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2013/2014: „Es geht nicht um einen Neustart“

Jan Schlaudraff im Interview 2013/2014: „Es geht nicht um einen Neustart“

Jan Schlaudraff im HAZ-Interview über seine Zeit mit Mirko Slomka,
 das neue Spielsystem von Hannover 96
, den neuen Trainer Tayfun Korkut und die Sprache der Spieler.

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Jan Schlaudraff im Interview.

Quelle: dpa

Hannover . Herr Schlaudraff, Sie sind 30 Jahre alt. Wenn Sie ihre Karriere in Spielminuten einteilen müssten, in welcher Minute wären Sie dann gerade? 
(lacht) Das ist nicht so einfach. Ich bin ja relativ spät Profi geworden, habe bis zum Alter von 18  Jahren bei Hassia Bingen gespielt, wo wir nur dreimal die Woche trainiert haben. Von daher hoffe ich schon, dass ich dadurch, dass ich erst so spät in den professionellen Spielbetrieb gewechselt bin, noch ein zwei Jährchen länger dranhängen kann. 

  Sie gelten als jemand in der Mannschaft, dessen Wort zählt. In den vergangenen Monaten  haben Sie sich aber sehr mit Aussagen in der Öffentlichkeit zurückgehalten. Warum? 
Es hatte keine persönlichen Gründe, dass ich ein bisschen weniger gesagt habe. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass – egal was gesagt wurde zu meiner Person – alles immer auf die Goldwaage gelegt wurde. Ich habe in der Vergangenheit nicht so viele Spiele gemacht und konnte der Mannschaft nicht so helfen, wie ich mir das gewünscht hätte. Daher hatte ich auch keine Lust, ständig in der Presse aufzutauchen, und habe mich bewusst ein bisschen zurückgenommen. Dazu wurde immer viel spekuliert mit der Personalie Jörg Schmadtke und Mirko Slomka. Es ist egal, was man in Bezug auf diese beiden Personen gesagt hat, die jetzt nicht mehr da sind, es konnte immer so oder so ausgelegt werden. Und darauf hatte ich wenig Lust.  

Nur noch wenige Tage verbringt Hannover 96 im Trainingslager. Vor dem Testspiel am Donnerstag waren beim Vormittagstraining am Mittwoch erstmals alle Spieler mit dabei.

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Dann reden wir über eine Person, die ziemlich neu ist: Trainer Tayfun Korkut. Wie sind Ihre ersten Eindrücke? 
Mein erster Eindruck ist durchweg positiv. Ich glaube, dass er viel Wert darauf legt, dass wir eine Einheit sind und alles was wir tun, gemeinsam zu machen. Und daher glaube ich auch, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, um wieder erfolgreich Fußball zu spielen.    

Wie würden Sie die gravierendsten Änderungen unter seiner Person zusammenfassen?  
Das ist nach zehn Tagen schwierig. Wir versuchen uns Stück für Stück zu erarbeiten, was er für eine Philosophie an den Tag legt, und wollen das als Spieler umsetzen.   

Sie haben einige schwere Monate hinter sich, es ist auch kein Geheimnis, dass Sie und Mirko Slomka keine ganz dicken Freunde waren. Jetzt hat es einen Trainerwechsel gegeben, in den Zeitungen steht, Sie lachen wieder beim Training. Blühen Sie wieder auf und kriegen wieder die Kurve?
Ich glaube, dass es auch in der Zeit mit Mirko Slomka genügend Möglichkeiten gegeben hätte, mich lachend beim Training zu erwischen. Und es gibt auch beim jetzigen Trainer Momente,  in denen ich nicht so glücklich gucke. Von daher ist das auch wieder so eine Auslegungssache. Eines möchte ich einmal klarstellen: Ich habe unter Mirko Slomka hier lange Zeit viele Spiele gemacht,  und wir waren gemeinsam auch sehr erfolgreich. Die letzte Hälfte der vergangenen Saison und die erste Phase dieser Saison sind dann nicht so gelaufen, wie wir beide uns das vorgestellt haben. In der Rückrunde der letzten Saison habe ich viele Spiele gemacht und viel Vertrauen vom Trainer bekommen, das ich nicht rechtfertigen konnte. Und in der jetzigen Saison hätte ich mir nach einer guten Vorbereitung sicherlich mehr Vertrauen gewünscht. Ich glaube, dass da beide Seiten nicht immer alles richtig gemacht haben. Unter dem Strich steht aber eine sehr erfolgreiche Zeit mit dem ehemaligen Trainer. Und natürlich registriere ich auch, dass der neue Trainer mir von Anfang an Vertrauen entgegenbringt, indem er mich oft in der vermeintlichen Startelf im rechten Mittelfeld aufstellt. Von daher werde ich natürlich versuchen, der Mannschaft nicht nur außerhalb des Platzes, sondern auch auf dem Platz zu helfen.    

