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Hier will 96 Talente fördern

Neues Nachwuchsleistungszentrum Hier will 96 Talente fördern

Zu alt, zu wenig Platz – das Eilenriedestadion ist in die Jahre gekommen. Jetzt haben 96-Präsident Martin Kind und Oberbürgermeister Stefan Schostok die Pläne für ein neues Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96 am Eilenriedestadion vorgestellt.

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So könnte das neue Nachwuchsleistungszentrum am Eilenriedestadion aussehen.

Quelle: Handout Stadt Hannover

Hannover . Für einen Augenblick legten Oberbürgermeister Stefan Schostok und Hannover-96-Präsident Martin Kind gestern in der Ratsstube im Rathaus einander die Hände auf den Rücken, wie es Sportler tun, wenn sie für Mannschaftsfotos Geschlossenheit demonstrieren wollen. Das sprichwörtliche Blatt Papier schien nicht mehr zwischen beide zu passen, und es gab in der Tat auch Erfreuliches zu verkünden. Nach jahrelangem Hin und Her können die Roten endlich ihr lang ersehntes Nachwuchsleistungszentrum bauen – und zwar nicht, wie zwischenzeitlich erwogen, am Expo-Gelände oder gar in der Wedemark, sondern in der angestammten Heimat am Eilenriederand.

„Wir haben eine gute Lösung für den Sport und für die Stadt gefunden“, resümierte Schostok. Nicht weniger als 14 Varianten habe man in den vergangenen sechs Monaten durchgespielt, bis der Durchbruch erzielt worden sei. Mindestens 20 Millionen Euro wird Hannover 96 in die Hand nehmen, wobei allerdings in der Gesamtsumme auch ein neues Breitensportzentrum an der Stammestraße enthalten ist (siehe Text unten). Das ehrwürdige Eilenriedestadion wiederum wird sein Antlitz samt Umfeld ziemlich wandeln – „unter Berücksichtigung von Denkmal- und Naturschutz“, wie Schostok betonte. Insgesamt erhalten die Roten 67.000 Quadratmeter zusätzliche Fläche im Erbbaurecht, das sinnigerweise bis zum Jahr 2096 läuft. Das Stadion selbst nimmt eine ähnlich große Fläche ein, auch hier besteht Erbbaurecht.

Architekt Klaus Schulze aus Hannover hat den Weg zum Ziel gefunden, indem das Spielfeld im denkmalgeschützten Stadion um 90 Grad gedreht wird. Das Tribünengebäude bleibt erhalten, es wird im Inneren Umkleidekabinen und Nebenräume beherbergen. Einen Teil der Ränge will man zur VIP-Tribüne umgestalten. Im Westen und Osten entstehen neue Tribünen für zusammen 2500 Besucher; sie könnten in einem zweiten Bauabschnitt auf die doppelte Kapazität erweitert werden. Die von der Clausewitzstraße aus einsehbare Eingangssituation mit Torhäusern samt Pylonen und Uhr sowie die Wallanlagen werden nicht angetastet. „Die Eingriffe im Stadion beschränken sich auf die Aschenbahn, die Stehtribünen und die Sitztribüne ohne Dach“, schildert Schulze.

Das Nachwuchsleistungszentrum besteht aus einem dreigeschossigen Bau mit Sportinternat für 16 Jugendliche, Bistro und Freizeitbereich, diversen Kabinen, Sauna, Büros und Besprechungsräumen. Kapazitäten für den Bau einer Sporthalle mit drei Feldern sind vorhanden. Auf den Außenanlagen sind fünf Trainingsplätze vorgesehen, davon zwei mit Kunstrasenbelag. Dazu kommen zwei Kleinfelder sowie ein sogenannter Soccer-Fun-Platz.     

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Hannover 96 plant ein neues Nachwuchsleistungszentrum am traditionsreichen Eilenriedestadion. Wie sagen Sie zu den Plänen?

