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Niclas Füllkrug träumt von der 1. Bundesliga

96-Stürmer im Interview Niclas Füllkrug träumt von der 1. Bundesliga

Vor dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden spricht Hannover-96-Stürmer Niclas Füllkrug über seinen gierigen Trainer, Vorfreude auf das Derby gegen Eintracht Braunschweig - und seine Torflaute.

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Füllkrug: "Ich bin noch nicht da, wo ich sein könnte."

Quelle: Archiv

Hannover. Hallo Herr Füllkrug, kurz nach Ihrem Wechsel von Nürnberg nach Hannover haben Sie gesagt, dass es ein Traum von Ihnen sei, für 96 im eigenen Stadion zu spielen. Wie war es denn, als Ihr Traum im ersten Heimspiel gegen Fürth in Erfüllung gegangen ist?

Das war schon etwas Besonderes, als die Fans meinen Namen gerufen haben. Ein super Gefühl, ein kleiner Gänsehautmoment. Ich war positiv überrascht von der Stimmung, ich mag es, wenn bei den Rufen der Fans auch starke Emotionen mitklingen.

Der Rückkehrer

Für Niclas Füllkrug war der Wechsel vom Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg zu 96 eine Rückkehr in seine Heimat. Der 23-jährige Stürmer ist in Ricklingen aufgewachsen, wo er in der Jugend für den TuS Ricklingen spielte und schon damals auf sich aufmerksam machte (kl. Bild). In der D-Jugend erzielte Füllkrug in einer Saison 205 Tore. Seine erste Profistation war Werder Bremen, danach spielte er in Fürth und in Nürnberg. Seine Frau Lisa kommt auch aus Ricklingen, die beiden kennen sich schon seit der Grundschule.

Sie sind in Hannover groß geworden, haben in der Jugend für den TuS Ricklingen gespielt. Standen Sie im Stadion bei Spielen von Hannover 96 als Fan auch in der Nordkurve?

Nicht im Fanblock, aber mit meinem Vater habe ich mir immer mal wieder Spiele angeschaut.

Können Sie sich an Partien mit Ihrem Trainer Daniel Stendel erinnern?

Klar, er war als Stürmer ein ganz anderer Typ als ich. Gut erinnern kann ich mich auch noch an eine Autogrammstunde der 96-Profis beim TuS Ricklingen. Da saß ich als kleiner Junge bei Altin Lala und Nebojsa Krupnikovic auf dem Schoß. Otto Addo war auch dabei, er war damals einer meiner Lieblingsspieler. Als A-Jugendlicher habe ich ihn ein paar Jahre später wiedergetroffen. Er konnte sich sogar noch an mich erinnern, weil ich ihm mal bei einem Turnier aufgefallen war.

Aus Ihrer Zuneigung für die „Roten“ haben Sie nie ein Geheimnis gemacht. Beschreiben Sie doch mal Ihr Verhältnis zu 96.

Auch als ich in Bremen und Nürnberg war, habe ich den Verein, der meine Heimatstadt repräsentiert, nie aus den Augen verloren. Eine lange Zeit war es so, dass es mit mir und 96 nicht geklappt hat, weil immer etwas dazwischengekommen ist. In diesem Jahr hatte ich jedoch die Eingebung, dass ich den Wechsel unbedingt will, weil es für mich wenig Geileres gibt, als für 96 zu spielen. Dieses Mal hat es auch so gepasst, dass ich gesagt habe: „Okay, das ist eine runde Sache, ich vertraue dem Weg, den 96 gehen will und bleibe noch einmal in der zweiten Liga.

So ein Jahr geht doch schnell vorbei.

Das wird man sehen. Ich denke, dass ich bei 96 eine deutlich bessere Perspektive habe als bei einigen Clubs aus dem unteren Drittel der Bundesliga. 96 ist einfach ein riesiger Verein. Herr Kind und Herr Bader (96-Clubchef und 96-Geschäftsführer, d. Red.) sind ja auch ein Risiko eingegangen, als sie nach dem Abstieg nicht alles zusammengekürzt haben. Bei vielen Clubs wird in so einem Fall erst einmal die halbe Geschäftsstelle gefeuert. Bei 96 hingegen vertrauen die Verantwortlichen auf ihre Mitarbeiter und investieren auch bei der Mannschaft in die Zukunft. Das imponiert mir.

Einen Traum haben Sie sich mit dem Wechsel zu 96 erfüllt. Wovon träumen Sie jetzt?

Ich bin zweimal am Aufstieg in die Bundesliga vorbeigeschrammt, habe zwei Relegationen gespielt und es zweimal nicht geschafft. Das dritte Mal soll es klappen. Es wäre schön, wenn ich bald noch ein paar Erstligaspiele sammeln kann und dann doch endlich da oben lande.

