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Schmadtke will die „Roten“ verlassen

Sportdirektor hört auf Schmadtke will die „Roten“ verlassen

Jörg Schmadtke steht bei Hannover 96 vor dem Absprung. Der Sportdirektor der „Roten“ hat Klubchef Martin Kind um die Auflösung seines unbefristeten Vertrags gebeten, der Zeitpunkt seines Abschieds ist aber noch nicht klar.

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Sportdirektor Jörg Schmadtke will aus persönlichen Gründen aus Hannover fort.

Quelle: Petrow

Hannover. Die nächsten Wochen werden außerordentlich spannend für Hannover 96. Viel spannender und aufregender als erwartet – und leider auch nicht nur im sportlichen Bereich. Die Mannschaft kämpft in Leverkusen und gegen Kaiserslautern um einen Platz in der Fußball-Europa-League. Die Hauptarbeit aber kommt auf Martin Kind zu. Der Klubchef, der am heutigen Sonnabend 68 Jahre alt wird, muss schnell einen neuen Sportdirektor von Format finden. Jörg Schmadtke, der bisherige Amtsinhaber, hat um die Auflösung seines unbefristeten Vertrages gebeten – und Schmadtke hat in Hannover Maßstäbe gesetzt.

Kind machte am Freitag klar, dass er der Bitte Schmadtkes, wenn auch schweren Herzens, nachgeben wird. „Wir werden uns nach dem Saisonfinale gegen Kaiserslautern zusammensetzen und alles regeln“, sagte der Klubchef und fügte an: „Schade, wir hätten Jörg Schmadtke gern behalten.“ Mit potenziellen Nachfolgern habe er sich noch nicht beschäftigt. „Bis Donnerstagabend habe ich darauf gehofft, dass Herr Schmadtke in Hannover bleibt“, sagte Kind. Trainer Mirko Slomka, der am Abend zuvor vom Sportdirektor persönlich informiert worden war, erklärte hingegen: „Ich habe den Wunsch und die Überzeugung, dass wir auch künftig gemeinsam erfolgreich für Hannover 96 arbeiten können.“

Die Absicht des Sportdirektors, der seit 2009 bei 96 ist, wurde plötzlich und zeitlich am Tag vor dem wichtigen Leverkusen-Spiel sehr unglücklich für den Verein öffentlich. Und doch kam Schmadtkes Ansinnen nicht überraschend. „Es gab zwischen uns mehrere Gespräche, in denen er seinen Wunsch zum Ausdruck brachte“, sagte Kind. „Es ging um seine familiäre Situation, und die privaten Argumente kann ich im vollen Umfang teilen.“

„Es tut mir leid“, sagte Schmadtke, „aber ich bitte um Verständnis: Es ging so einfach nicht mehr.“ Der 48-Jährige gesteht, dass familiäre Gründe gravierend, aber nicht einzig ausschlaggebend für seinen Ausstiegswunsch gewesen seien – seine Frau und seine Tochter leben in Düsseldorf. 2013 wollten sie eine gemeinsame Wohnung in Hannover nehmen. Es sei aber auf keinem Fall der Kontakt zu einem anderen Verein wie dem 1. FC Köln gewesen, wie immer wieder kolportiert wurde, versicherte Schmadtke. „Es gibt keinen anderen Klub. Das Gesamtpaket hat einfach nicht mehr gepasst.“ Sprich seine Situation bei 96, wo es zu viele Reibungspunkte gegeben habe.

Auch wenn Schmadtke bemüht ist, keine Namen zu nennen, so wird doch schnell klar, wer und was gemeint ist: das Nichtverhältnis des Sportdirektors zu Slomka. Beide sind in der Zusammenarbeit regelmäßig aneinandergeraten. Meistens dann, wenn es um Transfers ging. Slomka stellte Forderungen, und Schmadtke war bemüht, sie umzusetzen. Aber immer nur bis zu einem bestimmten Punkt. Manchmal – so schien es – verblüffte er mit seinen Lösungen sogar den Trainer. Wie er etwa in norwegischen Gewässern fischte und kostengünstig Torjäger an Land zog, das war schon beeindruckend.

Zuletzt war Schmadtke merklich angesäuert darüber, wie Slomka sich bei der Vertragsverlängerung von Lars Stindl („Unser Angebot muss wenigstens in die Nähe der Gladbacher kommen. Das habe ich auch unserem Präsidenten Martin Kind gesagt“) in den Vordergrund gespielt hatte. Es war nur ein Mosaiksteinchen, aber eben eines von zu vielen.

Schon im Januar – bei einem Empfang des Niedersächsischen Fußballverbandes – hatte Kind seine leitenden Angestellten zu einer besseren Zusammenarbeit aufgefordert. Was damals wie ein verbaler Ausrutscher wirkte, war im Rückblick wohl ein Versuch, die Dinge einzurenken. Am Freitag sagte er: „Die beiden sind sehr unterschiedliche Charaktere. Sie standen beide für Erfolg. Es gab keinen Grund, da irgendetwas zu verändern.“

„Wenn es bei 96 gepasst hätte“, sagte Schmadtke, „dann hätte es vielleicht eine Regelung geben können. So ist es eher ausgeschlossen.“ Aus heutiger Sicht, gestand er, sei es ein Fehler gewesen, Mitte März 2011 sein Engagement bei den „Roten“ per unbefristeten Vertrag zu verlängern. Nach Informationen dieser Zeitung konnte Schmadtke demnach frühestens 2014 aus dem Kontrakt aussteigen. Nun wird der Vertrag aber wohl schon am 7. Mai, dem Montag nach dem letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, aufgelöst.

Heute wird Schmadtke in Leverkusen sein und 96 „selbstverständlich ganz fest die Daumen Drücken“, wie er sagte. „Solange ich in der Verantwortung stehe, werde ich weiter alles für den Klub geben.“ So, wie man es von ihm gewohnt ist. Und bis zu seiner Vertragsauflösung wird er noch einige Transfergespräche führen, schließlich hat er an der Marschroute für die neue Saison kräftig mitgearbeitet. Man kann nur hoffen, dass er bis dahin noch mal ein Schnäppchen à la Ya Konan oder Abdellaoue klarmacht, bevor er geht.

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