Neues Jahr, neuer Trainer – passt das Wort Neustart da auch für Sie ganz gut?
Nein, Neustart würde ich nicht sagen. Ich bin ja mittlerweile auch schon fünfeinhalb Jahre da und habe eine ganze Menge mitgemacht. Von daher geht es nicht um einen Neustart, sondern darum, dass ich wieder zu meiner Leistung finde, wir als Mannschaft wieder zu unserer Leistung finden und wir unter dem Strich in der Rückrunde mehr Punkte holen.   

Hat sich Ihr Status in der Mannschaft in der Hinrunde verändert?
Das müssen im Zweifel die anderen beantworten. Ich glaube, dass ich immer ein gutes Standing in der Mannschaft hatte und habe. Und ich glaube auch, dass die Mannschaft weiß, dass mein Verhalten sich innerhalb der Truppe nicht verändert – egal, ob ich spiele oder nicht. Ich habe auch in der Phase, in der ich nicht so viel gespielt habe, versucht, der Mannschaft zu helfen, wo ich es konnte. Von daher glaube ich nicht, dass mein Standing gelitten hat.  

Wenn man so lange nicht spielt, ist es nicht gut für den Körper und auch nicht für den Kopf. Wie optimistisch sind Sie, dass Ihre Leistung noch einmal reicht?
Natürlich wird es eine gewisse Zeit brauchen, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Und natürlich wachsen mit jedem Spiel, das man macht, auch das Selbstvertrauen und der Glaube an die eigene Stärke wieder. Ich werde einfach versuchen, alles, was in meiner Macht steht, zu tun, um der Mannschaft wieder zu helfen.   

Im Training hat man gesehen, dass der Trainer viel mit dem Ball macht und viel Wert auf Ballbesitz legt. Das klingt, als wäre das System wie für Sie gemacht?
Wie gemacht ist vielleicht etwas zu viel gesagt. Aber natürlich kommt es mir entgegen, dass wir versuchen wollen, mehr Kontrolle über das Spiel zu bekommen und den Ball mehr laufen zu lassen. Aber entscheidend ist nur, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Und wir hatten auch mit unserer etwas defensiveren Taktik mit dem schnellen Umschalten Erfolg. Wir haben Spieler in den Reihen, die über wirklich viel Qualität verfügen. Nur haben wir die in der Hinrunde nicht so auf den Platz bekommen, wie wir uns das gewünscht haben. Und jetzt versuchen wir, einen Weg einzuschlagen, auf dem wir vielleicht ein wenig dominanter auftreten wollen. Entscheidend wird aber nur sein, dass wir das, was uns der Trainer vorgibt, dann auch auf dem Platz zeigen.  

Schattenseite des Systems ist, dass es relativ viel Laufarbeit und Defensivarbeit für alle bedeutet. Da würde man jetzt nicht unbedingt sagen, dass Ihnen das hundertprozentig auf den Leib geschnitten ist. 
Ich glaube, dass man in jedem System in der Bundesliga heutzutage viel Defensivarbeit verrichten muss. Aber natürlich verlangt der Trainer sehr, sehr viel von uns und will, dass wir als Mannschaft immer kompakt schieben. Man darf sich keine Pause nehmen, muss immer hellwach sein und immer versuchen, seinen Nebenmann zu unterstützen. Umgekehrt muss man nach Ballgewinn natürlich auch voll da sein, um daraus das Spiel zu entwickeln. Ich werde versuchen, der Mannschaft so gut es geht defensiv zu helfen, um dann offensiv auch die Freiräume zu bekommen, die ich für mein Spiel brauche.  

Das rechte Mittelfeld ist aber eigentlich nicht Ihre Lieblingsposition, oder?
Das wird sich zeigen, und das wird letztlich der Trainer entscheiden. Ich glaube, dass ich die drei Positionen rechts und links im Mittelfeld oder hinter der Spitze, wenn wir nur eine Spitze haben, spielen kann. Jetzt habe ich viel auf den Flügeln trainiert. Aber letztlich wird es nur darauf ankommen, dass ich – unabhängig von der Postion – meine beste Leistung abrufen kann.   

