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Warum schaden 96-Fans ihrem Club?

Pyros bei Union-Spiel Warum schaden 96-Fans ihrem Club?

Fußball-Zweitligist Hannover 96 hat das Zünden von Rauchtöpfen und das Abbrennen von Bengalos im Gästeblock Anfang der zweiten Halbzeit im Spiel bei Union Berlin (1:2) verurteilt, will aber die Gespräche mit der aktiven Fanszene fortsetzen. Der Club muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen.

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Pyrotechnik in der 96-Fankurve beim Auswärtsspiel bei Union Berlin.

Quelle: Maike Lobback/Montage

Hannover. „Hannover 96 missbilligt den Pyro-Einsatz im Stadion. Das ist gefährlich für alle und etwas, was wir nicht tolerieren“, sagte Geschäftsführer Martin Bader der HAZ. „Wir wollen aber keine Pauschalurteile fällen und werden unsere Haltung im Dialog mit den Fans weiter nachdrücklich verdeutlichen, so lange, bis es bei allen ankommt.“  Weil das Spiel am Sonntag für dreieinhalb Minuten unterbrochen werden musste, erwartet 96 eine empfindliche Geldstrafe, voraussichtlich nicht unter 20 000 Euro. „Das Geschehen in Berlin schadet dem Verein - und damit allen. Es wirft ein schlechtes Bild auf Hannover 96 und kostet womöglich zudem eine Stange Geld“, sagte Bader.

Stefan Petersen, Sprecher der Polizei Berlin, bestätigte Ermittlungen „gegen unbekannt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz“. Die Frage, ob sich die Ermittlungen auch gegen Ordner von Union Berlin richten, die möglicherweise geholfen haben, die Rauchtöpfe und Bengalos in den Fanblock zu schmuggeln, wollte der Behördensprecher nicht beantworten. „Derzeit werden unter anderem die Aufnahmen der Kameras im Stadion ausgewertet. Das kann noch eine Weile dauern“, sagte Petersen.

Nach Meinung eines 96-Anhängers, der sich im Stadion in unmittelbarer Nähe des Geschehens befand, hätten Ordnungskräfte die Möglichkeit gehabt, das Zünden der Rauchtöpfe zu verhindern. „In der Pause konnte man beobachten, wie die 96-Fans die Rauchtöpfe seelenruhig am Zaun angebracht haben“, sagte der Fan, der nicht genannt werden möchte. „Die Ordner und Polizisten, die vor dem 96-Block standen, haben das auch mitbekommen. Dass da keine Teelichter angezündet werden sollen, hätte eigentlich jedem klar sein müssen.“

Ein Geheimnis machten die Chaoten aus Hannover aus ihrem Vorhaben jedenfalls nicht. „Die haben in der Halbzeit an der Bratwurstbude herumposaunt, dass alles fertig ist und es gleich losgehen wird“, berichtete der 96-Anhänger. „Und auf der Rückfahrt im Regionalexpress haben sie sich damit gerühmt, dass sie die Videos gerade auf Youtube hochgeladen haben.“ 96 wird laut Bader „nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern das, was in Berlin passiert ist, mit Fanbeirat, Fanbeauftragten und den Sicherheitsbeauftragten aufarbeiten“.

Neunter Spieltag in der 2. Bundesliga: Hannover 96 unterliegt beim Auswärtsspiel in der Hauptstadt Union Berlin mit 1:2.

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Sorgen vor Derby gegen Braunschweig

Bereits beim letzten Heimspiel gegen den FC St. Pauli vor der Länderspielpause hatten einige Fans in der Nordkurve die 96-Verantwortlichen an der Nase herumgeführt. Vor dem Nordduell hatten sie ein vom Club genehmigtes Transparent mit dem Spruch „Kämpfen bis die Fetzen fliegen“ aufgehängt. Doch nach dem Anpfiff verschwanden zwei Buchstaben, und aus dem Motivationsspruch wurde eine Beleidigung der Gäste auf niedrigstem Niveau,  von der sich 96 distanzierte.

Dass es bei zwei aufeinanderfolgenden Begegnungen zu unschönen Vorkommnissen kam, wird im Umfeld des Clubs mit großer Sorge betrachtet. Denn am 6. November steht das als Risikospiel eingestufte Derby bei Eintracht Braunschweig an.

„Wir wollen kein Theaterpublikum“

Bis Anfang Oktober hatten die 96-Fans in der Nordkurve ihre Mannschaft während der 90 Minuten vorbildlich und friedlich unterstützt - in der HDI-Arena und auswärts. Auch deshalb ist der Verein bemüht, die Fans nicht über einen Kamm zu scheren. „Wir wollen kein Theaterpublikum. Wir haben eine große und vielfältige Fanszene, und darauf sind wir stolz“, sagte Bader. Auch in Berlin sei die Stimmung „klasse“ gewesen: „Aber es geht auch ohne Rauch.“

Für Holger Hilgenberg, Sprecher der Polizeidirektion Hannover, handelt es sich bei den Pyro-Aktivisten in Berlin nicht um Fußballfans, sondern um „Straftäter, die unter dem Deckmantel des Fußballs sich selbst darstellen wollen“.

Von Tobias Morchner, Christian Purbs und Heiko Rehberg

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Stellungnahme
Die 96-Ultra-Gruppe Brigade Nord will nach eigenen Angaben alle publikumswirksamen Aktivitäten einstellen.

Die Ultra-Gruppe Brigade Nord will in Zukunft publikumswirksame Aktivitäten einstellen. Das gab die Gruppe in einer Stellungnahme bekannt. Grund dafür sei, dass eines der Banner abhanden gekommen ist. Es befinde sich „in den Händen des größten Rivalen“.

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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