Mal kurz den Pinto vernascht: Gegen die personifizierten Gestelle aus Stahl hatte Jiri Stajner keine Probleme.
Der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga erfordert besondere Maßnahmen. Bei Hannover 96 gehört dazu anscheinend, fürs Training Spieler zu klonen oder zumindest den Anschein zu erwecken, hier gebe es Furcht einflößende Doppelgänger. Die Methode ist einfach: Man nehme ein Gestell aus Metall, streife ein Trikot darüber und postiere das Ganze in Strafraumnähe – fertig ist das Abwehrbollwerk! Mirko Slomka, der 96-Chefcoach, hat am Mittwoch zu dieser ausgefallenen Maßnahme gegriffen. Als die echten Leon Andreasen, Mario Eggimann, Steve Cherundolo und Sergio Pinto längst Richtung Kabine unterwegs waren, verbreiteten ihre Vertreter aus Stahl und Stoff weiter Respekt.
„Wahrnehmungstraining“ nennt Slomka diese Übungsform, bei der alle fünf 96-Stürmer (die echten) auf Zuruf des Trainers eine der imaginären Figuren umdribbelten, um dann den Ball ins Tor zu befördern. Mike Hanke muss sich dabei besonders komisch vorgekommen sein: Einer der künstlichen Kameraden trug ein Trikot mit seiner Rückennummer 9. Hanke verlädt Hanke und trifft – ein Aufbauprogramm der speziellen Art für einen seine Form suchenden Profi mit Blick auf das Heimspiel übermorgen gegen Frankfurt.
Auf das Duell mit den Hessen ist bei 96 alles fokussiert, seitdem mit dem Sieg in Freiburg die Aktion „Wir leben noch!“ initiiert wurde. Damit die im Breisgau erfolgreich gestarteten sportlichen Reanimationsmaßnahmen fortgeführt werden können, sind bei den „Roten“ derzeit zwei Helfer aus dem Hintergrund besonders präsent: Jürgen Freiwald, Bewegungswissenschaftler aus Wuppertal, und der Kölner Sportpsychologe Andreas Marlovits. Die Spezialisten, in der Regel zweimal die Woche in Hannover im Einsatz, waren am Mittwoch erstmals zusammen auf dem Trainingsplatz zu sehen – laut Slomka etwas „völlig Normales“. Beide müssten das „gesamte Gefüge“ kennen, um für ihre Arbeit die richtigen Ansätze zu haben. Freiwald etwa habe auf Spieler geachtet, die nach Verletzungspausen wieder richtig loslegen. Für Marlovits seien diese Eindrücke wichtig für dessen Gespräche mit den 96-Profis. An den normalen Abläufen ändere sich deshalb nichts: „Es gibt keinen Eingriff in meine Trainingsarbeit“, sagte Slomka.
Marlovits selbst zeigt sich nach außen hin wenig gesprächig. Etwas zu sagen gebe es erst, wenn 96 die Kurve gekriegt habe, meinte er. Stattdessen schulterte er nach dem Training ein prall gefülltes Ballnetz: Ein Psychologe muss schließlich auch wissen, wie schwer Bundesligaprofis an ihrer Arbeit zu tragen haben.
Dazu passte, dass Marlovits auf der Mehrkampfanlage hinterm Stadion auch einiges zu hören bekam. Etwa den Wutanfall von Leon Andresen, dem im Trainingsspiel der A- gegen die B-Elf der Kragen platzte, nachdem Jiri Stajner freistehend für die zweite Reihe zum 2:2 getroffen hatte. Der verbale Rundumschlag an die Adresse der Abwehrkollegen stieß bei Slomka nur auf bedingtes Verständnis. Ihn ärgerte viel mehr, dass die A-Elf zuvor mit ihren Möglichkeiten, den Torvorsprung auszubauen, zu leichtfertig umgegangen war. Zu viele Schnörkel und Ballverluste statt schnell zu passen oder mal ein Tempodribbling zu zeigen: Genau das möchte Slomka übermorgen gegen Frankfurt nicht sehen.
Norbert Fettback
Kommentare
Ein weiteres Endspiel Neu-Frankfurter aber Alt-96er – 10.03.10
Gegen Frankfurt sind mal wieder 120% Siegeswillen, Kampf und Konzentration gefragt.Als "Roter" in FFM weiß ich, dass die Spieler und die Fans der Eintracht (es werden relativ viele nach Hannover fahren) heiß sind auf das Spiel und planen die 3 Punkte fest ein.
Also, liebe Roten, lasst euch nicht überrennen, zeigt den Hessen von der ersten Sekunde an die Grenzen auf und setzt die Mannschaft von Beginn an unter Druck.. so haben wir die Chance! Ich hab nämlich keinen Bock zu sehen, wie die Frankfurter selbstbewusst aufspielen und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es bei uns im Tor klingelt.
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