin Dutt gar nicht widersprechen, wenn er sagt: „So wie wir aufgetreten sind, spielt kein Absteiger.“ Das Freiburger Problem ist: Einer patzt immer, und 19 Gegentore nach Standardsituationen sind ein Katastrophenwert. Sonnabend gegen Mainz dürfte Freiburgs letzte Chance sein. Erstes Ziel ist dabei: Ecken und Freistöße der Mainzer verhindern. Sonst droht Unheil.
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Kommentare
In Stuttgart gewinnen Peter Silie – 16.03.10
Auch wenn es vielleicht vermessen klingt, aber wir müssen in Stuttgart auf Sieg spielen. Von den Brocken, die vor uns liegen, ist max. noch ein Sieg in Hamburg drin (gegen die sehen wir eigentlich immer gut aus, mit Ausnahme beim glücklichen 2:2 im Hinspiel).Stuttgarts Siegesserie wurde letztes Wochenende endlich beendet, so dass sie mit nicht mehr ganz so selbstbewusst in das Spiel gehen werden.
96 hingegen kann den Schwung aus den letzten Spielen mitnehmen.
Ich hoff es finden sich wieder einige Rote, die mit nach Stuttgart kommen um die Jungs zu unterstützen.
Auf ein Endspiel gegen Bochum will ich lieber nicht setzen, die sind zwar von der Mannschaft schlechter besetzt, aber die werden Kämpfen bis zur letzten Sekunde.
Rechenspiele Penkman – 16.03.10
Im Abstiegskampf hilft Rechnen gar nichts. Es ist super, dass Bochum und Köln näher kommen, aber dafür kann man sich nichts kaufen. Allerdings ist es eine Binsenweisheit, dass die Favoriten gegen Ende der Saison oft schwanken. Wichtig für die Roten ist jetzt ein gutes Auftreten bei Stuggi und ein Dreier gegen Köln. Idealerweise vier Punkte aus den beiden Spielen. Wenn das erreicht ist, kann man wieder den Rechenschieber und den Psychologen befragen ... aber am Ende steigt ab, wer nicht genug Punkte hat. Am 34. Spieltag.31 Punkte sk-lation – 16.03.10
Leider reichen meiner bescheidenen Meinung nach erst 31 Punkte für Platz 16 (Relegation) oder besser. Bedeutet: 2 Siege, 2 Unentschieden aus den letzten 8 Spielen. 2 Heimsiege gegen Köln und M'Gladbach, Unentschieden beim VfB und zu Hause gegen S04, dann das Finale in Bochum, bei dem man dann erst wissen wird, wie sich Bochums Punktestand entwickelt hat...Wird eng, ich bin aber zuversichtlich...
Plötzlich sind es fünf Bede – 16.03.10
Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell im Umfeld von 96 die Stimmung kippt, und allen voran bei den Medien. War vor 10 Tagen noch alles hoffnungslos und grottenschlecht, so versteigt sich jetzt Herr Purbs angesichts des Restprogramms der fünf für ihn betroffenen Abstiegskandidaten zu der Aussage: "Wenn das keine glänzenden Aussichten sind für 96!"Wie erklärt sich für diesen Mann der abrupte Meinungsumschwung? Woher nimmt er plötzlich den Optimismus angesichts des mit Abstand schwierigsten Restprogramms für 96? Als einzige Mannschaft unter den o.g. Kandidaten hat man 5 Auswärts- und nur 3 Heimspiele.
Nürnberg und Freiburg dagegen 5 Heim- und 3 Auswärtsspiele (wobei dies für Freiburg keinen Vorteil bedeuten muss). Zudem hat 96 mit Stuttgart, Bayern, HSV, Schalke und Leverkusen 5 Kracher vor der Brust. Und Bochum am letzten Spieltag auswärts dürfte mitnichten ein Selbstgänger werden.
Wer da von glänzenden Aussichten spricht, hat wohl jeglichen Sinn für die Realität verloren. Es sei denn, 29 Punkte reichen in diesem Jahr, um zumindest die Relegation zu erreichen.
Und da kann man nur hoffen, dass Freiburg diese 9 Punkte nicht mehr holt.
(Fan)tastisch; aber durch die rosarote Brille analysiert... Boris – 16.03.10
Restprogramm von HSV96:(A) VfB Stuttgart - TIPP: 0;
(H) 1. FC Köln - TIPP: 2;
(A) Hamburger SV - TIPP: 0;
(H) Schalke 04 - TIPP: 0;
(A) Bayern München - TIPP: 0;
(A) Bayer Leverkusen - TIPP: 0;
(H) B. Mönchengladbach - TIPP: 2;
(A) VfL Bochum - TIPP: ?
Bei realistischer Betrachtung des Resprogramms muss man davon ausgehen, dass es 96 nicht aus eigener Kraft einen Nicht-Abstiegsplatz erreichen kann/wird. Meiner subjektiven Einschätzung nach werden die letzten beiden Spiele gg. M'gladbach und Bochum Endspiele um die Relegationsteilnahme. Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen. Klar ist: will 96 auch 2011 sicher erstklassig sein, so müssen *dringenst* Punkte gg. eine "große" Mannschaft (oder besser: Mannschaften) her.
Trikot Red – 16.03.10
rot schwarz weiss - wie in besten zeiten!warum nicht Moi – 15.03.10
Die Verkrampfung endlich gewinnen zu müssen ist endlich weg. Ich glaube, sie gerade wieder auf den Geschmack gekommen wie sich Siege anfühlen.Die Stimmung im Stadion war wieder großartig. Da geht noch was!
Ich freue mich schon auf's Bochum Spiel.
Zitat Schulz:
"Unten auf dem Platz und oben auf der Tribüne, das war mal wieder eine echte Einheit, da macht es auch gleich viel mehr Spaß. Da sieht man, wozu das Stadion und das ganze Umfeld hier in Hannover in der Lage sind."
@ losse ;-) – 15.03.10
Sag mal, ist es schon so weit ?Sprichst du mit dir selbst ?
Positive Realisten! losse – 15.03.10
Das Glas ist immer noch halb voll - auch wenn die Bedenkenträger, es hier schon vor Wochen längst ausgeschüttet hatten.So ist es! losse – 15.03.10
Genau der richtige Blickwinkel!