Mit dem Neubau des Leistungszentrums schlägt Hannover 96 zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens kann die Regionalligamannschaft wieder in dem Stadion spielen, was seit Jahren nicht mehr möglich war. Die betagte Arena genügte nicht mehr den Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes. Eine Zeitlang spielte das Team vor fast leeren Rängen in der HDI-Arena, derzeit trägt es seine Spiele im Ricklinger Beekestadion aus. Zweitens kann der Verein endlich Infrastruktur und Förderungsmöglichkeiten für Talente anbieten, wie sie bei anderen Bundesligaklubs längst vorhanden sind. „Wir sind derzeit in dieser Kategorie nicht wettbewerbsfähig“, hat Kind immer wieder betont. Immerhin gehört die Nachwuchsarbeit zu den Kriterien, die für die Lizenzerteilung zur Bundesliga gewertet werden. Während andere Vereine wie der SC Freiburg – von dort kommt Manager Dirk Dufner – immer wieder Talente aus der eigenen Schmiede auf Dauer ins Profiteam integrieren können, war das bei 96 in den vergangenen Jahren eher die Ausnahme als die Regel. Selbst erklärtes Ziel ist es, pro Jahr einen in den eigenen Reihen ausgebildeten Kicker in die Bundesligamannschaft aufrücken zu lassen.

Baubeginn am Eilenriederand soll im kommenden Frühjahr sein, endgültige Fertigstellung dann gut zwei Jahre später. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Rat der Stadt den Plänen noch zustimmt. Damit dürfen die Beteiligten durchaus rechnen. Als das Vorhaben in seinen Grundzügen vor knapp einem Jahr bekannt wurde, signalisierten die Fraktionen durch die Bank Zustimmung. Erleichtert wird diese Haltung dadurch, dass Hannover 96 alles selbst bezahlt.

Die entsprechende Beschlussvorlage der Verwaltung über die „Neuordnung der Sportflächen in der Eilenriede“ geht vom kommenden Montag an auf die Reise durch insgesamt neun Gremien – den Anfang macht der Eilenriedebeirat. Wenn alles wunschgemäß klappt, beschließt der Rat am 17. Juli und damit noch vor Beginn der Sommerpause.     

Traditionsreiches Stadion

Eigentlich ist Hannover 96 im Eilenriedestadion nie so recht heimisch geworden – zumindest, was die erste Mannschaft angeht. Die spielte zunächst auf der unweit gelegenen alten Radrennbahn und dann von 1959 an im Niedersachsenstadion. Die Arena an der Eilenriede war lediglich Ausweichquartier für einzelne Partien. Trotzdem hat sie große Sportereignisse erlebt, darunter zwei Fußball-Länderspiele in den dreißiger Jahren gegen Dänemark und Belgien. Beide wurden gewonnen.

Erbaut worden ist das Stadion nach Plänen des Architekten Paul Wolf in den Jahren 1920 bis 1922 im Stil des Historismus. An seiner Stelle befanden sich zunächst ein Militärschießplatz und später eine Pferderennbahn des Hannoverschen Rennvereins. Ihren Namen hat die Sportstätte einige Male gewechselt. Bei der Eröffnung hieß sie Stadion der Stadt Hannover, aber eine der Säulen am Eingang wurde damals schon mit dem Schriftzug Hindenburg-Kampfbahn versehen. 1934 erhielt sie diese Bezeichnung auch offiziell. Nach Ende der Nazi-Diktatur kehrte man kurzzeitig zum ursprünglichen Namen zurück, bis man sich dann für den heute noch gültigen entschied. Zu Spitzenzeiten fasste die Arena 25.000 Zuschauer. Heute geht das nicht mehr, weil einige Tribünen- und Stehplatzbereiche nicht mehr modernen Anforderungen entsprechen – etwa in Sachen Sicherheit.     

Das traditionsreiche Eilenriedestadion in Hannover.

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Für die Talente da: Jens Rehagel, Manger des Nachwuchsleistungszentrums.

Nicht mehr zeitgemäß, zu wenig Platz: 96-Klubchef Martin Kind möchte das traditionsreiche Eilenriedestadion als Nachwuchszentrum für talentierte Fußballer aufgeben. Ein Stadionbesuch.

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