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Auch ohne Ronaldo: Portugal zerstört Frankreichs Traum

Fußball Auch ohne Ronaldo: Portugal zerstört Frankreichs Traum

Erst weinte Cristiano Ronaldo vor Schmerz und Enttäuschung, dann strömten Tränen des Glücks über seine Wangen. Ohne seinen früh verletzten Superstar hat Portugal den großen Traum der französischen Equipe tricolore zerstört und überraschend seinen ersten großen Titel gewonnen.

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Auch ohne Ronaldo: Portugal zerstört Frankreichs Traum

Quelle: Von Thomas HÄBERLEIN und Thomas NOWAG / SID-IMAGES

Saint-Denis. Im Finale der EM besiegte die Seleccao das Quinas den Gastgeber mit 1:0 (0:0) nach Verlängerung - auch ohne Ronaldo: Dieser war in der 25. Minute weinend ausgewechselt worden.

Vor 75.868 Zuschauern im Stade de France versetzte dafür der eingewechselte Eder in der 109. Minute Frankreich einen Stich ins Herz. Die Portugiesen gewannen dank seines Treffers einen Titel, den sie vor zwölf Jahren bei ihrer EM im Endspiel gegen Griechenland verloren hatten (0:1) - damals mit dem 19 Jahre alten Ronaldo. Der Superstar hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, wie wichtig ihm der EM-Sieg sei.

Es hatte sein großer Abend werden sollen, doch Ronaldo spielte schon bald keine Rolle mehr. Nach einem nicht geahndeten Foul von Dimitri Payet (8.) blieb er auf dem Rasen liegen, spielte weiter, ging vom Feld, wurde behandelt, bekam eine Bandage und kehrte zurück. Dann war doch Schluss, auf einer Trage wurde Ronaldo vom Platz getragen. Er weinte. Vor der Verlängerung stand er als Motivator auf dem Platz.

Frankreich war überlegen und hatte eine Vielzahl von Chancen, doch auch der neue Volksheld Antoine Griezmann, der zwei seiner sechs EM-Treffer im Halbfinale gegen Deutschland (2:0) erzielt hatte, brachte den Ball trotz guter Gelegenheiten nicht im Tor des hervorragenden Rui Patricio unter. Seine größte Chance war ein Kopfball in der 66. Minute.

Portugal war schon in der regulären Spielzeit nah am Sieg: Frankreichs Torhüter Hugo Lloris reagierte aber bei einer Flanke von Nani und dem anschließenden Seitfallzieher von Ronaldo-Ersatz Ricardo Quaresma großartig (80.). Allerdings: In der Nachspielzeit (90.+2) traf der eingewechselte André-Pierre Gignac für die Gastgeber nur den Pfosten.

Frankreich hatte zum dritten Mal in einem EM-Finale gestanden, konnte den Titeln von 1984 (in Frankreich) und 2000 (in Belgien und den Niederlanden) aber keinen dritten hinzufügen. Erstmals nach der EM vor 32 Jahren und der WM vor 18 Jahren verloren die Franzosen zudem ein Endspiel im eigenen Land.

Von der Equipe tricolore war mehr erwartet worden, als nur ein wichtiges Fußballspiel zu gewinnen. Staatspräsident Francois Hollande hatte am Tag des Finales noch einmal betont, "die Menschen brauchen etwas, um ihren Weg zu finden". Ein Auftrag, den die Blauen bereit waren anzunehmen.

Die Entschlossenheit war sichtbar. Moussa Sissoko (6.) und Griezmann (7.) gaben erste Warnschüsse ab. Nach einer Flanke von Olivier Giroud und einem Kopfball von Griezmann regierte Torhüter Rui Patricio glänzend (10.). Ebenso nach einer längeren Phase ohne große Höhepunkte gegen den starken Sissoko (34.) oder später gegen Giroud (75.) und Sissoko (84).

Nicht nur die Franzosen verstanden den Titelgewinn als nationalen Auftrag, wie Ronaldo betont hatte. "Ich habe immer davon geträumt, etwas mit Portugal zu gewinnen", sagte er voller Pathos, "ich verdiene es, Portugal verdient es, die Fans verdienen es, jeder Portugiese verdient es." Nur: Er konnte eben nicht mehr mitwirken.

Immerhin war Pepe wieder dabei. Der Abwehrchef hatte seine Muskelverletzung überwunden. Kurios: Kaum war Ronaldo vom Feld, wirkte Frankreich, wirkte die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps, der die Equipe tricolore als Kapitän 1998 zum WM- und 2000 zum EM-Titel geführt hatte, plötzlich gehemmt. Chancen wurden ein Weile zur Mangelware.

Die Seleccao, so schien es, wartete auf den einen Konter, auf die eine Standardsituation. Es klappte nicht. Der Schuss ins Glück sollte später gelingen. Der in der 79. Minute für Renato Sanches eingewechselte Eder fasste sich ein Herz und versenkte den Ball aus mehr als 20 Metern im Netz. Kurz zuvor hatte bereits der Neu-Dortmunder Raphael Guerreiro einen Freistoß an die Latte gesetzt (108.).

© 2016 SID

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