Den nächsten Schritt dazu können Sie am Sonntag im Spiel gegen Dynamo Dresden machen. Die Stimmung passt, es werden wieder fast 40 000 Zuschauer im Stadion sein. Nicht schlecht für zweite Liga, oder?

Natürlich gibt es in der Bundesliga auch besondere Spiele und Stadion, aber gerade in der zweiten Liga spielen so viele Mannschaften mit Tradition, das ist echt der Hammer. Da spielst du bei St. Pauli, hast ein Auswärtsspiel, bei dem alle gegen dich sind, und kriegst trotzdem eine Gänsehaut, weil dich die Atmosphäre unglaublich pusht. Oder Dresden, wo schon in der dritten Liga jedes Spiel mit 30 000 Zuschauern ausverkauft war. Und solche Stadien wie hier in Hannover und in Stuttgart, das ist doch Bundesliga pur. Es gibt auch einige positive Aspekte an der zweiten Liga.

Aber ein Jahr reicht dann auch ...

Ich bin ja schon ein paar Jahre in der zweiten Liga unterwegs. Aber natürlich will ich so schnell wie möglich nach oben.

Das will Trainer Stendel auch.

Ja, und dafür macht er alles. Er ist echt gierig - und das ist gut. Er ist fast nie zufrieden, will, dass wir immer noch etwas besser machen. Und das bei einer Mannschaft, die oben dabei ist. Das ist überragend. Er will jedes Detail verbessern und lässt uns nie in Ruhe. Selbst wenn wir als Spieler denken, heute könnte es beim Training auch mal ein bisschen lockerer sein, gibt er Vollgas. Ich bin mir sicher, dass er mich noch ein ganzes Stück weiterbringen kann. Auf dem Platz, aber auch persönlich.

Anfang November steht das Derby bei Eintracht Braunschweig an. Gerade für Sie als Hannoveraner dürfte das kein normales Spiel sein.

Auch das Derby bringt nur drei Punkte. Aber klar ist es etwas Besonderes, auf das ich mich freue. Aber bis dahin müssen wir erst noch fleißig Punkte sammeln, damit das Derby so schön wird, wie wir uns das vorstellen.

Ein paar Zähler haben Sie ja schon zusammen. Zwei Siege, ein Remis, im Pokal weiter. Wie beurteilen Sie den Saisonstart?

Ordentlich, damit können wir einigermaßen zufrieden sein. Ungünstig war, dass wir im Pokal in die Verlängerung mussten, das hat uns in Bochum ein paar Körner gekostet.

Und wie lautet Ihre persönliche Zwischenbilanz?

Ich bin noch nicht da, wo ich sein könnte, da ist noch Luft nach oben. Das wird sich aber mit jeder Spielminute verbessern.

Was noch fehlt, ist ein Tor. Zuletzt beim Test in Gladbach waren Sie ganz nah dran, als Sie in einer Szene erst den Pfosten und dann die Latte getroffen haben. Beunruhigt Sie das?

Nach dem Spiel in Gladbach kam Colt zu mir (96-Torwarttrainer Jörg Sievers, d. Red.) und sagte, dass ich mir fünf gute Chancen selbst herausgearbeitet hätte und immer gut in Bewegung gewesen sei. Er sagte, ich solle mir erst dann Gedanken machen, wenn ich solche Chancen nicht mehr haben würde. Und wenn das so ein erfahrener Mann zu mir sagt ... Ich bin da wirklich locker. Beim Training landen viele Bälle im Tor, deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch im Spiel klappt. Früher oder später wird schon einer reinfallen. Dass ich Tore schießen kann, weiß ich ja.

Das hatte auch Artur Sobiech bis zu seiner Verletzung gut drauf. Wie sehen Sie die Konkurrenzsituation im Angriff?

Ich freue mich, wenn Schnecke (Spitzname von Sobiech, d. Red) wieder fit ist. Mir war bei meinem Wechsel klar, dass wir hier eine hohe Qualität und große Konkurrenz haben werden. Das ist auch gut so. Wenn man aufsteigen will, braucht man immer Spieler, die in Topphasen sind. Wenn einer verletzt ist oder mal nachlässt, kann der Trainer reagieren. Das hilft der Mannschaft ungemein. Und darum geht es letztendlich.

Könnte die Konkurrenzsituation im Team, die sich zunehmend verschärft, weil immer mehr verletzte Spieler zurückkommen, zum Problem werden?

Das kommt immer auf den Charakter des Spielers an. Wenn jemand unzufrieden ist, weil er nicht spielt oder nicht im Kader ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Man macht sich darüber Gedanken, den Verein zu verlassen, oder man bleibt geduldig, arbeitet hart und kämpft sich wieder ran. Letztendlich hat der Trainer die Qual der Wahl.

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