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„Ein Spieler wie ich hätte bestimmt gutgetan“

Pinto-Interview „Ein Spieler wie ich hätte bestimmt gutgetan“

Der frühere 96-Profi Sergio da Silva Pinto spricht im Interview über Gründe für den Abstieg, die damalige Trennung und seine Zukunft

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Sergio Pinto

Quelle: Ulrich zur Nieden

Herr da Silva Pinto, mal Hand aufs Herz: Hannover 96 spielt nächste Saison in der 2. Liga. Hat Sie der Abstieg überrascht?

Mich haben die Transfers im Winter aus der Ferne überrascht. Der Verein hat verpasst, einen erfahrenen Innenverteidiger zu holen.

Hätte ein Sergio da Silva Pinto der Mannschaft helfen können?

Eine Beurteilung steht mir nicht zu. Ich weiß nicht, was los war. Ich möchte nicht arrogant klingen, aber ein Spieler wie ich hätte bestimmt gutgetan. Wenn das auch nicht diese Saison war, eines muss ich loswerden: Unsere Mannschaft hätte die Derbys gegen Braunschweig gewonnen. Wir wären nicht so harmlos gewesen.

Sie haben jetzt Ihre Karriere bei Fortuna Düsseldorf beendet, da blickt man ja ganz gern zurück: Wissen Sie noch, wie Sie 2007 vom damaligen Absteiger Alemannia Aachen nach Hannover gekommen sind?

Mein Vertrag lief aus. Es gab ein Angebot von Aachen. Dieter Hecking wechselte während der Saison von Aachen nach Hannover und hat mich gefragt, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte. Ich bin dann nach Hannover gefahren, habe mir alles angeschaut und entschieden, diesen nächsten Schritt zu machen.

Hatten Sie ein gutes Verhältnis zu Hecking?

Ja, wir hatten eigentlich immer ein gutes Verhältnis. In Hannover hat sich das dann geändert.

Inwiefern?

Das Verhältnis war dann nicht mehr wie vorher. Okay, ich habe mit den zwei Roten Karten aber auch Mist gebaut.

In Ihrer ersten Saison wurden Sie am 18. Spieltag beim 1:1 in Hamburg und zehn Spieltage später im Heimspiel gegen Frankfurt (2:1, mit Tor von da Silva Pinto, d. Red.) mit Rot vom Platz gestellt. Sind Ihnen da Sicherungen durchgegangen?

Bei der ersten Situation wäre ich allein aufs Tor zugelaufen, wenn mich Nigel de Jong nicht gefoult hätte. Und dann hieß es, ich hätte ihn in den Unterleib getreten. Bei aller Liebe, so war das nicht. Und bei der zweiten Szene ist mir Faton Toski auf die Achillessehne getreten. Ich habe mich auf dem Platz zu wehren gewusst, aber niemals jemanden mit voller Wucht oder aus Frust weggetreten. Ich habe hart gespielt, aber auch sehr viel abbekommen.

Nach den beiden Platzverweisen wurde es in Hannover eng für Sie.

Ich habe damals deutlich zu Dieter Hecking gesagt, dass ich nachvollziehen kann, wenn mich der Verein nicht mehr halten will. Wenn 96 mich aber behält, werde ich mich durchsetzen. Und so kam es dann ja auch.

Im Januar 2010 übernahm Mirko Slomka das Traineramt bei Hannover 96, Sie durften zum ersten Mal im defensiven, zentralen Mittelfeld spielen.

Die ersten Spiele habe ich noch auf der rechten Seite gemacht. Dann saß ich draußen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, im Training habe ich mit den Assistenten Norbert Düwel und Nestor El Maestro immer gescherzt und gesagt: „Wenn ihr Erfolg haben wollt, dann müsst ihr mich auf die Sechs stellen. Ich bin der portugiesische Fernando Redondo.“

Wie würden Sie Ihre Art beschreiben?

