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Nie mehr 2. Liga? Was für ein Irrtum!

Hannover 96 Nie mehr 2. Liga? Was für ein Irrtum!

Nie mehr 2. Liga: Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht klappen. Acht Spieltage haben 96-Fans noch Zeit, sich daran zu gewöhnen, dass sie bei Heimspielen demnächst sonnabends um 13 Uhr im Stadion sein müssen. Doch wie und mit wem kommt Hannover 96 wieder nach oben? 

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März 2002: Für die Fans von Hannover 96 steht fest, dass die Zweitligajahre für immer der Vergangenheit angehören. 14 Jahre später scheint es doch wieder runterzugehen in die 2. Liga.

Quelle: Imago

Hannover. Den gut gelaunten hannoverschen Fußballfans, die Ende März 2002 im Stadion große, weiße Pappschilder mit schwarzen Buchstaben und zwei roten Zahlen in die Luft hielten, kann man für ihren Irrtum aus heutiger Sicht keinen Vorwurf machen. Damals vor 
14 Jahren herrschte im Stadion, das noch AWD-Arena hieß, etwas, was heute so schmerzlich vermisst wird: Begeisterung. Auf dem Platz und auf den Zuschauerrängen. Hannover 96 spielte zwar noch in der 2. Liga, aber Ende März 2002 gab es keine Zweifel mehr daran, dass die Saison mit dem Aufstieg in die 1. Liga enden würde (so kam es dann auch). Also bastelten die 96-Fans ihre Buchstaben und Zahlen und zeigten sie auf der Tribüne: „Nie mehr 2. Liga. Danke, 96.“

Nie mehr 2. Liga? Schön wär’s. Wenn nicht ein Wunder in XXXL-Größe geschieht, dann wird am 14. Mai nach 14 Jahren erst einmal Schluss sein mit Erstligafußball in Hannover. Weiter geht es am 5. August, dann ist Saisonstart in der 2. Liga, für die die „Roten“ am Dienstag die Lizenzunterlagen einreichen müssen.

Acht Spieltage haben 96-Fans noch Zeit, sich daran zu gewöhnen, dass sie bei Heimspielen demnächst sonnabends um 13 Uhr im Stadion sein müssen. Es ist ein schmerzlicher Prozess, begleitet von Ärger, Enttäuschung und, ja, auch Wut angesichts von Vorstellungen wie zuletzt beim 1:4 gegen Werder Bremen und beim 0:2 gegen den 1. FC Köln.

Hannover 96 gegen den 1. FC Köln - die besten Bilder des Spiels.

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Hannover 96 entwickelt ein sehr eigenwilliges Gespür für große Geburtstage. 1996, zum Hundertjährigen, stieg der Verein in die 3. Liga ab. Jetzt, mit 120 Jahren, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zurück in die 2. Liga gehen. Und weil aufsteigen schwerer ist als nicht abzusteigen, steht 96 vor einer gewaltigen Herausforderung, wenn man - Stand jetzt - in München möglichst schnell wieder gegen den FC Bayern und nicht gegen den TSV 1860 spielen möchte.

„Wenn es so kommt, ist unser Ziel natürlich der Wiederaufstieg, das ist klar“, sagt 96-Clubchef Martin Kind. „Wir sind gefallen, also müssen wir wieder aufstehen.“ Doch zu glauben, dass es nach einem Abstieg „automatisch“ wieder nach oben geht, hält Kind „für eine fatale Fehleinschätzung der 2. Liga. Wenn wir absteigen, dann ist ein Neuaufbau notwendig. Und der muss sehr professionell geplant werden.“

Bis Ende März, möglichst schon nach dem Spiel am Sonnabend bei Eintracht Frankfurt, will Kind Klarheit in der Trainerfrage haben. Will Trainer Thomas Schaaf, dessen Vertrag bis 2017 nur für die 1. Liga gilt, auch in der 2. Liga bleiben? Will oder muss sich der Verein nach Alternativen umschauen? Im Umfeld des Clubs werden die Namen von Mirko Slomka (vereinslos) und Markus Kauczinski (hört am Saisonende beim Zweitligisten Karlsruher SC auf) bereits gehandelt. Erster Ansprechpartner soll aber Schaaf sein.

Die 96-Anhänger waren nach der Niederlage gegen den 1. FC Köln wütend, ließen ihren Frust mit Versager-Rufen und bösen Worten an den Profis aus.

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Und die Spieler? Der Satz von Geschäftsführer Martin Bader, dass „90 Prozent der Spieler Zweitligaverträge besitzen“, beunruhigt viele Fans, die berechtigte Zweifel hegen, ob man Profis, die bereits in der 1. Liga keine Leidenschaft zeigen, eine Etage tiefer motivieren kann, zumal sie dann 40 Prozent weniger verdienen werden. „Theoretisch haben wir eine hohe Konstanz“, sagt Kind. Doch Ausstiegsklauseln wie zum Beispiel bei Ron-Robert Zieler, Andre Hoffmann und Hiroshi Kiyotake sowie Angebote, die für Spieler wie Salif Sané eintrudeln werden, dürften spätestens nach dem letzten Spieltag für ein munteres Kommen und Gehen bei 96 sorgen.

Unabhängig davon hat der Verein einen Trumpf in den Händen, der, wenn man ihn richtig einsetzt, nach dem Abstieg von Bedeutung sein wird. „Andere Vereine geraten dann nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich in Schieflage. Wir nicht“, sagt Bader.

„Wirtschaftlich haben wir erfolgreich gearbeitet“, sagt Kind. 96 musste Ex-Trainer Michael Frontzeck eine Abfindung zahlen und hat trotz der Trennung Manager Dirk Dufner, den Architekten des Abstiegs, noch auf dem Lohnzettel. Die Saison aber wird 96, auch wenn Kind das nicht bestätigen möchte, mit einem Plus abschließen. „Das wäre aller Ehren wert. Und bei allem Mist, den wir haben, für jeden Fan eine positive Botschaft“, sagt Bader. Wenigstens eine.

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