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Martin Kind: „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen"

Fandiskussion Martin Kind: „Hannover 96 ist ein Scheißverein gewesen"

Martin Kind ist ein Freund klarer Worte. Und das gilt ganz besonders, wenn der Klubchef von Hannover 96 wie am Donnerstagabend bei der „Roten Reihe“, dem etwas anderen Fanklub von Hannover 96, zu Gast ist. Gut gelaunt und offen plauderte Kind im VIP-Raum der AWD-Arena über den Fußball-Bundesligisten, die aktuelle sportliche Situation, seine Visionen für die Zukunft – und holte plötzlich zu einer verbalen Breitseite aus.

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Führungskräfte von Hannover 96: v.li.: Jörg Schmatke, Dr. Matthias Waldraff, Stefan Schostok, Martin Kind .

Quelle: zur Nieden

Hannover. „96 ist ein Scheißverein gewesen, der in über 100 Jahren nichts geschaffen hat“, erklärte Kind mit markigen Worten in Hinblick auf die Zustände, die er bei seinem Amtsantritt vor 17 Jahren vorgefunden habe – sehr zum Vergnügen der etwa 100 Gäste, unter denen sich auch die beiden hannoverschen Oberbürgermeister-Kandidaten und Fanklub-Mitglieder Stefan Schostock und Matthias Waldraff befanden.

Kind sorgte damit für beste Unterhaltung – auch bei Jörg Schmadtke. Der Sportdirektor der „Roten“ war der Einladung der „Roten Reihe“ ebenfalls gefolgt und hörte seinem Chef vom Nachbarsofa aus mit entspannter Miene zu. Es war der erste gemeinsame öffentliche Auftritt von Kind und Schmadtke seit dem Krisengipfel der beiden 96-Führungskräfte mit Trainer Mirko Slomka Anfang März, bei dem unter anderem vereinbart worden war, dass der Sportdirektor künftig mehr Präsenz beim Profitraining zeigen solle.

Schmadtke hatte diese Vorgabe dem Vernehmen nach ziemlich geärgert, gestern reagierte er auf die Nachfrage zum Thema aber mit viel Humor. „Ich bin ein bisschen verschnupft, weil ich heute Vormittag schon wieder beim Training war“, meinte Schmadtke. Aber angesichts der Tatsache, dass seinem ersten Besuch am Trainingsplatz der Auswärtssieg in Augsburg folgte, habe ein erneuter Abstecher auf die Mehrkampfanlage vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Stuttgart ja nicht schaden können.

Überhaupt ließ sich Schmadtke gestern Abend nicht locken. Der Frage, ob er trotz des angespannten Verhältnisses zu Slomka auch in der kommenden Saison noch mit ganzem Herzen bei Hannover 96 arbeiten werde, wich er elegant aus („Ich mache alles, was ich mache, mit ganzem Herzen und habe einen unbefristeten Vertrag“). Und auch bei der Frage, ob er den Vertrag mit Torjäger Mame Diouf lieber verlängern oder eine Ablösesumme in Millionenhöhe einstreichen würde, um die in mehrere neue Spieler zu investieren, konterte er süffisant. „Wie das Gefühl ist, jemanden für ganz viel Geld zu verkaufen, weiß ich nicht, weil ich das nie machen durfte“, erklärte er mit vielsagendem Lächeln. „Aber wir haben unsere Felder in der Transferpolitik klar abgesteckt und wissen, wie wir agieren wollen.“

Etwas konkreter wurde dafür der Klubchef. Der verriet in Verlaufe der etwa einstündigen Plauderstunde, dass 96 im kommenden Jahr mit dem Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrum auf dem Gelände an des Eilenriedestadions beginnen wolle. 15 bis 20 Millionen Euro werde der Verein dafür in die Hand nehmen, der zudem an anderer Stelle ein neues Vereinsgelände für den Breitensport samt moderner Sporthalle und Tennisplätzen errichten wolle.

Und dann verblüffte Kind auch noch mit einem Geständnis: Er würde sich über den Aufstieg von Eintracht Braunschweig in die Bundesliga und die bevorstehenden Niedersachsenderbys sehr freuen, erklärte er. Zur Entspannung des alles andere als guten Verhältnisses mit einem Teil der 96-Fans dürften diese klaren Worte des Klubchefs allerdings nicht unbedingt beigetragen haben.

dpa

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