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Ultras werfen Polizei falsche Darstellung vor
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Vorfälle nach dem Derby Ultras werfen Polizei falsche Darstellung vor

Die Vorfälle rund um das Bundesliga-Nordderby in Bremen haben die Diskussionen über den Umgang mit randalierenden Fußballanhängern bei Hannover 96 neu befeuert.

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Polizeieinsatz im Bahnhof: Die Ultras äußern Kritik am Einsatz der Beamten.

Quelle: Körner

Hannover.  Martin Kind sieht durch die jüngsten Geschehnisse nicht nur das Ansehen des Vereins beschädigt. Dieses Verhalten sei „nicht akzeptabel für die Gesellschaft und die Fußball-Bundesliga“, sagte der Klubchef. Der Verein behalte sich eigene Schritte vor, um derartiger Auswüchse Herr zu werden. So werde geprüft, ob gegen die Beteiligten vom Freitag Stadionverbote verhängt werden können.

Eine weitere Überlegung sei es, in der neuen Saison keine Eintrittskarten mehr an die sogenannten Ultras abzugeben. „Selbst wenn es dann auch die Falschen treffen kann“, sagte Kind. „Aber wenn sie sich nicht von den anderen abgrenzen, dann müssen sie dieses Risiko in Kauf nehmen.“

In den nächsten Tagen will der Klub einen Katalog mit Maßnahmen auf einer Zusammenkunft mit Vertretern des Fan-Dachverbandes „Rote Kurve“ und Ultra-Vertretern präsentieren. Dieses Treffen ist laut Kind bereits Ende 2012 vereinbart worden. „Wir müssen klare Signale senden“, sagte der 68-Jährige. Wenn von vornherein klar sei, welche Folgen ein Fehlverhalten für 96-Anhänger habe, dann könne sich bei Verstößen niemand über die Reaktion vonseiten des Klubs beschweren. „Wir sind nicht länger bereit, solchen Leuten eine Plattform zu bieten“, sagte er. „Die brauchen wir nicht. Das Beste ist, sie bleiben weg.“

Kind nimmt dabei vor allem auf die Vorkommnisse auf dem Bahnhof Achim Bezug, bei dem zahlreiche Anhänger der „Roten“ auf der Anreise zum Auswärtsspiel im Regionalexpress 4424 aus der Rolle gefallen waren. Dies hatte nicht nur für rund 300 vermeintliche Fans zur Folge, dass ihnen die Weiterfahrt von einem massiven Polizeiaufgebot verwehrt wurde und sie wieder in Hannover ankamen, als das Spiel im Weserstadion gerade in die entscheidende Phase ging. Zwischen 18.10 und 20.50 Uhr musste die Bahnstrecke aufgrund der Vorfälle in Achim gesperrt werden, sodass acht Züge umgeleitet wurden und es zu erheblichen Verspätungen und auch zu Ausfällen im Reiseverkehr kam. Die Polizei nahm die Personalien von insgesamt 434 Verdächtigen auf, es laufen Ermittlungen unter anderem wegen gemeinschaftlich begangenen Landfriedensbruchs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung.

Auf dem Bahnhof Achim hatte nach Polizeiangaben eine Gruppe von etwa 150 hannoverschen Ultras beim planmäßigen Stopp den Zug verlassen. Ihrer Aufforderung an die anderen rund 550 Mitreisenden, dem Beispiel zu folgen und mit einem anderen Zug bis Bremen-Sebaldsbrück zu fahren, seien noch einmal 150 Personen gefolgt – auch sie wollten so in Bremen offenbar der Polizeibegleitung zum Stadion entgehen. Auf dem Bahnsteig seien bengalische Feuer und Böller gezündet worden, es habe Rangeleien mit der Polizei gegeben. Fans hätten Gleise überschritten und versucht, den nächsten Zug nach Bremen zu stoppen. Aus Sicherheitsgründen ordnete die Polizei, die später auch einen Hubschrauber zur Beobachtung einsetzte, für die gesamte Gruppe ein sogenanntes Betretungsverbot für die Stadt Bremen an, zog weitere Beamte – darunter auch der Bundespolizei – hinzu und verfrachtete die zumeist jungen Leute gegen 20.40 Uhr vom Bahnsteig nach und nach in einen Zug mit Ziel Hannover. Drei Hundertschaften der Polizei gingen mit auf Fahrt.

In Internetforen geht es seitdem hoch her. Polizei und Medien wird dabei vorgehalten, die Geschehnisse falsch darzustellen. Die „Fanhilfe Hannover“, ein den Ultras nahestehender Verein, hält der Polizei hält der Polizei zudem ein „überzogenes und teilweise rechtswidriges Verhalten“ vor.  Der Großteil der 96-Anhänger habe sich ihrer Darstellung nach „absolut friedlich“ verhalten. Warum Hunderte Hannoveraner den Zug verlassen haben, drauf wird hingegen nicht eingegangen. Zur Bilanz von Bahn und Polizei zählt nicht nur die stundenlange Vollsperrung des Bahnhofs Achim. Andere Reisende hatten sich schon nach der Abfahrt des Regionalexpresses in Hannover über pöbelnde Fans beschwert, mehrfach wurde am Freitag in mit 96-Anhängern besetzten Zügen die Notbremse gezogen, es sollen auch Sitze und Deckenverkleidungen beschädigt sowie in Bremen nach Spielschluss Fensterscheiben von Bussen zerstört worden seien.

Im Weserstadion hatte es zuvor auch Ärger gegeben. In der Schlussphase der Bundesligapartie entzündete ein 96-Anhänger, der identifiziert werden konnte, eine bengalische Fackel, verbotenerweise wurden im Gästeblock außerdem zwei Böller verwendet.

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