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Nachwuchsleistungszentrum von 96 Was ist hier los?

Sanierungsstau, Streit um die Sportliche Leitung, und jetzt drohtauch noch eine komplette Mannschaft damit, den Verein zu verlassen: Die Talentschmiede von Hannover 96 gibt ein Bild des Jammers ab.

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„Kann man nicht auf einem Elternabend vorstellen“: Jens Rehhagel wirbt für sein Konzept im Leistungszentrum von Hannover 96, das viele Mütter und Väter aber nicht erkennen wollen.

Quelle: Surrey

Hannover.  Es soll die Zukunft von Hannover 96 sein. Doch darauf deutet beim Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Fußball-Bundesligisten derzeit wenig hin. Das gilt für den äußerlichen Zustand der Talentschmiede, die im 1922 erbauten und inzwischen baufälligen Eilenriedestadion untergebracht ist. Aber auch für das Bild, das der Nachwuchsbereich der „Roten“ darüber hinaus abgibt. Erst sorgte der Streit um Slaven Skeledzic für Negativschlagzeilen, der im Oktober zum neuen Sportlichen Leiter des NLZ ernannt und drei Monate später nach internen Querelen und Protesten der Trainer wieder entlassen wurde. Und nun droht auch noch eine komplette Mannschaft damit, den Verein zu verlassen. In einem sechsseitigen Beschwerdebrief haben sich die Eltern der „U 14“-Junioren an Klubchef Martin Kind gewandt, weil sie sich um die sportliche Zukunft ihrer Kinder sorgen.

Auslöser war eine eigentlich harmlose Personalentscheidung des Klubs. Tim Hendrik Hoffmann, der die Mannschaft seit knapp vier Jahren trainiert, wird sie in der kommenden Saison nicht mehr betreuen. Unter den Eltern sorgte diese Nachricht für Unruhe, weil die „U 14“ unter Hoffmann sehr erfolgreich ist und unter Experten als eines der besten Teams dieses Jahrgangs in Deutschland gilt. Ein Informationsgespräch mit Jens Rehhagel, dem Administrativen Leiter der NLZ, sollte die Wogen glätten, doch danach nahm der Protest erst richtig Fahrt auf. In dem Brief, der der HAZ vorliegt, äußern die Eltern ihren Eindruck, dass es weder ein Konzept für die Zukunft gibt, noch den Willen, etwas an den bestehenden Strukturen zu ändern. „Es geht uns weniger um den Trainer selber. Uns geht es speziell darum, die Perspektiven für unsere Kinder und das Konzept der 96-Nachwuchsarbeit zu erfahren“, sagt ein Vater. „Dazu haben wir gezielte Fragen gestellt. Aber sie scheinen gar kein Konzept zu haben.“

Diesen Vorwurf will Rehhagel, der das NLZ seit 2005 leitet, so nicht im Raum stehen lassen. „Unser Konzept umfasst zwei dicke Aktenordner“, sagt der 40-Jährige. „Das kann man nicht mal eben so auf einem Elternabend vorstellen.“ Der Sohn des ehemaligen Bundesligatrainers Otto Rehhagel wertet die aktuelle Einstufung der 96-Talentschmiede als Beleg für das schlüssige Konzept. Alle drei Jahre werden die Profi-Leistungszentren zertifiziert, bis zu drei Sterne vergeben die Prüfer dabei. Jeder zweite Erstligist wurde inzwischen mit der Höchstnote ausgezeichnet. 96 bekam in diesem Jahr einen Stern. Immerhin, vor drei Jahren war der Klub noch ganz leer ausgegangen. „Uns ist aber eine erkennbare Verbesserung attestiert worden“, sagte Rehhagel. Weitere Verbesserungen existieren zumindest schon auf dem Papier: Derzeit plant der Klub einen Neubau in der Nähe der AWD-Arena, doch über die reine Ankündigung ist 96 noch nicht hinausgekommen.
Die Fortschritte, die Rehhagel sieht, erkennen die Eltern der „U 14“ nicht. Ein für gestern Abend angesetztes weiteres Gespräch mit Rehhagel sagten sie kurzfristig ab. „Wir sehen keinen Nutzen darin, noch einmal mit den gleichen Leuten zu sprechen“, hieß es dazu gestern aus Elternkreisen. Und weil Nicolas Michaty, der Ende Januar als neuer Sportlicher Leiter des NLZ vorgestellt wurde, derzeit noch weitgehend im Trainerstab des Bundesligateams eingebunden ist, wandten sich die Eltern nun direkt an den Klubchef. „Wir hoffen jetzt auf Herrn Kind, weil sonst alles weiter vor sich hindümpelt.“

Tatsächlich wird sich der Klubchef des Themas nun persönlich annehmen. Auch wenn sich die Begeisterung bei Kind darüber, sich nun auch noch um Probleme in der „U 14“ kümmern zu müssen, in Grenzen hält. „Die Eltern haben ihre Sichtweise sehr sachlich vorgetragen“, sagt der 69-Jährige. „Und Eltern sind immer ernst zu nehmen, weil sie sich sehr engagieren und natürlich auch einen eigenen Blick auf die Dinge haben.“ Daher will sich Kind zeitnah mit den Eltern treffen – und denkt sogar darüber nach, ihnen eine neue Plattform zu bieten.

„Vielleicht können wir aufgrund dieser Erfahrung eine Art Elternbeirat gründen, um eine Kommunikationsebene zu schaffen“, sagt Kind, der aber zugleich eines feststellt. „Wir werden uns nicht erpressen lassen. Wenn jemand glaubt, dass für sein Kind ein Vereinswechsel notwendig ist, dann können wir das ohnehin nicht verhindern.“

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