Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Ich wünschte, der Schiedsrichter hätte mich gefragt“

Leon Andreasen über das Köln-Tor „Ich wünschte, der Schiedsrichter hätte mich gefragt“

96-Profi Leon Andreasen lüftet im Interview das Tor-Geheimnis von Köln: "Ich wusste, dass es Hand war", sagt er. Und dass er gehofft habe, vom Schiedsrichter auf die Szene angesprochen zu werden. "Dann hätte ich es zugeben können."

Voriger Artikel
Wer trainiert Hannover 96 ab der nächsten Saison?
Nächster Artikel
Diese Spieler nimmt Stendel mit nach Ingolstadt

Rückblick: Das Handtor von Leon Andreasen.

Quelle: dpa/Joachim Sielski/Montage

Hannover. Hallo Herr Andreasen, Sie sind vor einem Monat operiert worden. Wieder einmal. Und wieder einmal haben Sie die Krücken weggeschmissen und müssen sich nach einer Verletzung herankämpfen ...
Das haut mich nicht mehr um, das gehört anscheinend zum Profisport dazu. Wir haben zunächst etwas anderes versucht, von dem wir uns versprochen hatten, dass ich schneller fit werde und der Mannschaft noch helfen kann. Am Ende kamen wir aber um eine Operation nicht mehr herum.

Was belastet Sie mehr: Die Verletzung oder die Frage, wie es in der nächsten Saison weitergeht? Ihr Vertrag läuft im Sommer aus.
Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Es würde mir helfen, wenn ich wüsste, wie meine sportliche Zukunft aussieht.

Dass Sie auch in der 2. Liga gerne für 96 spielen würden, haben Sie schon mehrmals gesagt.
Ja, mit der 2. Liga habe ich überhaupt kein Problem. Mein Sohn lebt in Hannover, hier habe ich viele Freunde, hier fühle ich mich zu Hause.

Leon Andreasen begann seine Fußball-Karriere in Dänemark und kam nach einigen Wechseln nach Deutschland – 2009 unterschrieb er bei Hannover 96.

Zur Bildergalerie

Zurzeit gibt es bei Hannover 96 viele Personalien, die geklärt werden müssen.
Das stimmt. Deshalb hat mit mir auch noch niemand gesprochen. Aber ich denke, in den nächsten Wochen sind wir alle in vielen Bereichen schlauer.

Nach dem Sieg gegen Gladbach war auch Ihnen die große Freude anzusehen, Sie haben in der Mixed-Zone jeden Spieler abgeklatscht. Warum war der Sieg wichtig, er ändert ja nichts daran, dass 96 absteigen wird?
Ich habe mich sehr drüber gefreut, dass wir den Fans endlich einmal ein richtig gutes Spiel geboten haben. Da war Feuer drin, da war Leben drin. Wir haben viel zu viele Spiele gehabt, nach denen die Zuschauer mit einem „Bäh-Gefühl“ nach Hause gegangen sind. So ein Spiel wie gegen Gladbach hätten wir auch verlieren können. Trotzdem hätte jeder gesagt: „Gut gespielt, gut gekämpft, weiter so.“ Überall im und vor dem Stadion hat man gemerkt, dass die Leute zufrieden waren. Wir konnten den Fans endlich einmal etwas zurückgeben. Ein schönes Gefühl.

Die nächste Chance, noch einmal etwas zurückzugeben, hat die Mannschaft morgen in Ingolstadt.
Es geht jetzt darum, die schlechte Phase, die wir über Monate hatten, abzuhaken und sich das nächste Erfolgserlebnis zu holen. Das ist auch für die Zukunft sehr wichtig.

Viele Fans fällt es schwer zu verstehen, dass sich die 96-Mannschaft so schnell so positiv verändern kann. Können Sie es erklären?
Wir Spieler haben ja das Fußballspielen nicht verlernt, auf der anderen Seite wird ein Spieler ja durch einen Trainerwechsel nicht automatisch viel besser. Da ist kein Doping oder Hexerei im Spiel: Für mich ist das eine reine Kopfsache.