Was ist denn für einen Profi die größte Umstellung bei einem Trainerwechsel? Wird dabei tatsächlich alles auf null gestellt?   Jein. Natürlich wird vieles auf  null gestellt. Jeder neue Trainer schaut sich natürlich viel Videomaterial über seine Mannschaft an und führt viele Gespräche, will sich aber letztlich natürlich sein eigenes Bild machen. Von daher sind viele Spieler extra motiviert, wollen sich nochmal zeigen und hauen sich nochmal ein paar Prozent mehr rein als bei einem Trainer, der schon zwei oder drei Jahre da ist. Von daher glaube ich schon, dass es relativ auf null gestellt ist.   

Hat sich denn der Teamgeist nach dem Trainerwechsel und speziell hier in Belek wieder etwas verbessert?
Der Teamgeist hat wenig mit dem Trainer zu tun. Natürlich legt der neue Trainer viel wert darauf, dass wir zusammenhalten, aber im Endeffekt ist das unabhängig vom Trainer. Wir als Mannschaft waren dafür verantwortlich, dass der Teamgeist nicht so gut war. Und wir als Mannschaft sind auch dafür verantwortlich, dass der Teamgeist auch wieder besser wird.  
Ist das schon passiert?
  Ich glaube, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Es ist aber natürlich auch immer einfacher, einen guten Teamgeist zu bekommen, wenn man Erfolg hat. Wenn alles läuft, man durch Europa tourt und schwere Spiele gewinnt, das schweißt natürlich zusammen. Wenn aber im Sommer eine neue Mannschaft zusammengestellt wird, man nicht den Erfolg hat, es hier und dort Probleme gibt und Spieler unzufrieden sind, dann ist es schwieriger, einen solchen Teamgeist zu entwickeln. Davon muss sich jeder freimachen und sagen: Egal, wie es um meine Person gestellt ist, wir als Mannschaft müssen zusammenhalten. Daran arbeiten wir in Verbindung mit dem neuen Trainer.   Wie kann man das im Alltag zurück in Hannover machen? Früher hat es oft gemeinsame Fußballabende gegeben. Wäre das wieder ein Ansatz? Der erste Ansatz ist, dass wir versuchen, wieder erfolgreich zu sein und wir es schaffen, als Mannschaft zusammenzuhalten. Dann holen wir uns über Erfolgserlebnisse, über schöne Erlebnisse als Mannschaft und vielleicht dann auch einmal darüber, dass man bei einem Erfolg gemeinsam feiern geht, diesen vielleicht etwas verloren gegangenen Teamgeist wieder. 

Ist es gut für Sie, dass der Trainer ein Fußballer ist? 
(lacht) Ja, ich glaube schon, dass das ein Vorteil für Spieler ist. Allerdings war Mirko Slomka kein Fußballer,  und wir waren trotzdem lange Zeit erfolgreich. Aber wenn jemand selber Spieler war, kann er sich in viele Sachen natürlich besser hineinversetzen und spricht – wie man dann immer so schön sagt – die Sprache der Spieler. Sagen wir es so: Es ist auf jeden Fall kein Nachteil.  

Wie wichtig ist denn der Erfolg gerade am Anfang dafür, dass der Glaube an der neue Spielsystem in der Mannschaft wächst? 
Es ist natürlich immer einfacher, wenn man gleich zu Beginn gute Ergebnisse liefert. Aber als Mirko Slomka kam und er vieles umgestellt hat, gingen auch die ersten sechs Spiele in die Hose. Er war aber überzeugt von dem, was er getan hat, wir als Mannschaft waren überzeugt davon, dass wir es schaffen, und der Verein war davon überzeugt. Deshalb ist es sicher für jeden Trainer wichtig, möglichst schnell Ergebnisse zu liefern. Aber wenn man sich anschaut, wie er mit seinem gesamten Team arbeitet und wie die Mannschaft versucht, es anzunehmen, wäre es gut, ihm Zeit zu geben, etwas zu entwickeln, damit wir dann auch auf lange Sicht Erfolg haben.  

Wie schätzen Sie denn das Auftaktprogramm ein?
Ich glaube, wie haben haben ein schwieriges Auftaktprogramm. Aber als Fußballmannschaft weiß man nie, wo und wann man seine Punkte holt. Von daher gilt es für uns, ab dem 1. Spieltag als Mannschaft Vollgas zu geben und dann zu schauen, was dabei herumkommt. Es wird nicht alles von Anfang an klappen, wenn vieles so neu ist, aber wir müssen bereit sein, 100 Prozent zu marschieren.

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