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96-Sportdirektor im Interview

Schmadtke: „Klub ist gut aufgestellt"

Von Christian Purbs

Sportdirektor Jörg Schmadtke sieht Hannover 96 mit den Verlängerungen von Pander und Schmiedebach sowie der Verpflichtung des Stürmers Diouf gut aufgestellt. Auch Kind und Slomka seien glücklich. Der Sportdirektor über Transferhektik, den 5. Platz und Schwarzseher.
Foto: Vergnügungssteuerpflichtig waren die vergangenen Wochen für 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke nicht.

Vergnügungssteuerpflichtig waren die vergangenen Wochen für 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke nicht.

© Petrow

Hannover. Herr Schmadtke, die Transferperiode ist vorbei. Hat Ihnen als 96-Sportdirektor am Mittwoch etwas gefehlt?

Ich hatte weniger Anrufe von Beratern und Journalisten. Das war ganz angenehm. Das Geschäft geht aber ganz normal weiter. Es ist jetzt nur ein wenig entspannter, weil die große Hektik raus ist.

Sie haben die Verträge mit Manuel Schmiedebach und Christian Pander verlängert und mit Mame Diouf eine Verstärkung für den Angriff verpflichtet. Zufrieden mit Ihrer Bilanz?

Es geht nicht um meine Bilanz, sondern darum, dass der Klub gut aufgestellt ist.   Ich denke, dass uns das mit den beiden Verlängerungen und der Verpflichtung von Diouf auch mittelfristig gelungen ist.

Ist auch der Rest der 96-Troika, also Klubchef Martin Kind und Trainer Mirko Slomka, mit Ihrer Arbeit zufrieden?

Die sind beide glücklich.

Kurz vor Ende der Wechselfrist gab es noch den Transfer des Wolfsburger Stürmers Srdjan Lakic ...

... der jetzt doch ausgeliehen ist.

Und zwar zu 1899 Hoffenheim. Auch 96 hätte Lakic gerne geholt. Gibt es da bei Ihnen einen bitteren Beigeschmack?

Das ist in diesem Geschäft leider Gottes so. Dinge, die gestern unumstößlich waren, werden am letzten Tag noch einmal geändert. Deshalb kommt am Ende auch so eine große Hektik auf.

Welcher Teil Ihrer Arbeit war der stressigste in den vergangenen Wochen?

Vergnügungssteuerpflichtig waren die vergangenen Wochen nicht, weil da eine deutliche Ungeduld in der ganzen Transfer-Thematik drin war.

Etwas mehr Zurückhaltung hätte Ihre Arbeit leichter gemacht ...

Weniger Öffentlichkeit ist mir wesentlich lieber, weil es die Dinge vereinfacht. Je früher Namen in der Öffentlichkeit im Umlauf sind, desto schwieriger werden die Gespräche mit den Spielern und Beratern.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Spielerberatern?

In der Regel gut. Man sollte aber nicht so tun, als ob das die besten Freunde sind. Ich habe die Funktion, den Verein gut zu vertreten, die Berater sollen ihren Spieler gut vertreten. Manchmal sind sie sehr hilfreich, weil sie uns auch unterstützen, etwa wenn bei einem Spieler noch Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Manchmal sind die Gespräche aber auch sehr schwierig.

Mit Diouf haben Sie einen neuen Stürmer geholt. Hätte 96 da nicht auch einen Stürmer abgeben können? Artur Sobiech soll angefragt haben, ob er nicht ausgeliehen werden kann, um sich durch mehr Spielpraxis für die polnische Nationalmannschaft zu empfehlen.

Er hat nicht angefragt. Nachdem der Diouf-Transfer klar gewesen war, hat der Berater von Sobiech mich gefragt, ob sich dadurch die Situation von Sobiech bei 96 verändert und er aktiv werden soll. Ich habe ihm gesagt, dass er nicht aktiv zu werden braucht. Wir werden schauen, wie sich Sobiech bis zum Ende des Frühjahrs entwickelt, dann werden wir uns noch einmal zusammensetzen und eine Entscheidung treffen.

Nach dem 0:0 bei 1899 Hoffenheim haben Sie gesagt, dass die Mannschaft in der öffentlichen Diskussion deutlich zu schlecht wegkommt und man das Gefühl haben könnte, 96 stünde kurz vor einem „Volldesaster“. Wie erklären Sie sich eigentlich die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und Ihrer Einschätzung?

Vor dem Spiel gegen Nürnberg habe ich gelesen, dass wir seit 96 Tagen ohne Sieg sind. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir Mitte Dezember ein Heimspiel in der Europa League gewonnen ...

... das wichtige 2:1 in Kopenhagen fehlt in dieser Rechnung auch.

Jetzt kann man natürlich sagen, das eine ist Bundesliga, das andere Europa League, und sich so die Dinge zurechtschieben, wie man will. Hauptsache, die Schlagzeile ist groß und plastisch. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: In den Himmel heben oder versuchen, in den Keller zu reden. Wir haben vor der Saison gesagt, dass wir unter die ersten zehn in der Bundesliga wollen. Wir sind seit Saisonbeginn unter den ersten zehn. Wir haben vier Punkte Abstand auf den  5. Platz und stehen damit über dem, wo wir uns zu Beginn der Saison gesehen haben. Außerdem haben wir die K.-o.-Phase der Europa League erreicht. Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass alles sehr dunkel gesehen wird.

Durch den Erfolg gegen den „Club“ aus Nürnberg haben die „Roten“ Anschluss an die Europapokalplätze gehalten. Geben die Ergebnisse aus den nächsten Auswärtsspielen in Berlin und Mainz die weitere Richtung für 96 vor?

In Berlin haben wir die Möglichkeit, uns da oben richtig festzubeißen. In den nächsten beiden Auswärtsspielen haben wir eine gute Chance, uns nachhaltig für Platz 5 zu bewerben.

Angenommen, 96 schafft den 6. Platz und qualifiziert sich erneut für die Europa League. Welche Leistung würden Sie höher einschätzen: die der vergangenen Saison mit Platz 4 oder die aktuelle?

Die aus dieser Saison, weil die Mannschaft damit die vorige Saison bestätigen und eine deutliche Entwicklung sichtbar würde. Die Mannschaft leistet Großartiges, auch wenn man an die wirtschaftlichen Bedingungen in Hannover denkt: Mit Hoffenheim, Wolfsburg, Stuttgart und dem HSV stehen vier der großen Klubs hinter uns.

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