Sie kennen Thomas Schaaf schon lange, haben bereits bei Werder Bremen unter ihm gespielt. Woran ist er bei 96 gescheitert?
Die Schuld immer dem Trainer in die Schuhe zu schieben, da machen wir Spieler es uns zu einfach. Aber Thomas Schaaf ist hier nicht mehr Trainer.

Allgemeiner gefragt: Schaaf gehört zusammen mit Armin Veh und Huub Stevens zu der alten Trainergeneration, deren Erfolge schon etwas her sind. Alle drei sind in dieser Saison mit ihren Teams gescheitert. Ist ihre Zeit vorbei?
Das denke ich nicht. Der Job eines Trainers ist es, mit den Möglichkeiten, die er hat, das Maximale herauszuholen. Das zu schaffen, ist für mich keine Frage des Alters.

Schaafs Nachfolger Daniel Stendel hat Erfolg, womit wir bei der nächsten Frage sind, die die 96-Fans zurzeit umtreibt: Ist Stendel der Richtige für den Neustart in der 2. Liga?
Das ist schwierig zu beantworten. Er ist ein sehr guter, ehrgeiziger Trainer. In seinem Training ist Feuer drin, die Spieler ziehen hundertprozentig mit. Ich kann nur Positives über ihn sagen.

Sie spielen seit 2009 für die „Roten“. Wie sehr hat Sie diese Saison inklusive Abstieg mitgenommen?
Die Situation ist sehr traurig, sie erdrückt einen fast. Wir müssen jetzt den Resetknopf drücken und alles dafür geben, so schnell wie möglich wieder hoch zu kommen. Weil 96 einfach in die Bundesliga gehört.

Im Jahresrückblick von dieser Saison werden Sie mit Ihrem Handtor in Köln garantiert auch vorkommen. Würden Sie heute alles genauso machen wie damals?
Ich hätte mir gewünscht, dass der Schiedsrichter mich gefragt hätte. Ich wusste ja, dass es Hand war, dann hätte ich es zugeben können. Aber der Schiedsrichter hat mich nicht gefragt. Ich bin immer noch der Meinung, dass es nicht meine Aufgabe war, zum Schiedsrichter zu gehen. Dann können wir auch gleich damit anfangen, vom Verteidiger zu verlangen, nach einem Foul im Strafraum zum Schiedsrichter zu gehen und ihm zu sagen: „Schiri, das war ein Elfmeter.“

Sie haben damals gesagt, Sie hätten „irgendetwas am Arm gespürt“ ...
Im Nachhinein wäre es besser gewesen, wenn ich mich anders ausgedrückt hätte. Aber ich musste sofort vor die Kameras, das war keine einfache Situation.

Unmittelbar nach der Szene sind auch einige Kölner Spieler zu Schiedsrichter Bastian Dankert gelaufen und haben ihn aufgefordert, Sie zu fragen.
Stimmt. Und, ganz ehrlich, ich wäre froh gewesen, wenn er es gemacht hätte.

Die Reaktionen damals waren heftig.
Teilweise sogar extrem. Hätte der Schiedsrichter mich gefragt und ich hätte geantwortet: „Nein, das war keine Hand“, dann hätte ich die 187 zum Teil derben Kommentare bei Facebook völlig zurecht erhalten. Aber Fakt ist: Er hat mich nicht gefragt.

Interview: Christian Purbs

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hannover 96
Hannover 96 trainiert am 08. Dezember 2016

Hannover 96 trainierte am 08. Dezember 2016 in der Vorbereitung auf das bevorstehende Spiel gegen den VfB Stuttgart

Anzeige
Die HAZ-Sportexperten schreiben gemeinsam den RotenBlog
27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

mehr