Hannover. „So eine Niederlage beschäftigt einen schon“, sagte Zieler, und man hätte ihm gerne sofort zugerufen: Mensch, erstens macht das gar nichts. Und zweitens: Hey, die Niederlage war ein Unentschieden. Und überhaupt: 96 ist international weiter ungeschlagen.
Hannover machte sich am Freitag Sorgen um seinen Torwart, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass am Sonntag der FC Bayern München kommt (Anpfiff: 17.30 Uhr), die Bundesligamannschaft mit der einschüchternden Offensive und dem eindrucksvollen Torverhältnis von 25:1. Um da eine Chance zu haben, braucht man als Gegner einen erstklassigen Torwart.
Genau! Und den hat Hannover 96 mit Zieler.
„Ich habe ein sehr gutes Gefühl bei ihm“, sagte Mirko Slomka mit Blick auf Zielers Einsatz. Warum aber sollten der 96-Trainer und die Fans eigentlich ein anderes, schlechteres Gefühl haben? Vielleicht muss an dieser Stelle daran erinnert werden, dass 96 eine besondere Torwartgeschichte hat und diese Saison ein echter Luxus vergönnt war: Zwischen den Pfosten stand ein Torwart, der sich keinen einzigen entscheidenden Fehler leistete. Jetzt hat dieser Torwart, 21 Jahre jung, das erste Mal gepatzt (bei Kopenhagens 1:1) und beim zweiten dänischen Tor keine gute Figur gemacht, ohne hundertprozentig schuld zu sein am 2:2. Hat irgendwer geglaubt, Zieler würde nie Fehler machen? Der Torwart, der das schafft, muss noch erfunden werden.
Nun war also mal Zieler dran, und Slomka ist sogar sicher, dass sein Schlussmann „noch öfter solche Erlebnisse haben wird“. Ein junger Torwart braucht Fehler für seine Entwicklung. Wenn er gefestigt ist (wie Zieler) und über eine besondere Klasse verfügt (wie Zieler), dann steht am Ende von Fehlern ein besserer Torwart. Aus dem Pannentorwart Manuel Neuer wurde auf diese Weise ein Weltklassetorwart. Dass sich beide, Neuer und Zieler, Sonntag gegenüberstehen, ist ein schöner Zufall.
Überraschend an Zielers unglücklichem Arbeitstag ist das Echo, das er ausgelöst hat. Die „Bild“-Zeitung sprach gleich vom „Tiefpunkt“ seiner Karriere und zückte die Note 5 (die HAZ gab die Note 4), und wer sich am Freitag bei den Diskussionen in Internetforen umschaute, der musste glauben, 96 habe ein Torwartproblem. Dabei ist das einzige Problem, das Zieler hat, die größere Aufmerksamkeit. Beim vergangenen Nationalmannschaftsspiel saß er als Deutschlands Nummer 2 auf der Bank, im November in der Ukraine wird Zieler vermutlich sein erstes Länderspiel bestreiten. Da schaut Fußballdeutschland genauer hin, besonders in Bremen, Mönchengladbach und Leverkusen, wo mit Tim Wiese, Marc-Andre ter Stegen und Bernd Leno die Torhüter spielen, die Zielers Konkurrenten um den Nationalteamplatz hinter Neuer sind.
Auch Sonntag gegen die Bayern wird auf Zieler mehr geachtet werden als sonst, der Torwart macht nicht den Eindruck, dass ihn das beunruhigt. „Wir werden ihn aufbauen, denn wir brauchen ihn in guter Verfassung“, sagte Slomka, „es wird genügend Gelegenheit geben, sich auszuzeichnen.“ Mehr beschäftigt zu werden als gegen Kopenhagen wird Zieler helfen. Und wenn er später erneut glauben sollte, 96 habe verloren, auf der Anzeigetafel aber leuchtet ein Unentschieden gegen die Bayern auf, dann hätte niemand etwas dagegen.
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