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„Absteigen ist ein schlimmes Gefühl“

Oliver Sorg im HAZ-Interview „Absteigen ist ein schlimmes Gefühl“

Als Kind haben sie ihn wegen seines Plans, Fußballprofi zu werden, ausgelacht. Doch 96-Neuzugang Oliver Sorg hat es geschafft, und nun läuft er für die "Roten" auf. Den Abstieg mit Freiburg in der Vorsaison hat er noch ganz verdaut – und er will sich alle Mühe geben, so etwas mit seinem neuen Club nicht noch einmal zu erleben. 

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„Das Bauchgefühl hat gestimmt“: Oliver Sorg fühlt sich wohl in Hannover.

Quelle: Sielski

Hannover. Herr Sorg, vorige Woche hat Hannover 96 die neue Heimspielkollektion präsentiert. Haben Sie schon ausprobiert, ob die Stutzen passen?

(lacht) Die 96-Stutzen passen sehr gut, ich habe sogar eine kleinere Größe bestellt, weil sie mir viel zu groß waren.

Sie schummeln. Aus absolut sicherer Quelle weiß ich, dass Sie Spezialanfertigungen benötigen, weil Ihre kompakten Waden nicht in normale Stutzen passen.

Nein, eine Sonderanfertigung brauche ich nicht. Vor zwei Jahren in Freiburg musste ich mal die Stutzen aufschneiden und dann mit Tape zukleben, weil sie zu eng waren. Im letzten Jahr hat aber alles gepasst, auch bei 96 gibt es damit keine Probleme.

Bislang haben Sie nur das Trikot des SC Freiburg getragen, neun Jahre lang von der Jugend bis zur Profimannschaft. Nun haben Sie die 96 als Logo auf der Brust. Ein komisches Gefühl?

Die rote Farbe ist mir ja nicht allzu fremd. Hier ist alles etwas größer, aber daran kann man sich gewöhnen, weil es dennoch überschaubar ist.

Warum haben Sie sich für Hannover 96 entschieden?

Weil ich von Anfang an ein sehr gutes Gefühl hatte. Das Bauchgefühl hat gestimmt - und darauf soll man ja hören.

Sie haben vor ein paar Wochen geheiratet. Hatte Ihre Frau Carina ein Mitspracherecht bei der Auswahl des neuen Vereins?

Natürlich haben wir darüber gesprochen und uns darauf geeinigt, dass ich beim Fußball das mache, was ich für richtig halte. Sie freut sich genau wie ich, in Hannover zu sein.

Vom Hegauer FV über den FC Singen 04 sind Sie als 16-Jähriger beim SC Freiburg gelandet. War Fußballprofi auch als kleiner Junge schon Ihr Traum?

Schon immer. In der Schule haben sie mich manchmal ausgelacht, wenn ich gesagt habe, dass ich Fußballprofi werden will. Jetzt lachen sie nicht mehr.

Haben denn die Lehrer in der Schule an Sie geglaubt?

Der ehemalige Religionslehrer von meiner Frau und mir, Rüdiger Kopp, hat uns vor Kurzem kirchlich getraut. Auf der Hochzeit hat er erzählt, dass er mich in seinem Unterricht gerne als Beispiel dafür nimmt, dass jemand seine Ziele erreichen kann, wenn er nur fest daran glaubt. Darüber habe ich mich gefreut.

Jetzt sind Sie seit dreieinhalb Jahren Profi. Ist das Leben so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Ich wusste, dass es kein einfacher Beruf ist, dass es mehr ist als nur Fußball spielen, viel Geld verdienen und im Fernsehen zu sein. Mir war klar, dass man auch vor und nach dem Training eine Menge tun muss. Das bekomme ich gut hin, ich fühle mich wohl.

Gehört das Beschriften von Eckfahnen des FSV Inningen auch zum Profileben?