Ich war nie der Lautsprecher. Auch nicht in der Kabine. Ich habe nur etwas gesagt, wenn ich gemerkt habe, dass es an der Zeit ist, etwas zu sagen. Ich war nicht derjenige, der die Jungs immer heiß gemacht hat. Ich war vor den Spielen selten nervös. Aber wenn der Schiri angepfiffen hat, begann die Arbeit. Ich habe meine Ärmel hochgekrempelt und alles dafür getan, um das Spiel zu gewinnen.

Nach der Rettung 2010 in Bochum galt 96 in der nächsten Saison als der Abstiegskandidat Nummer 1.

Ja, erst recht nach dem Pokalaus in Elversberg.

Es kam ganz anders: Es wurde eine traumhafte Saison, 96 wurde Vierter und hatte sich für die Europa League qualifiziert. Wie überraschend kam das für Sie?

In der Vorbereitung waren wir gut drauf. Dann kam Elversberg. Auf der Rückfahrt war die Stimmung im Bus am Boden. Dann haben wir 2:1 gegen Frankfurt gewonnen. Meine zweite Tochter kam in der Woche vor dem Spiel zur Welt. Die Nacht vor der Partie habe ich bei meiner Frau und meiner Tochter im Krankenhaus verbracht und kaum geschlafen. Nach dem Abpfiff konnte ich mich kaum noch bewegen, so müde war ich. Eine Woche später haben wir auch das nächste Spiel auf Schalke gewonnen.

Und noch ein paar mehr. Was waren die Gründe für den Aufschwung?

Die Stimmung in der Mannschaft war sehr gut, und wir haben auch gute Spieler dazubekommen. Mit Emanuel Pogatetz etwa haben wir einen Innenverteidiger geholt, der vielleicht spielerisch nicht überragend war, aber eine enorme Präsenz gezeigt hat. Mit seiner Ausstrahlung hat er seine Nebenmänner gepusht. Auch waren wir in der Kabine immer ehrlich zueinander. Es hat auch mal geknallt, aber es ging immer weiter. Und dazu kam unsere 10-Sekunden-Taktik, die es in Deutschland bis dahin nicht gab. Wir haben immer und immer trainiert, dass wir in spätestens zehn Sekunden den Torabschluss suchen. Die Saison war eine Belohnung für unser hartes Training.

Als Gegner in den Play-offs zur Europa League gab es für 96 ausgerechnet den großen Favoriten FC Sevilla.

Wir saßen damals beim Mittagessen zusammen und haben die Auslosung gesehen. Sevilla! Da dachten wir schon „So viel zur Europa League. Das ist doch nicht wahr.“ Das Duell war ein einmaliges Erlebnis, die Stimmung großartig. Schon beim Aufwärmen konnte man merken, dass etwas Besonderes passieren würde. Das war ja Wahnsinn, dass wir die Runde für uns entscheiden konnten.

2013 gab es dann einem Umbruch. Auch mit Ihnen wurde nicht verlängert.

Ich wollte hier meine Karriere beenden. Ich wollte nicht mehr weg. Ich habe dann kein Angebot von 96 bekommen, weil die wussten, dass ich einen Zwei-Jahres-Vertrag haben wollte. Ich wollte nicht mehr Geld, aber eine Sicherheit und eine Zukunft. Herr Dufner (der damalige Sportdirektor, d. Red.) hat mir dann gesagt, dass der Verein nicht mit mir verlängert.

Hat Sie das enttäuscht?

Ja, ich war enttäuscht, dass ich die Anerkennung nicht bekommen habe.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Mein Traum wäre es, zukünftig im Management eines Fußballvereins arbeiten zu können. Ich möchte auf jeden Fall ein Fußballmanagement-Studium absolvieren und meinen Fachwirt machen.

Wie wäre es mit einem Wiedersehen in Hannover?

Ich bin für alles offen. Wenn ich 96 helfen kann und mich einbringen darf, wäre ich jedenfalls sofort dazu bereit.

Interview: Tobias Krause

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