Ob nun der zweifache Torschütze Jiri Stajner, Nachwuchsspieler Jaroslaw Lindner, der erstmals zum Bundesligakader der „Roten“ gehört hatte, oder Kotrainer Dirk Bremser, der beinahe zu spät zu dieser Runde gestoßen wäre: Zwei Dutzend ausgelassene Männer in durchgeschwitzten Trikots fassten sich an den Schultern, bildeten einen Kreis, tanzten wie wild und schrien die Freude über den ersten Saisonsieg heraus.
Einem schienen das fröhliche Tohuwabohu und die vielen Glückwünsche fast ein bisschen zu viel des Guten zu sein, denn die Rolle des Strahlemanns für öffentlichkeitswirksame Auftritte liegt ihm nicht so richtig. Dabei stand er am Sonnabend besonders im Blickpunkt: Andreas Bergmann, der Mitte der vergangenen Woche das Erbe des zurückgetretenen Cheftrainers Dieter Hecking angetreten hatte. „Ich habe gar nicht alles gehört, was da im Kreis gerufen wurde“, sagte der 50-Jährige. Aber das war auch gar nicht so wichtig: Entscheidend war, dass seine Botschaft an die verunsicherte Mannschaft zuvor angekommen war. 96 spielte Fußball mit Herz und einer großen Portion Leidenschaft – und präsentierte sich als ein Team, das auch ein verschossener Foulelfmeter nicht aus der Bahn werfen konnte. Mit dem Ergebnis, dass sich die „Roten“ nicht nur drei wichtige Punkte ergatterten und zumindest vorübergehend in der Tabelle auf Teams wie Bayern München oder 1899 Hoffenheim herabblicken; davon hätte vor einer Woche keiner zu träumen gewagt.
Auch für Bergmann könnte sich eine ungeahnte Perspektive eröffnen: Aus der Verlegenheitslösung, Cheftrainer zu sein, wird möglicherweise eine Dauerlösung: Der Daumen zeigt seit Sonnabend nach oben, wie 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke, der mit der Trainersuche beauftragt ist, anklingen ließ. „Ich schließe nichts aus“, sagte er. Klubchef Martin Kind äußerte sich in dieser Hinsicht bereits forscher. Bergmann habe bei einem Sieg auch gegen Hoffenheim (Trainer Ralf Rangnick spionierte in Nürnberg auf der Tribüne) am kommenden Sonnabend gute Chancen, seine Arbeit in der Bundesliga fortsetzen zu können. „Es wäre nicht klug, sich gegen jemand zu entscheiden, der erfolgreich ist“, sagte er. Vor laufender Kamera hatte Kind zuvor die Frage, ob ein 96-Sieg gegen Hoffenheim Bergmann die Weiterbeschäftigung in der 1. Liga garantieren würde, sogar geantwortet: „Auf jeden Fall.“
Drei Tage hatte der 50-Jährige Zeit gehabt, um beim 96-Team offensichtliche Blockaden zu lösen – anscheinend mit Erfolg. „Ich habe versucht, der Mannschaft das Gefühl zu geben, dass sie stark ist und dass sie mehr kann“, sagte Bergmann. Nicht nur das Ergebnis vom Sonnabend zeigte, dass er damit auf dem richtigen Weg ist, sondern auch das Gesamtbild, das 96 gegen den schwachen Aufsteiger abgab. Der Trainer habe viel positive Energie reingebracht, sagte Stajner, in Nürnberg als zweifacher Torschütze (15. und 86. Minute) der Spieler des Tages.
Zudem verschoss der Tscheche einen Foulelfmeter (54.); nachdem er beim ersten Versuch getroffen hatte, ließ Schiedsrichter Jochen Drees den Strafstoß mit der Begründung wiederholen, gleich mehrere Spieler seien zu früh in den 16-Meter-Raum gelaufen. Da aber zeigte Torwart Raphael Schäfer – einziger Nürnberger in Normalform – seine Klasse und wehrte Stajners Schuss ab. Dass er dabei regelwidrig weit vor der Torlinie stand, ignorierte der wahrlich nicht immer aufmerksame Drees.
96 ließ sich indessen nicht wie sonst oft von einem solchen Rückschlag nervös machen. Und das lag nicht nur am biederen Kontrahenten, sondern auch daran, dass die 96er den Kopf oben behielten und weiter diszipliniert ihren Stiefel herunterspielten. Als Stajner aus der Drehung in den rechten Winkel zum 2:0 getroffen hatte, wurde es schlagartig mucksmäuschenstill beim Nürnberger Anhang. Bei 96 aber ging die Party auf dem Rasen und auf den Rängen da erst richtig los.
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Kommentare
Bergmann ph.321 – 24.08.09
auch hier:gefeiert, später?
bei Misserfolgen folgt dann gleich: gefeuert!
Gebt ihm Zeit, nicht nur 2 Spiele, es kann nur besser werden.
manmanman hennich – 24.08.09
Es geht darum, wie gewonnen wurde!Und das gab es schon lange nicht mehr!
96 wird langsam zum Team!
auf und ab B. – 24.08.09
Um himmels Willen - was ist das denn für ein Artikel? Auf die gleiche Art und Weise in der Dieter Hecking vor kurzem noch niedergeschrieben wurde - genau auf diese Weise wird hier jetzt alles verherrlicht. Im Artikel steht etwas von 'Niemand hätte davon geträumt...'. Ja wovon denn geträumt, etwa das wir gegen Nürnberg gewinnen? Das halte ich für völlig normal und hat nichts mit Träumen zu tun. Weiterhin ist es wirklich erstaunlich in welcher Weise hier der neue Trainer gefeiert wird. Gebt ihm doch mal Ruhe und Zeit - ich sehe schon wie er auf die gleiche Weise niedergeschrieben wird.Es ist hier nur an die nüchterne Aussage von Chr. Schulz zu erinnern: 'Hier steckt noch eine Menge Dieter Hecking drin'.
Dieser Provinzjournalismus ist wirklich zum kotzen!