Das war nicht meine Idee. Vor zwei Jahren habe ich meinen Bruder Patrick in Augsburg besucht. Da wollten die Vereinsverantwortlichen des FSV, dass ich Motivationssprüche auf die Eckfahnen schreibe.

Können Sie sich noch an die Sprüche erinnern?

Nein, aber es ist gut möglich, dass ich etwas wie „Nie aufgeben!“ geschrieben habe.

Das würde auch zum SC Freiburg passen. Ein Tor mehr am letzten Spieltag der vergangenen Saison in Hannover, und Sie würden jetzt nicht hier sitzen ...

Vielleicht schon, wenn 96 dann in der Relegation gegen Karlsruhe gewonnen hätte.

Okay.

Aber es stimmt schon, die Saison war ganz schön wild, ich will auch gar nicht viel darüber reden. Der Abstieg mit Freiburg hat mich sehr traurig gemacht. Vielleicht wäre es einfacher zu akzeptieren gewesen, wenn die Situation klarer und nicht so eng gewesen wäre. Wobei: Ob man nun absteigt, weil ein Tor oder 15 Tore fehlen, ist egal. Es bleibt ein schlimmes Gefühl.

Ein schönes Gefühl muss es hingegen für Sie gewesen sein, als SC-Trainer Christian Streich Sie zum Profi gemacht hat. Der Anruf soll jedoch zu einer ungünstigen Zeit gewesen sein.

Ich habe damals mit der Familie Urlaub in Miami gemacht. Der Anruf, dass ich ins Trainingslager nachkommen soll, kam um 5 Uhr morgens. Ich habe die ganze Familie geweckt. Wir haben überlegt, wie und wann ich möglichst schnell aus Miami ins Trainingslager der Profis nach Spanien fliegen kann. Das hat funktioniert, die zweite Urlaubswoche in Tampa, die wir nur meinetwegen gebucht hatten, weil ich unbedingt am Strand liegen wollte, habe ich allerdings ganz verpasst.

Hat wenigstens 96-Trainer Michael Frontzeck zu einer christlichen Zeit angerufen?

Ja, aber die Situation war wieder kurios. Ich war gerade auf dem Bodensee und habe Stand-up-Paddling gemacht - mit meinem Hund vorn drauf.

Mit Hund und Handy auf dem Wasser?

Meine Frau fuhr mit dem Kanu nebenher und hat mir das Handy gegeben. Es sind immer wieder kuriose Situationen, wenn die Trainer bei mir anrufen. Wäre nicht schlecht, wenn sich mal einer meldet, wenn ich zu Hause auf dem Sofa liege.

Im Bett sollen Sie als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen haben.

Mein Vater und mein Bruder sind große Bayern-Fans. Ich habe den Trend mitgemacht. Ich mag die Bayern, aber mit den Jahren wird es weniger.

Wissen Sie, was Sie mit Dietmar Beiersdorfer, Hanno Balitsch und Martin Max gemeinsam haben?

Oje. Nein.

Stichwort Nationalelf.

Wir haben alle ein Spiel gemacht. Richtig?

Genau. Sie waren beim 0:0 gegen Polen im Mai 2014 dabei. Ist das Thema für Sie erledigt?

Ich versuche, meine Arbeit bei 96 zu machen und die bestmögliche Leistung zu bringen. Alles andere entscheidet der Bundestrainer. Natürlich würde ich mich über eine Einladung freuen. Ich mache mich aber nicht verrückt, wenn ich nicht dabei bin. Wenn es bei einem Spiel bleiben sollte, habe ich kein Problem damit.

Wie muss die kommende Saison laufen, damit Sie mit sich zufrieden sind?

Es soll auf keinen Fall so enden wie meine letzte Saison beim SC Freiburg. Ich möchte so viele Spiele wie möglich machen. Ich wünsche mir, dass wir am Ende alle zufrieden sind mit dem, was wir dann erreicht haben.

Interview: Christian Purbs

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