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Falkenauge, sei wachsam!

Neue Torlinientechnik im Einsatz Falkenauge, sei wachsam!

Tor oder kein Tor? Der Streit über diese Frage wird sich von Sonnabend an auch bei Spielen im Stadion von Hannover 96 erübrigen. Im ersten Heimspiel der neuen Saison gegen Bayer Leverkusen wird auch in der HDI-Arena die neue Torlinientechnik darüber entscheiden, ob der Ball hinter der Linie war – oder eben nicht.

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Je sieben Kameras beobachten die beiden Tore im Stadion. Sie sind im Halbkreis unter dem Dach der HDI-Arena am sogenannten Catwalk angebracht, an dem auch Beleuchtung und Lautsprecher hängen. Je eine Kamera verbirgt sich hinter den Videowänden des Stadions direkt über den Toren.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. 14 Kameras sind dafür unter dem Dach der Arena installiert worden - sieben für jedes Tor.

Wer heute im Stadion dabei ist, wird aber genau hinsehen müssen, will er die neuen Kameras entdecken. Denn für den Zuschauer sind diese kaum von normalen Überwachungskameras zu unterscheiden und unter dem Dach der Arena nur schwer auszumachen. Alle 14 Geräte sind am sogenannten Catwalk, an dem auch Lautsprecher und Beleuchtung angebracht sind, montiert worden. Auch hinter den Videowänden ist jeweils eine Kamera verborgen. Extra-Anfertigungen wie in Darmstadt, wo zusätzlich Masten für die benötigten Kameras aufgestellt werden mussten, gab es in Hannover nicht. „Wir hatten alles da“, sagt Stadionchef Thorsten Meier. Bereits kurz nach dem Ende der vergangenen Saison im Juni ist die Torlinientechnik in der HDI-Arena installiert worden. Etwa drei Tage dauerte es, bis die Technik vollständig in der Arena angebracht war und der britische Anbieter Hawk-Eye die Kameras kalibriert, also genau auf die Torlinien im Stadion am Maschsee abgestimmt hatte, erklärt Meier.

Aufnahmen erst in der Halbzeitpause

Nach mehreren Testläufen im Vorfeld wird es für die neue Technik Sonnabend im Spiel gegen Leverkusen ernst. Etwa zwei Stunden vor dem Anpfiff, wenn der Schiedsrichter den Platz in Augenschein nimmt, wird auch die Toranzeige einem letzten Test unterzogen. Die sieben Kameras, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Tor gerichtet sind, funken ihre Bilder dazu an einen Zentralcomputer. Überquert der Ball die Torlinie in vollem Umfang, schickt dieser Computer ein Signal an die Armbanduhr, die der Schiedsrichter am Handgelenk trägt. Vibriert die Uhr nicht und erscheint keine „Goal“-Anzeige auf dem Display, wird ein vermeintliches Tor wohl eher nicht gegeben werden. Etwa 8000 Euro kostet 96 die neue Gerechtigkeit pro Heimspiel.

Die Zuschauer im hannoverschen Stadion bekommen den Videobeweis allerdings nicht wie bei der Fernsehübertragung direkt nach einer womöglich strittigen Szene zu sehen. So wie keine Wiederholungen von Spielsituationen direkt im Anschluss auf der Multimediawand zu sehen sind, wird auch der Videoentscheid zum Tor nicht gezeigt. „Sonst hätten wir faktisch den Videobeweis“, heißt es dazu von Hannover 96. Erst in der Halbzeitpause, wenn die Höhepunkte der ersten 45 Minuten gezeigt werden, sehen auch die Fans in der HDI-Arena, was das sogenannte Hawk-Eye gesehen hat.

Käme die neue Torlinientechnik heute zum Einsatz, wäre es für die 96-Spieler keine Neuheit mehr. Schon im ersten Saisonspiel bei Darmstadt 98 gab es den historischen Moment - nicht nur für die „Roten“, sondern für die gesamte Bundesliga. Als der Ball in der 28. Minute nach einem Kopfball von Kenan Karaman an die Latte des Darmstädter Tores und von dort kurz vor die Torlinie prallte, kam die neue Technik zu ihrem ersten Einsatz in der Bundesliga - obwohl für Schiedsrichter Felix Brych und für die meisten Zuschauer im Stadion auch mit bloßem Auge zu sehen war, dass der Ball die Linie nicht überquert hatte.

Mehr Gerechtigkeit im zweiten Anlauf

Das heftig umstrittene Phantomtor von Leverkusens Stefan Kießling im Spiel gegen Hoffenheim und zwei Anträge waren notwendig, um die Bundesligavereine von der Einführung der Torlinientechnologie zu überzeugen. Noch im März 2014 schmetterten die Vertreter der Bundesliga die Torlinientechnik mit großer Mehrheit ab. Bei den Erstligisten stimmten je neun Vereine für und gegen die Einführung eines technischen Hilfsmittels. Bei den Zweitligisten fiel die Abstimmung noch deutlicher aus, nur drei Clubs votierten für die Torlinientechnologie.
Im Dezember 2014 kam das Umdenken: Die Clubs der 1. Bundesliga stimmten mit 15:3 für deren Einführung ab der kommenden Spielzeit im Fußball-Oberhaus. Hannover 96 hatte sich in beiden Abstimmungen für die Einführung ausgesprochen. Andere Vereine ließen sich erst im zweiten Anlauf überzeugen, als Kosten durch den britischen Anbieter Hawk-Eye klarer definiert waren und nur die Etablierung in der höchsten deutschen Spielklasse zur Debatte stand. Die Torlinientechnik kommt auch in den DFB-Pokalspielen zum Einsatz. Allerdings nur in den Stadien der Erstligisten.

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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